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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 4096 vom 25.09.2004, Kategorie Kolumne

Ungarn gegen Deutschland

Am 14. Oktober beginnt in Calvia (Mallorca) die alle zwei Jahre stattfindende Schacholympiade. Ein Ländermatch zwischen Ungarn und Deutschland in Budapest sollte beide Nationalteams aufwärmen. Die Magyaren ohne Leko, Polgar und Almasi  präsentierten sich als sehr  gute Gastgeber und verloren katastrophal mit 13-23 (die Erwartung lagen bei 17-19). Jeder Spieler traf auf jeden Spieler der Gegnermannschaft: d.h. insgesamt wurden sechs Runden ausgetragen.

Das österreichische Olympia-Team steht bereits fest. Bei den Herren sind dies die IMs Friedrich Volkmann, Martin Neubauer, Herwig Pilaj, Oliver Lehner, Eva Moser und Georg Danner (Kapitän). Bei den Damen wird Österreich durch WIM Helene Mira, WFM Anna-Christina Kopinits, WFM Maria Horvath und WÖM Sonja Sommer vertreten sein.

Heute 3 Beispiele vom Länderkampf:

Lutz, C. (2596) - Gyimesi, Z. (2618)

1.Sf5! Lf8 Nach 1...gxf5 2.Dxf5 nebst h5-h6 und Dh7 wäre die Lage für Schwarz hoffnungslos.

2.hxg6 fxg6 Die h-Linie muss geschlossen bleiben. Andernfalls: 2...hxg6 3.Dh3 Dxd5 4.Le4 (4.Lf6 Dxg2+) 4...De6 5.Lxb7 gxf5 6.Dh4 Tab8 7.Lxc8 Txc8 8.Tc3 Lg7 9.Tg3 Kf8 10.Dh7 mit Qualität mehr und Angriff.

3.Lb3 gxf5 Jetzt steht der schwarzen König ziemlich luftig. Die Alternative wäre: 3...Dxd5 4.Dxc4 Txc4 5.Lxc4 gxf5 6.Ted1 Dxc4 7.Txc4 mit Chancen.

4.Txc4 La6 4...Da5 5.Ld2 Dd8 6.Dxf5.

5.Dg3 Da7 5...Lxc4 6.Le3+ Lg7 7.Lxc5 Txc5 8.Tc1 Tac8 9.Lxc4 Txc4 10.Txc4 Txc4 11.a5 Ta4 12.Dg5 und der a-Bauer wird einen hohen Preis haben.

6.Tc6 Dg7 7.Dh4 Lb7 8.Te3 f4 9.Th3 Tab8 9...Dg6 10.Lc2 e4 11.Lxf4.

10.Lf6 Dg6 11.Lc2 e4 12.Dxf4 Lxc6 13.dxc6 Kf7 14.Lh4+ Ke8 15.Lxe4 Df7 16.Te3! Lutz spielt mit Witz! 16.Lf5 wäre trivial.

16...Le7 Man sollte vielleicht in solchen Stellungen (wo auch die Götter sprachlos sind) kooperativer sein und das schöne Matt 16...Dxf4 17.Lg6# zulassen!

17.Lf5 1–0

Dautov, R. (2624) - Berkes, F. (2614)

1...Txd2!? An Mut fehlt es dem jungen Berkes sicher nicht (das weiß ich auch aus eigener Erfahrung!). Das ganze sieht nicht so bedrohlich und forciert aus, ist aber ziemlich unangenehm zu verteidigen - sogar für einen Verteidigungskünstler wie Dautov. Meist wird 1...Sg6 gespielt.

2.Dxd2 Sg6 3.g5 Richtig war 3.Lf3 Dxe3 4.Dxe3 Txe3 5.Kf2 Lxf4 (5...Lb6 6.Sa4) 6.Td8+ Kh7 7.Te1 Txe1 8.Kxe1 mit Gleichgewicht.

3...Se4 4.Sxe4 4.Dd7 ist unzureichend: 4...Sxc3 5.Dxe7 Txe7 6.bxc3 Txe3 und die weißen Bauern sind alle schwach.

4...Dxe4+ 5.Lf3 Dxe3 6.Dxe3 Txe3 7.Kf2 Nach 7.Td4 Sxf4+ 8.Kf2 Te7 9.Kf1 Sxh3 10.Txh4 Sxg5 hätte Schwarz schon drei Bauern für die Qualität.

7...Lb6 8.f5 Sf4 9.Td8+ Das ist eine Art Aufgabe. 9.Td8+?? Te8+. Aber 9.Lg4 Txh3+ 10.Ke1 Tg3 macht auch keinen Spaß. 0–1

Horvath, C. (2546) – Graf, A. (2661)

1...Db6! Mit Konventionen hat diese Stellung wenig zu tun. Dafür ist hauptsächlich GM Graf verantwortlich. Dank solcher Spieler kann Schach auch als Kunst betrachtet werden!

2.Sxb7 Ld4 3.Dxe7 Die Fortsetzung 3.Dd3 Lxf2+ 4.Kh1 Lxb7 5.Lxe7 Tf5 6.Lg2 Lxe1 7.Txe1 Sd7 wäre vielleicht die beste für Weiß.

3...Lxf2+ 4.Kh1 oder auf g2? 4.Kg2 wäre ein typischer Computer-Zug und richtig: 4...Sf5 (Nach 4...Lxb7 5.Lh6 Lxd5+ 6.Kh3 gewinnt Weiß) 5.De4 Lxb7 6.Sg4 Lxe1 7.Txe1 und die Show geht weiter.

4...Sf5 5.Te6 Horvath gab sich nicht mit der Statistenrolle zufrieden und goss zusätzlich Öl ins Feuer! Aber was sonst? Nach 5.De5 Lxb7 6.Lc4 (6.Ted1 Sd7) 6...Sd7 (6...Lxe1 7.Txe1 Df2 8.De6+ Tf7 9.De8+ Tf8 10.De6+ Tf7 11.De8+ Kg7 12.De5+ Dauerschach.) 7.De6+ Tf7 ist es überhaupt schwer, einen Zug zu finden. Vielleicht: 8.Dxb6 Sxb6 9.Te8+ Kg7 10.Le2 Sxd5 (oder 10...Sg3+ 11.Kg2 Sxe2 12.Txe2 Lxd5+ 13.Kh3) 11.Lf3 und Weiß kämpft.

5...Lxb7! 6.Txb6 6.Lc4 Sxe7 7.Txb6 Lxb6 8.Lxe7 Tf4 9.b3 Td4 und d5 geht auch verloren.

6...Lxd5+ 7.Sf3 Hier taucht wieder meine Kooperationsidee auf: 7.Lg2 Sg3#.

7...Sxe7 8.Txb8 Lxf3+ 9.Lg2 Lxg2+ 10.Kxg2 Txb8 11.Kxf2 Kf7 12.Td1 Tb5 13.Le3 Tf5+ 14.Ke2 Sd5 15.Ld4 h5 16.Tc1 h4 17.Tc8 Sf4+ 18.Ke3 Se6 19.La7 g5 20.Ke4 Kf6 21.Le3 Te5+ 22.Kd3 Kf5 Schwarz bleiben zwei Bauern mehr. 0–1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog