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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 4389 vom 23.07.2005, Kategorie Kolumne

Sensationeller Sieg für Arkadij Naiditsch

Zum ersten Mal in der Geschichte der Dortmunder Schachtage wurde das Turnier von einem Deutschen gewonnen. Die Rede ist vom erst 19-jährigen Arkadij Naiditsch der 1985 in Riga (Lettland) geboren wurde, aber in Dortmund mit deutschem Pass aufgewachsen ist. Der krasse Außenseiter führte schon ab der ersten Runde, aber niemand glaubte ernsthaft, dass er gewinnen würde. In der entscheidenden 9. Runde konnte er locker mit Schwarz gegen seinen Verfolger Svidler remisieren. Sein Konkurrent, Kramnik, verlor gegen Bacrot und Van Wely kam über einen halben Punkt nicht hinaus. Nachdem die gesamte deutsche Spitze seit Jahren um die 2650-er Elomarke stagniert und die Einbürgerung von Levon Aronian vor Jahren scheiterte (zurzeit über 2700) ist Arkadij Naiditsch die einzige realistische Hoffnung, dass ein Deutscher in die Weltelite aufschließt.

Endstand: 1.Naiditsch 5½, 2.Topalov 5. 3.Bacrot 5. 4.Van Wely 5. 5.Svidler 5. 6.Kramnik 4½. 7.Adams 4½, 8.Leko 4. 9.Sutovsky 3½. 10.Nielsen 3.

Ein anderer Deutscher gewann das Open in Oberwart - Thomas Luther mit 7½ aus 9, vor GM Atalik (BIH) ebenfalls 7½ und GM Bakre (IND) mit 7. Ausgezeichneter Vierter und bester Österreicher wurde IM Siegfried Baumegger mit 7. Niki Stanec und Norbert Sommerbauer belegten die Ränge 6 und 7.

Weiß: Naiditsch, A. (2612)
Schwarz: Leko, P . (2763)
Dortmund GER
Anmerkung: GM I. Balinov

1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 Der junge Deutsche hatte keine Lust die langen Heimanalysen Lekos in der Sveschnikov Variante zu überprüfen, obwohl er das Turnier mit einem Sieg gegen Sutovsky in dieser Variante begonnen hatte: 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 e5 6.Sdb5 d6 7.Lg5 a6 8.Sa3 b5 9.Sd5 Le7 10.Sxe7 Sxe7 11.Ld3 Lb7 12.Lxf6 gxf6 13.Dh5 d5 14.0–0–0 d4 15.Sb1 Da5 16.a3 b4 17.Dh6 Sg6 18.g3 Tb8 19.f4 b3?! 20.c4 dxc3 21.Sxc3 Tc8 22.f5 Se7 23.Dxf6 Txc3+ 24.Kb1! Naiditsch - Sutovsky, 1. Runde Dortmund 2005.

3...g6 4.0–0 Ein paar Tage später geschah: 4.Lxc6 dxc6 5.d3 Lg7 6.h3 Sf6 7.Sc3 Sd7 8.Le3 e5 9.Dd2 h6 10.0–0 De7 11.Sh2 Sf8 12.f4 exf4 13.Txf4 (Leko antwortete gegen Van Wely in der ersten Runde mit 13.Lxf4 ) 13...Se6 14.Tf2 Sd4 15.Taf1 Le6 16.Sg4 0–0–0 17.Sxh6 f6 mit Kompensation für den Bauern, Svidler-Leko (1–0), 7 Runde Dortmund 2005.

4...Lg7 5.c3 Sf6 6.e5 6.Te1 0–0 7.d4 cxd4 8.cxd4 d5 9.e5 Se4 ist eine andere verbreitete Variante. Das Gambit 6.d4 cxd4 7.cxd4 Sxe4 8.d5 Sd6 konnte sich nicht durchsetzen.

6...Sd5 7.d4 cxd4 8.cxd4 0–0 9.Sc3 Sxc3 Sc7 wurde ebenfalls gespielt.

10.bxc3 d6 11.Te1 Minimalen Vorteil erlangte Weiß in der Begegnung: 11.exd6 exd6 12.Lg5 Dc7 13.Te1 Ld7 14.h3 Tfe8 15.Db3 a6 16.Ld3 Le6 17.Da3 Ld5 18.Sd2 Da5 19.Dxa5 Sxa5 Svidler-Leko, Amber-rapid 2005.

11...Dc7 Bis jetzt kaum gespielt. Schwarz hat eine Menge Alternativen: 11...a6, 11...Da5, 11...Lf5 oder 11...Lg4.

12.exd6 exd6 13.Lf4 Lf5 14.Da4 Tfd8 15.Da3 a6 16.Lf1 Tac8 16...b5 nebst Sc6-a5 war nahliegend.

17.Sd2 Sa7?! Falscher Plan. Besser wäre 17...Se7.

18.Tac1 Sb5? 19.Db3 Sa7 Zugeständnis - das Springermanöver hat nichts gebracht. 19...Sxc3 hätte eine Figur gekostet: 20.Sf3 Da5 21.Ld2 Dxa2 22.Txc3.

20.Se4 Lxe4 21.Txe4 Te8 22.Txe8+ Txe8 23.Tb1 Te7 24.h4!? Sc6 25.Dd5 Td7?

Diagramm

Der einzige Zug war 25...Te6 Zum Beispiel 26.g3 h6 27.Lh3 Tf6 28.Ld2 (28.c4 wäre ungenau: 28...Txf4 29.gxf4 Lxd4 30.f5 g5) 28...Sa5 29.h5 und Weiß steht klar besser.

26.Lxa6! Sa5 Was passiert auf 26...bxa6? 27.Dxc6! Dxc6 28.Tb8+ Lf8 29.Lh6 und matt.

27.Lf1 Lf8 27...Dxc3 geht wegen 28.Tc1 Dxd4 29.Tc8+ nicht.

28.g3 28.Lb5 Td8 29.h5 war auch gut.

28...Td8 29.c4 Sc6 30.h5 Lg7 31.Le3 Beachtung verdiente: 31.hxg6 hxg6 32.Ld3 Lxd4 33.Lxg6.

31...Ta8 32.h6 Lf8 Auf 32...Lh8 folgt 33.De4.

33.Db5 33.Tb2 sieht ebenfalls gut aus.

33...Se7 34.Ld3 Eine andere Möglichkeit war 34.Dxb7 Dxb7 35.Txb7 Sf5 36.Lg5.

34...Ta3 35.Tb3 Txa2 36.Dxb7 Ta1+ 37.Kg2 Da5 38.Db4?! Ungenau. Richtig war 38.Db5 De1 39.Tb1 Txb1 40.Dxb1 mit entscheidendem Vorteil.

38...Dh5? Leko versäumte mit 38...Sf5 die letzte Chance .Zum Beispiel 39.Dxa5 Sxe3+ 40.fxe3 Txa5 41.Tb8 Ta3 42.Le4 Txe3 43.Te8 und nun nach 43...d5! 44.cxd5 f5 45.d6 Txe4 46.d7 Txd4 47.d8D Txd8 48.Txd8 Kf7 49.Td7+ Kg8 mit Punkteteilung.

39.Tb1 Txb1 40.Lxb1 d5 41.c5 Lxh6 42.Lxh6 Dxh6 43.Db8+ Df8 44.Dd6 De8 45.La2 Sc6 46.Lxd5 46.Dxd5? war wegen: 46...Sb4 47.Dc4 Sxa2 48.Dxa2 De4+ 49.f3 Dxd4 schlecht.

46...Sxd4 47.Lxf7+ Kxf7 48.Dxd4 Dc6+ 49.f3 Das Damenendspiel ist leicht gewonnen.

49...Ke6 50.g4 50.De4+ bringt wegen 50...Kd7 nichts.

50...Da6 51.De4+ Kf6 52.c6 Da2+ 53.Kg3 Da7 54.g5+! Kf7 54...Kxg5 55.Df4+ Kh5 56.Dh4#

55.Dd5+ Ke7 56.De5+ Kf7 57.Df6+ Kg8 58.De6+ Kf8 59.Dc8+ nebst 60.Db7+.

1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog