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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 4076 vom 14.08.2004, Kategorie Kolumne

Morozevich und Anand in Hochform

Im Juli fanden zwei traditionelle Turniere in Biel bzw. Dortmund statt. Während  in Biel die Spieler kompromisslos zur Sache gingen (Alexander Morozevich war tonangebend und siegte mit 1½(!) Punkten Vorsprung bei 10 Runden vor Krishnan Sasikiran und Ruslan Ponomariov), wurde die Spannung in Dortmund eher in die Stichkämpfe (Tie-Breaks) verschoben. Die Kontrahenten um den Weltmeistertitel im klassischen Schach Kramnik und Leko (das Match wird im Herbst stattfinden) konnten von ihren insgesamt 24 Partien (klassisches Schach) keine einzige gewinnen. Anand bestätigte wieder  seine Hochform. Im Finale setzte er sich gegen Kramnik mit 2½-1½ durch.

Heute einige Schmankerl von den beiden Turnieren:

Sasikiran (2666) – Ponomariov (2722)

1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 e6 5.Lg5 h6 6.Lh4 dxc4 7.e4 g5 8.Lg3 b5 9.Le2 Lb7 10.Se5 Lg7 11.f4N Neuer Zug. Bis jetzt wurde hier ausschließlich 11.h4 gespielt.

11...Sfd7 12.Sxf7!? Interessantes positionelles Opfer!

12...Kxf7 13.Lh5+ Ke7 14.e5 Db6 15.fxg5 Kd8 Alternativ ist hier 15...hxg5 16.Dg4 Lh6 möglich.

16.Dg4 Lxe5? Ponomariov geht ins klar schlechtere Endspiel. Besser wäre 16...c5 und Weiß kann die Korrektheit des Opfers nicht so leicht beweisen: 17.Lf2 (17.0–0–0 cxd4 18.Txd4 b4 oder 17.gxh6 Lxh6 18.Lf2 Sc6 19.dxc5 Sxc5 20.Td1+ Kc7 21.Td5 Lf8) 17...Sc6 18.dxc5 Sxc5 19.0–0–0+ Kc7 20.Td5 Sxe5 und Schwarz verteidigt sich erfolgreich.

17.dxe5 De3+ 18.De2 Dxe2+ 19.Lxe2 Sa6 20.Se4 Sac5 21.Sxc5 Sxc5 22.0–0–0+ Kc7 23.Thf1 hxg5 24.Tf7+ Kb6 25.Lf2 Tab8 26.b4 cxb3 27.axb3 a5 28.Td2 Thf8 29.Tf6 Tfd8 30.Tc2 Td5 31.Txe6 Lc8 32.Te8 g4 33.h4

Zugzwang! Zum Beispiel: 33.h4 Ta8 (33...gxh3 34.gxh3) 34.h5 Lb7 35.Txa8 Lxa8 36.Txc5 Txc5+ 37.Lxc5+ Kxc5 38.h6. 1–0

Morozevich (2743) - Sasikiran (2666)

1...Dc3 2.Ld6 Sxe5 Weiß steht nach 2...Dxd3 3.Ta3 Sxe5 4.Txd3 Sxd3 5.Te3 Sdf4 6.Sb3 Tad8 7.Sc5 Lc8 8.e5 besser.

3.Ta3 Db2 4.Tb3 Da2 5.Sxe5 Lxe5 6.Lxe5 Txe5 7.Sc4!? Morozevich spielt wie gewohnt fantasievoll!

7...Te7? Notwendig war 7...bxc4 8.Lxc4 Dxa4 9.Lxf7+ Kh8! 10.Txb7 (10.Dd6 Tb5) 10...Dxd1 11.Txd1 Txe4 und Schwarz hält das Gleichgewicht.

8.Ta3 bxc4 9.Txa2 Td8 10.Td2 Ted7 11.Df3 Txd3 12.Txd3 Txd3 13.Te3 Td7 14.De2 1–0

Karjakin (2591) - Kramnik (2770)

1...Tg6 2.Kb7? Ganz natürlicher Zug, der aber den Sieg auslässt! Es sollte zuerst die Dame aktiviert werden: 2.De3+! Kh2 (2...Tg3 3.Dh6+ Kg4 4.Dg7+ Kh3 [oder 4...Kf3 5.Dc3+ Kf2 6.Dd4+ nebst 75.c7.] 5.Dh8+ Kg4 6.Dd4+ Kh3 7.c7) 3.Df2 Kh3 (3...Tg4 4.c7 Tc4 5.Kb7 a4 [5...Tb4+ 6.Kc6 Tc4+ 7.Kd7 wie bei der anderen Variante.] 6.c8D Txc8 7.Kxc8 a3 8.Kd7 Kh1 9.Dh4+ Kg1 10.Dg3 a2 11.De1+ Kh2 12.De5+ Kh3 [12...Kh1 13.Dh8+ Kg1 14.Da1+ Kh2 15.Dxa2 Kh1 16.Dd5 Kh2 17.De5+ Kh1 18.De4 Kh2 19.Df4+ Kh1 20.Df3 Kh2 21.Df2 Kh1 22.Dh4+ Kg1 23.Ke6 und so weiter.] 13.Dh8+ Kg3 14.Da1 Kf3 15.Ke7 und der weiße König nähert sich.) 4.Df5+ Tg4 5.Df3+ Kh4 6.Df2+ Kh3 7.c7 wie in der obigen Variante.

2...Tg3! 3.c7 Tb3+ 4.Ka6 Tc3 5.Kb6 Tb3+ 6.Kxa5 Tc3 Unglaublich, aber wahr! Kramnik rettet sich studienhaft! 7.Kb6 Tb3+ 8.Kc6 Tc3+ 9.Kd7 Td3+ 10.Kc8 Tg3 11.Kd7 Td3+ 12.Ke6 Tc3 13.Kd6 Td3+ 14.Ke5 Tc3 15.Kf5 Txc7 16.De3+ Kh2 17.Df4+ Kh1 18.Dxc7 g1D ½‑½

Anand (2782) – Rublevsky (2686)

1...Sxe5 2.Txf6! gxf6 3.Le4 Db8 4.Sc6 Sxc6 5.Lxc6+ Kf8 6.Df3 Ta7 7.De3 Tc7 8.Df4 Tb7 9.Dh6+ Kg8 10.Ld4 e5 11.Le3 Dd6 12.Lxb7 Lxb7 13.Td1 De6 Rublevsky wehrt die erste Angriffswelle ab! Sein König ist aber immer noch offen und der Turm auf h8 spielt nicht mit.

14.b4! Mit der Idee Le3-c5, um den wichtigen Verteidiger abzutauschen.

14...Dg4 15.Td2 Dxb4 16.Se2 f5 Schwarz hat es sehr schwierig: 16...Lc8 17.h3 Lf5 18.Sg3 Lg6 19.Sh5 Lxh5 20.Dxh5 De4 21.Lh6 Dg6 22.Dh4 gefolgt von Td3 oder Td7.

17.Sg3 f4 17...Dg4 verliert recht hübsch: 18.Sxf5 Dxf5 19.Td8+ Lxd8 20.Lc5

18.Sf5 Db1+ 19.Kf2 fxe3+ 20.Ke2! 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog