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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 3953 vom 09.07.2004, Kategorie Kolumne

Überraschung bei der WM in Tripolis

Für Überraschung sorgte der 25-jährige  Usbeke Rustam Kasimdzhanov. Nach Almasi, Ivanchuk und Grischuk musste nun auch Topalov die Koffer packen. Das Glück spielt dabei eine ordentliche Rolle! Nach drei Remisen geriet Kasimdzhanov in der letzten (vierten) Partie gegen Topalov ziemlich in Bedrängnis. Mit wenigen Sekunden auf der Uhr konnte er trotzdem Gegenspiel organisieren und sich mit Zugwiederholung gerade noch aus der Affäre ziehen. Das Drama für Topalov war, dass er sogar in der Schlussstellung abweichen und auf Gewinn hätte spielen können. Im Stichkampf wiederholte sich die gleiche Geschichte, nur mit schlimmeren Folgen für den Favoriten. Der Usbeke drehte die Partie um und gewann. Topalov riskierte in der zweiten Stichkampfpartie mit Schwarz alles, aber vergeblich.

In der anderen Semifinalpaarung gab es wenig Spannung. Adams siegte mit Schwarz in der ersten Begegnung (unsere heutige Partie) und spielte danach drei sichere Remisen. Radjabov fehlte es an Energie und Ideen. Das Finale wird auf sechs Partien ausgetragen, wobei Adams der klare Favorit ist. Das wird Kasimdzhanov aber natürlich wenig beeindrucken!

Weiß: Radjabov, T. (2670)
Schwarz: Adams, M. (2731)
FIDE-WM Tripolis
Anmerkung: GM I. Balinov

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.g3 Ein großer Experte der Katalanischen Eröffnung ist der für Styria Graz (heuer in die 1. Bundesliga aufgestiegen) spielende GM Ribli.

3...d5 Mit 3...c5 4.d5 (4.Sf3 cxd4 5.Sxd4 wäre schon die Englische Eröffnung) 4...exd5 5.cxd5 d6 könnte man in die Benoni-Verteidigung übergehen.

4.Sf3 dxc4 Schwarz verfügt über zwei Strategien: 1. Den Punkt d5 (mit c6) zu halten, damit der Läufer von g2 auf der langen Diagonale nicht so stark wird oder 2. dxc4 (wie in der Partie). Weiß verliert dadurch Zeit, den Bauern zurückzuerobern - oder er opfert ihn.

5.Lg2 a6 Moderne Variante: Schwarz hat vor, sich an den c4-Bauern zu klammern.

6.0–0 Sc6 Mit Druck auf d4.

7.e3 Ld7 8.Sc3 Wenig ist mit 8.Se5 Sxe5 9.dxe5 Sd5 zu erreichen. Auf 10.Lxd5 exd5 11.Dxd5 folgt 11...Lc6. 12.Dxc4 geht wegen 12...Lb5 nicht. Der Textzug bereitet Se5 vor.

8...Sd5 9.Sd2 Der Ex-FIDE-Weltmeister Khalifman versuchte hier 9.De2 Sxc3 (9...Lb4!? verdient Beachtung.) 10.bxc3 Ld6 11.Td1 (Natürlich nicht 11.Dxc4? wegen 11...Sa5 12.De2 Lb5 mit Qualitätsverlust.) 11...b5 12.Se5 Lxe5 (Interessant wäre 12...Sxe5 13.dxe5 Lxe5 14.Lxa8 Dxa8 mit Kompensation.) 13.dxe5 Sxe5 14.Dh5 Sd3 15.La3 Tb8 16.Le4 b4 17.Lxb4 Sxb4 18.cxb4 Tb5 19.De2 Db8 20.a3 mit klarem Vorteil für Weiß, Khalifman-Arshak.

9...Sb6!?N Erstaunlich! Vor Adams hat – soweit ersichtlich - niemand diesen natürlichen Zug gespielt. Die einzige Fortsetzung war bis jetzt 9...Sxc3. Eine aktuelle Partie: 10.bxc3 b5 11.Dg4 e5 12.Dh5 Ld6 13.a4 Tb8 14.axb5 axb5 15.Ta6 Tb6 16.Txb6 cxb6 17.Se4 De7 18.f4 exf4 19.exf4 0–0 20.Dd5 Lb8 21.f5 und Weiß gewann bald, Grischuk-Jakovenko, RUS-chT 2003.

10.De2 Sa5 11.e4 Interessant war 11.Dh5 Lb4 12.a3 g6 13.De5 f6 14.De4 Ld6 15.Dc2 und Weiß verliert viele Tempi, dafür ist aber die schwarze Bauernstruktur etwas geschwächt. Die Drohung wäre nun 16.Se2 und 17. Dc3.

11...Lb4 12.Dg4? Sieht aktiv aus, kommt aber nur Adams entgegen.

12...Df6 13.Sf3 h5! Erzwingt Damentausch.

14.Df4 Dxf4 15.Lxf4 0–0–0 Weiß hat für den Bauern keine Spur von Kompensation.

16.Tac1 f6 Nimmt e5 und g5 unter Kontrolle.

17.h4 Kb8 18.Tc2 The8 19.Te1 Sc6 20.Td2 Sa7 21.Tde2 Sb5 22.Ld2 Lxc3 22...c5 wäre auch gut.

23.bxc3 Sa4 24.Te3 c5 25.e5 Lc8 26.dxc5 Sxc5 27.Lf1 Sa3 28.Sd4 Sc2 29.Sxc2 Txd2 30.Sd4 b5 31.T3e2 Txe2 32.Lxe2 Th8 33.exf6 gxf6 34.f4 Sa4 35.Tc1 Kc7 Adams vergrößerte in den letzten 20 Zügen kontinuierlich seinen Vorteil. Er befreite sich vom Doppelbauern auf der c-Linie. Der Rest ist Technik.

36.Kf2 Sc5 37.Ke3 Lb7 38.Tg1 Ld5 39.g4 Wie es so oft passiert: Auf der Suche nach Gegenspiel beschleunigt man die Entscheidung noch.

39...hxg4 40.Txg4 Kd6! Droht 41....f5 mit Bauerngewinn auf h4.

41.f5 e5 42.Sc2 Le4! 43.Txe4 Sxe4 44.Kxe4 Txh4+ 45.Ke3 Tf4 Wenn der f5-Bauer fällt dann ist die Partie vorbei.

46.Sd4 Radjabov hat schon oft sein erfinderisches Talent bewiesen. Hier hilft es ihm leider wenig.

46...b4 47.Se6 bxc3!

47...bxc3 48.Sxf4 exf4+ und der c-Bauer ist nicht zu halten. 0–1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog