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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 3909 vom 23.04.2004, Kategorie Kolumne

8. Internationales Neckar Open

Mehr als 600 Schachspieler nahmen während der Osterfeiertage beim 8. Internationalen Neckar Open in Deizisau teil, einer kleinen Gemeinde mit 6.550 Einwohnern in der Nähe von Stuttgart. Für den Veranstalter bedeutete dies ein neuer Teilnehmerrekord. In der A-Gruppe (315 Spieler) konnte der Elofavorit, der junge Usbeke Kasimdzhanov, seiner Rolle gerecht werden.

Bei diesem Turnier war überraschenderweise (österreichische Spieler sind normalerweise kaum bei großen Schachveranstaltungen im Ausland vertreten) die österreichische Beteiligung sehr hoch, darunter auch einige Spitzenspieler wie Christian Weiss (6 Punkte), Markus Ragger (6 Punkte) und Eva Moser (5½ Punkte).

Endstand Gruppe A nach 9 Runden:

Eine Partie vom Turniersieger:

Weiß: Kasimdzhanov (2562)
Schwarz: Postojev (2137)
8. Int. Neckar Open [B31]
Anmerkung: GM I. Balinov

1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 g6 4.0–0 Die häufigste Reihenfolge ist: 4.Lxc6 dxc6 5.d3 Lg7 6.h3.

4...Lg7 5.Te1 Sehr oft erweist sich dieser Zug als Tempoverlust. Präziser ist 5.Lxc6 dxc6 6.d3.

5...e5 5...Sf6 ist auch eine Alternative.

6.Lxc6 dxc6 Erinnerung an eine grandiose Partie: 6...bxc6 7.b4!? cxb4 8.a3 c5 9.axb4 cxb4 10.d4! exd4 11.Lb2 d6 12.Sxd4 Dd7 13.Sd2 Lb7 14.Sc4 Sh6 15.Sf5! Lxb2 16.Scxd6+ Kf8 17.Sxh6 f6 18.Sdf7 Dxd1 19.Taxd1 Ke7 20.Sxh8 Txh8 21.Sf5+! gxf5 22.exf5+ Le5 23.f4 Tc8 24.fxe5 Txc2 25.e6 und Weiß realisierte bald den materiellen Vorteil, Fischer-Spassky, St. Stefan 1992.

7.d3 Se7 Sieht natürlich aus, ist aber schon die Ursache für spätere Probleme. Der richtige Plan wird in der folgenden Partie demonstriert: 7...De7 8.Sbd2 Sf6 9.Sc4 Sd7 10.a4 0–0 11.a5 Td8 12.Ld2 Sf8 13.Tb1 f6 14.b4 Le6 15.Se3 b6 16.axb6 axb6 17.bxc5 Dxc5 Remis, Anand-Leko, Amber rapid 2004.

8.Le3 b6 9.Sbd2 0–0 10.a3 Mit der eindeutigen positionellen Drohung b2-b4. 10...a5? Schwarz versucht das zu erschweren, dies kommt aber nur dem weißen Plan entgegen. Besser wäre: 10...Dc7 11.b4 cxb4 12.axb4 Le6

11.Sc4 Dc7 12.b4 axb4 13.axb4 Txa1 14.Dxa1 b5 15.Da5!

Jetzt ist offensichtlich, dass die Öffnung der a-Linie (dank 10....a5) nachteilig für Schwarz war. 15.Scxe5 ist wegen 15...f6 16.Da2+ c4 schlecht.

15...Dxa5 16.Sxa5 cxb4 17.Lc5 Te8 18.Lxb4 Ld7 19.Sb7 Macht die a-Linie frei und nimmt c5 und d6 ins Visier.

19...Sc8 20.Lc5 Die weißen Figuren dominieren klar.

20...Lf8 21.Ta1 Lg4 22.Sd2 22.Ta6 wäre auch gut.

22...Lxc5 23.Sxc5 Sb6 24.f3 Sd7 25.Sdb3 Le6 26.Sxd7 Lxd7 27.Sc5 Der mächtige Springer auf c5, der nicht zu vertreiben ist, und die a-Linie sind sicheren Garant für den Erfolg!

27...Td8 28.Ta7 Le8 29.Kf2 Keine Eile! Zuerst den König zentralisieren.

29...Td4 Schwarz sucht das Gegenspiel und beschleunigt damit die Entscheidung.

30.Ke3 Kf8? Der Verlustzug. Notwendig wäre der Turmrückzug 30...Td8 Hier hätte Weiß viele Möglichkeiten. Eine davon ist, mittels g3 f3-f4 vorzubereiten.

31.f4 Tb4 32.fxe5 Tb2 33.Kd2 Tb1 34.e6! Schwarz gab rechtzeitig auf: 34.e6 fxe6 (34...f6 35.Txh7; 34...Tg1 35.e7+ Kg7 36.Ta8) 35.Sxe6+ Kg8 36.Tg7+ Kh8 37.Te7 Kg8 38.Txe8+ Kf7 39.Sc7 mit einer Figur mehr. 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog