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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 4379 vom 02.07.2005, Kategorie Kolumne

Die Maschine triumphiert

Zum ersten Mal im Duell Mensch-Maschine kam es zu einem so deutlichen Sieg für den Computer. In London gewann das Programm HYDRA vom 21. bis 27. Juni gegen die Nummer 7 der Welt Michael Adams (2737) das Match sensationell mit 5½-½! Ohne den Erfolg von HYDRA zu schmälern, muss man sagen, dass Adams in einem Tief war und noch dazu schlecht vorbereitet, was die Eröffnungswahl betraf.

Weiß: HYDRA
Schwarz: Adams,M (2737)
Man-Machine London, 3. Partie
Anmerkung: GM I. Balinov

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0–0 Le7 6.Te1 b5 7.Lb3 d6 Der Marshall-Angriff wird von Adams verständlicherweise nicht in Betracht gezogen. 7...0–0 8.c3 d5 9.exd5 Sxd5 10.Sxe5 Sxe5 11.Txe5 c6.

8.c3 0–0 9.d4 Momentan sehr aktuell. Die Hauptfortsetzung 9.h3 vermeidet den folgenden Textzug.

9...Lg4 10.d5 Die Alternative ist 10.Le3 und e4 ist indirekt gedeckt: 10...Sxe4? 11.Ld5.

10...Sa5 11.Lc2 c6 12.h3 Lc8 13.dxc6 Weiß kann den d5-Punkt nicht halten.

13...Dc7 14.Sbd2 Dxc6 15.Sf1 Le6 16.Sg5 Einen klaren Vorteil erlangte der wieder aktive Gata Kamsky in der Partie: 16.Sg3 Tfd8 17.De2 Tac8 18.Sh4 g6 19.Lg5 Sc4 20.Ld3 Kg7 21.b3 Sb6 22.Tac1 Sbd7 23.c4 b4 24.Shf5+ Kamsky-Lapshun, USA-Ch., San Diego 2004.

16...Ld8N Neuerung. Bis jetzt wurde hauptsächlich 16...Ld7 gespielt, wie in der Begegnung: 17.Se3 h6 18.Sd5 Sxd5 19.exd5 Dc8 20.Sf3 Lf5 21.b3 Lxc2 22.Dxc2 Db7 23.La3 Dd7 24.c4 Sb7 25.Tac1 Tfc8 26.De2 Ld8 mit dynamischem Gleichgewicht , McShane-Slobodjan, Loppstadt 2000.

17.Se3 Adams lässt den Abtausch 17.Sxe6 fxe6 zu. Damit erhält er die f-Linie und d5 und f5 unter Kontrolle.

17...Ld7 Beachtung verdiente: 17...h6 18.Sxe6 fxe6 19.b4 Sc4 20.Sxc4 bxc4.

18.a4 h6 19.Sf3 Tc8 Eine andere Möglichkeit wäre 19...Lb6. Zum Beispiel: 20.Sd5 Sxd5 21.exd5 Dc7 22.axb5 axb5 23.Dd3 f5 24.Sh4 Dd8 und Schwarz könnte zufrieden sein.

20.axb5 axb5 21.Sh4 Sc4 Der e4-Bauer war giftig: 21...Sxe4? 22.Sef5! d5 23.Txa5 Df6 (23...Lxa5 24.Se7+) 24.Lxe4 Lxa5 25.Dxd5.

22.Sxc4 HYDRA hatte einige Optionen zur Verfügung: 22.Df3 oder 22.Shf5 Sxe3 23.Lxe3 Lxf5 24.exf5 d5 25.Ld3.

22...bxc4 23.La4 Dc7 24.Lxd7 Dxd7 25.Sf5 d5 Es ist unglaublich, dass Schwarz diese optisch "ausgeglichene" Stellung bald aufgeben muss.

26.Ta6! Db7 Die nächsten Varianten demonstrieren, wie schwierig die schwarze Position ist: 26...dxe4 27.Dxd7 Sxd7 28.Txe4 Lf6 29.Sd6; 26...Tc6 27.Txc6 Dxc6 28.exd5 Dxd5 29.Dxd5 Sxd5 30.Txe5; 26...Tc7 27.Td6 Dc8 28.Sxh6+ gxh6 29.Lxh6 Le7 30.Df3 dxe4 31.Dg3+ Sg4 32.Td5 Td8 33.Txd8+ Lxd8 34.Dxg4+.

27.Td6 27.Txf6 bringt nichts: 27...Lxf6 28.Sd6 Dc7 29.Sxc8 dxe4 30.Dg4 Kh8.

27...Le7?

Diagramm

Schwarz hat keine vernünftige Fortsetzung:
1) 27...dxe4 28.Lxh6 gxh6 29.Dd2 Sh7 30.Dxh6 f6 31.Ted1
2) 27...Kh7 28.Lxh6 gxh6 29.Dd2
3) 27...Sxe4 28.Txd5 Sf6 29.Tdxe5
4) 27...Tc6 28.Txc6 Dxc6 29.exd5 Dxd5 30.Dxd5 Sxd5 31.Txe5

28.Lxh6! Die folgende Analyse zeigt, dass Adams mit Recht dem Computer vertraut hatte: 28.Lxh6 gxh6 (28...Lxd6 29.Lxg7 Le7 [29...Se8 30.Sxd6 Dd7 31.Lxf8 Sxd6 32.Lxd6 Dxd6 33.Dg4+] 30.Lxf6 Lxf6 31.Dg4+ Kh7 32.Te3 Tc6 33.Dh5+ Kg8 34.exd5 Ta6 35.Tg3+ Lg5 36.Txg5+ Tg6 37.d6 Tb8 38.Se7+) 29.Df3 Kh7 (29...Sxe4 30.Sxh6+ Kh7 31.Dh5) 30.De3 Sg8 31.Txh6+ Sxh6 32.Dxh6+ Kg8 33.Dg7#. Nur eine ausführliche Analyse kann die Frage beantworten, wo der entscheidende Fehler von Adams war. 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog