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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 3904 vom 16.04.2004, Kategorie Kolumne

Siegerduo in Monte Carlo

Am 20. März startete im Grand Hotel in Monaco die 13. Auflage des Amber-Turniers, gesponsert vom holländischen Schachmäzen Joop van Oosterom. Die zwölf Top-Großmeister spielten in einem Rundenturnier jeweils eine Partie im Aktivschach (25 Minuten + 10 Sekunden pro Zug) und eine im Blindschach! (25 Minuten + 20 Sekunden pro Zug). Der Preisfond betrug knapp 200.000 Euro.

Im Aktivschach dominierte Anand, der diesen Wettbewerb auch gewann. Nach seinem Debüt 2002, gewann Morozevich zum zweiten Mal den Blindschach-Wettbewerb. Er spielte originell, aggressiv, provokant (zweimal das in Vergessenheit geratene Albin-Gambit 1.d4 d5 2.c4 e5) und es hat sich gelohnt. In der Kombinationswertung teilte er mit Kramnik den ersten Platz.

Endstände:

Weiß: Morozevich (2732)
Schwarz: Topalov (2735)
Amber Aktiv Monte Carlo [B90]
Anmerkung: GM I. Balinov

1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Le3 e5 7.Sb3 Le6 8.Dd2 b5 8...Sg4 ist in dieser Stellung wegen 9.Lg5 schlecht. Außerdem hat der Springer nach 6....e5 die wichtige Aufgabe das Feld d5 zu kontrollieren. Häufiger wird 8...Le7 oder 8...Sbd7 gespielt.

9.0-0-0 Eine wichtige Untervariante entsteht nach: 9.f3 Sbd7 10.a4 b4 11.Sd5 Lxd5 12.exd5 Sb6 13.Lxb6 Dxb6 14.a5 Db7 15.Lc4.

9...Sbd7 9...b4 wäre verfrüht: 10.Sd5 Sxe4 11.Dxb4 mit großen Problemen für Schwarz.

10.f4 Morozevich lenkt die Partie in unerforschte Gewässer. 10.f3 führt zu bekannten Stellungen.

10...Le7 Eine der wenigen Partien: 10...Dc7 11.Le2 Tc8 12.Kb1 Le7 13.The1 0-0 14.a3 Tfd8 15.g4 Sc5 16.Sd5 Lxd5 17.exd5 Sxb3 18.cxb3 Se4 19.Dd3 exf4 20.Ld4 mit unklarem Spiel, Ye Jaingchuan-Zhang Zhong, 2001.

11.Kb1 Tc8 Das Qualitätsopfer Tc8-c3 gefolgt von Sf6-e4 hängt schon in der Luft.

12.f5 Lc4 13.g4!? Es wird selten die moderne Sizilianische Partie gespielt, wo Weiß auf g2-g4 verzichtet.

13...Sxg4 13...h6 ermöglicht, nach entsprechender Vorbereitung mit 14.Tg1 und h2-h4, nur den Hebel g4-g5. 13...b4 ist immer noch unwirksam: 14.Sd5 Sxe4 15.Dg2 (Aber nicht 15.Dxb4 Lxd5 16.Txd5 Sef6 17.Td1 d5 und Schwarz steht ok.) 15...Lxd5 (15...Sef6 16.Sxe7 Lxf1 17.Thxf1 Dxe7 18.g5 Sh5 19.De2) 16.Txd5 Sec5 17.Sxc5 Sxc5 18.g5 mit mehr als Kompensation für den Bauern.

14.Tg1 Sxe3 Auf 14...Sdf6 ist 15.Lg5 unangenehm.

15.Dxe3 g6 Beachtung verdient 15...Db6 16.Dg3 und 16...Sf6. Nach 15...0-0 wäre der schwarze König in größerer Gefahr als in der Mitte.

16.Lxc4 bxc4 17.Sd2 Sf6 18.Dh3 Mit der Drohung 19.fxg6 hxg6 20.Txg6.

18...Dd7 19.Sf1 In Richtung e3, wo die wichtigen Felder d5 und f5 ins Visier genommen werden.

19...gxf5 20.Se3! Das Feld d5 ist wichtiger als der Bauer! Nach 20.exf5 übernimmt Schwarz mit 20...d5 das Zentrum. Die Taktik mit 21.Sxd5 funktioniert nicht: (21.Dg3 Dd6 22.Sxd5 Sxd5 23.Se3 Tc5 24.Df3 e4 25.Dxe4 Df4) 21...Sxd5 22.Se3 Sf4.

20...Sxe4 Es ist schwer abzuschätzen: der Textzug oder 20...fxe4 ?!

21.Scd5!?

Morozevich opfert für die Initiative, neben den drei Bauern, locker noch eine Qualität. Topalov rechnete vielleicht nur mit 21.Sxe4 fxe4 22.Dh5.

21...Sf2 22.Dh5 Sxd1 23.Txd1 Tc5? Das Streben Topalovs einen der lästigen Springer zu entfernen ist verständlich. Chancen auf Verteidigung bot 23...Tg8! Z.B. 24.Sxe7 (24.Sxf5 Tg5; 24.Dxh7 Tg6 25.Dh8+ Lf8 26.Sf6+ Txf6 27.Dxf6 De6 28.Dh4 Tc5 und der Angriff ist vorbei.) 24...Kxe7 (Schwarz behält nach 24...Dxe7 25.Sxf5 De6 26.Sxd6+ Kd7 27.Dxh7 Vorteil) 25.Sxf5+ Ke6 26.Dh3 Tcf8 mit unklarer Position.

24.Sxe7 Gewinnt forciert.

24...Dxe7 25.Sxf5 e4 Auf 25...Df6 folgt 26.Sxd6+ Kf8 und 27.Se4.

26.Sg7+ Kf8 26...Kd8 geht wegen 7.Dxc5 nicht.

27.Dh6 De5 28.Sf5+ Ke8 29.Sxd6+ Ke7 30.Sf5+ Ke8 30...Dxf5 31.Dd6+ Ke8 32.Dd8#

31.Dg5 Dc7 32.Sg7+ und Schwarz verliert Dame und Turm: 32.Sg7+ Kf8 33.Td8+ Dxd8 34.Dxd8+ Kxg7 35.Dd4+ Kg6 36.Dxc5. 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog