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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 3898 vom 26.03.2004, Kategorie Kolumne

Bundesligafinale in Jenbach

Vom 18. bis 21. März wurden die letzten vier Runden der ersten Bundesliga in Tirol ausgetragen. Sogar ein Unentschieden (alle Partien endeten remis) in der Schlussrunde gegen den Vorletzten, Austria Graz, reichte den Hohenemsern für den Meistertitel. Das Schlusslicht der 1. Wiener Neustädter SV hatte anscheinend die Hoffnung bereits aufgegeben und trat mit nur fünf Spielern an. Ein anderer Aufsteiger aus dem Vorjahr, Sparkasse Schwarzach, kehrt ebenfalls in die Bundesliga B zurück. Die Abstiegsgruppe wurde mit dem vorjährigen Meister - Austria Graz, komplett. 

Überraschend, aber verdient, wurden die Fürstenfelder Zweiter. Der stärkste Wiener Klub - United Chocolates Tschaturanga - konnte den Vizemeistertitel vom Vorjahr nicht verteidigen. Die Mannschaft kämpfte hart, Bronze war in der Sichtweite, im Endeffekt fehlten 1½ Punkte auf den dritten Platz.

Endstand:

Heute gibt es eine Partie vom Spieler mit der höchsten Eloleistung (2742!, 6½ Punkte aus 8 Partien), den für SK Sparkasse Gleisdorf spielenden IM Rainer Polzin aus Deutschland.

Weiß: Babula, V. (2594)
Schwarz: Polzin, R. (2497)
Aut_chT03 Jenbach [E97]
Anmerkung: GM I. Balinov

1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.Sf3 0-0 6.Le2 e5 7.0-0 Sc6 8.d5 Se7 9.Sd2 Wegen der 9.b4 Variante ist die Popularität der Königsindischen Verteidigung in letzter Zeit gesunken. Kasparov und Topalov als ehemalige Verfechter dieser Eröffnung verwenden sie auch nicht mehr. Aber der junge Radjabov beweist immer wieder, dass die Sache nicht so einfach ist. Der Textzug ist älter und hat folgenden Ideen:

1.Verhindert Sf6-h5 nebst f7-f5.

2.Überdeckt den Punkt e4.

3.Nach b2-b4 und c4-c5 erhöht Weiß mit Sd2-c4 den Druck auf d6.

4.Wenn Schwarz selbst c7-c5 spielt, kann der Springer nach b2-b4 über b3 den Druck auf c5 verstärken.

9...Se8 Bereitet f7-f5 vor. Schwarz versucht oft, den Damenflügel mit 9...c5 geschlossen zu halten. Die Praxis zeigt, dass diese Idee eher dem Weißen entgegen kommt.

10.b4 f5 11.c5 Sf6 12.f3 f4 Schwarz kann den Punkt e4 nicht genug unter Druck setzen, deshalb versucht er am Königsflügel Raumvorteil zu erlangen und einen Angriff mit g5-g4 zu organisieren.

13.Sc4 g5 14.a4 Das ist die typische Königsindische Partie - Weiß spielt am Damen- und Schwarz am Königsflügel.

14...Sg6 15.La3 Tf7 Der Turm sichert die siebente Reihe und ermöglicht den Läufer mit Lf8 den Bauern auf d6 zu überdecken. Dadurch wird auch g7 für den Turm frei, der den g-Bauern-Marsch unterstützen kann.

16.b5 dxc5 Selten gespielt. Meistens wird 16...Lf8 geantwortet.

17.Lxc5 h5 18.a5 Nach 18.d6 Lf8 19.Lf2 cxd6 20.b6 a6 21.Sd5 Sxd5 22.Dxd5 Df6 bekommt Schwarz gutes Spiel. Bunzmann-Golubev, Bethune 2002.

18...g4 19.Kh1 Beachtung verdient 19.Lf2 z.B. 19...Lf8 20.Dd2 g3 21.hxg3 Tg7 22.Sxe5 fxg3 23.Lxg3 Lc5+ 24.Tf2 h4 25.Lh2 h3 26.Sd3 Lxf2+ 27.Sxf2 hxg2 28.e5 und Weiß gewann bald, Lputian-Gagjily, Dubai 2000.

19...g3 Bis zu diesem Zeitpunkt verbrauchte IM Polzin nur 5 Minuten und sein Gegner mehr als eine Stunde!

20.b6 Se8 Der neben GM Babula auf Brett 1 spielende GM Ftacnik erlebte vor Jahren folgenden Albtraum: 20...Sh7 21.d6 Dh4 22.Lg1 Lh3 23.bxc7 Lxg2+! 24.Kxg2 Dh3+!!

25.Kxh3 Sg5+ 26.Kg2 Sh4+ 27.Kh1 g2# 1-0, Ftacnik-Cvitan, DBL 1997/98.

21.bxc7 Txc7 22.Lg1 Lf8 23.d6 Tg7 23...Sxd6 kostet Material: 24.Sb5 Td7 25.Scxd6 Lxd6 26.Lc4+ Kh8 27.Le6 Lc5 28.Lxd7 Lxd7 (28...Lxg1 29.Lxc8) 29.Sd6.

24.Dd5+ Kh7 25.Sxe5 Sf6 26.Dd4 Sxe5 27.Dxe5 Lxd6 28.Dd4 De7 29.Sd5 Die erste kleine Ungenauigkeit! Besser war 29.Dd3.

29...Sxd5 30.Dxd5 Interessant war 30.Ld3 gxh2 (30...Le5 31.exd5+ Kg8 32.De4 Lxa1 33.Txa1) 31.Lxh2 Kh8 32.exd5 Le5 33.De4 Lxa1 34.Txa1 Dg5 35.Lf1 mit Kompensation für die Qualität.

30...Le5 31.Tfb1? Genauer war 31.Ta2, um g2 zu überdecken.

31...Lh3 31...Dg5 ist auch zu prüfen.

32.Lf1 Der Läufer ist tabu: 32.hxg3 fxg3 33.gxh3 g2# oder 32.gxh3 g2#.

32...Td8 33.Db5 33.Txb7 funktioniert nicht: 33...Lxg2+ 34.Lxg2 Txd5 35.Txe7 Txe7 36.exd5 Lxa1 und Schwarz steht auf Gewinn.

33...gxh2 34.Lxh2 Td2 35.Td1? Der Verlustzug! Weiß hatte nichts besseres als den Läufer zu nehmen: 35.gxh3 (35...Dh4 führt nur zum Remis: 36.Dc5 b6 37.axb6 axb6 38.Txb6 (38.Dxb6 Ld4) 38...Txh2+ 39.Kxh2 Dg3+ 40.Kh1 Dxf3+ 41.Kh2 De3 42.Dxe3 fxe3+ 43.Kh1 Lxa1) 35...a6! 36.Dc4 Lxa1 37.Lxf4 (37.Txa1 Dg5 nebst Th2 und Dg1.) 37...Df6 und Weiß kämpft weiter ums Überleben.

35...Lxg2+ 36.Lxg2 Tdxg2 37.Df1 Txh2+! 38.Kxh2 Tg3 0-1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog