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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 4420 vom 17.09.2005, Kategorie Kolumne

12. Internationales Grazer Open

Der in Wien Betriebswirtschaftslehre studierende und frisch gewordene GM David Shengelia konnte heuer beim Grazer Open seinen zweiten großen Erfolg (nach Cappelle la Grande) feiern. Der 25-jährige dominierte das Spielfeld über die ganze Distanz und daher genügte in der Schlussrunde gegen IM Georg Danner ein Remis für den Turniersieg. Der für Styria Graz und SK Nuschei (Betriebsliga) spielende Georgier ist eine große Bereicherung für die heimische Schachszene.

Seine Erfolgserie in Österreich setzte der Deutsche Thomas Luther fort. Nach Co-Siegen in Oberwart und Schwarzach verbuchte er in Graz den zweiten Platz. Dritter wurde der Autor dieser Zeilen, was nach dem Misserfolg beim GM-Turnier im Museumsquartier im Rahmen der „Operation Capablanca“ sehr aufbauend war.

Die echte Überraschung aber lieferten zwei Außenseiter - FM Johann Krebs und ÖM Robert Aschenbrenner. Sie spielten die ganze Zeit vorne mit und belegten die ausgezeichneten Plätze 5 und 6.

Endstand:

1. GM David Shengelia (GEO) 7½ Punkte, 2. GM Thomas Luther (GER) 7, 3. GM Ilia Balinov (AUT) 6½, 4. GM Niki Stanec (AUT) 6½, 5-10. FM Johann Krebs (AUT), ÖM Robert Aschenbrenner (AUT), IM Aleksandar Wohl (AUS), GM Burmakin Vladimir (RUS), FM Tomislav Gruskovnjak (SLO), IM Georg Danner (AUT) jeweils 6 Punkte.

In der B-Gruppe siegte Hannes Pojer vor Andrea Zechner und Florian Pötz mit jeweils 7 Punkten.

Heute eine Partie vom Sieger:

Weiß: Shengelia, D. (2525)
Schwarz: Stanec, N. (2566)
Graz Open, 2005
Anmerkung: GM I. Balinov

1.Sf3 Sf6 2.b3 g6 3. Lb2 Lg7 4. c4 0-0 5. g3 c5 6. Lg2  Sc6 7. 0-0 d6 8.d4 Niki spielte hier mit Weiß 8.e3 und bekam nach 8...Lg4 9.h3 Lxf3 10.Dxf3 Tc8 11.Sc3 a6 12.De2 e6 13.Tac1 Dc7 14.Tfd1 Sd7 wegen des Läuferpaars leichten Vorteil, Stanec-Titz H., AUT-ch Hartberg 2003.

8...cxd4 Vielversprechend sieht 8...Se4 aus. Zum Beispiel: 9.a3 (9.Sbd2 f5!) 9...d5 10.cxd5 Dxd5 11.Sfd2 f5 12.Sc3 Dxd4 13.Sdxe4 fxe4 14.Lxe4 Lh3 15.e3 Df6 16.Sa4 Remis, Ribli-Groszpeter HUN-chT 1996.

9.Sxd4 Ld7 10.Sc3 Sxd4 Beachtung verdient 10...Db6.

11.Dxd4 Lc6 12.Sd5 Lxd5 Schwarz hat nach dem Abtausch keine Probleme: 12...Se8 13.Dd2 Lxb2 14.Dxb2 e6 15.Se3 Lxg2 16.Kxg2 f5 nebst 17....Df6.

13.Lxd5 Se8 14.Dd2 Lxb2 15.Dxb2 Hier hat Weiß minimalen Vorteil: mehr Raum und der Läufer ist stärker als der Springer.

15...Dc7?! Die erste Ungenauigkeit. Besser war 15...Db6.

16.Dd4! Jetzt dominiert auch die weiße Dame über die schwarze. Der Turm auf a8 ist mit der Deckung von a7 beschäftigt.

16...Sg7 Der "Fianchetto-Springer" wirkt meistens unästhetisch, natürlich und gut war 16...Sf6 17.Lf3 a6 nebst Ta8-b8.

17.h4 Sf5? Das Ross kennt keine Ruhe! 18.Df4 Sg7 19.Kg2! Tab8? Die h-Linie sollte geschlossen bleiben: 19...h5 Natürlich eine schwierige Entscheidung: g6 und h6 werden dadurch geschwächt.

Diagramm

20.h5! David zögert nicht lange, die h-Linie aufzumachen.

20...Sxh5 21.Dh6 Dc5 Mit der Idee, die Dame über d4 in die Verteidigung einzuschalten. Eine andere Möglichkeit wäre 21...Sf6 22.Th1 Tfc8 23.g4 e6 24.g5 Sxd5 (24...Sh5 25.Lf3) 25.Dxh7+ Kf8 26.cxd5 Ke7 27.dxe6 Dc6+ 28.Kg1 Kxe6 - auf jeden Fall eine Stellung für Spieler mit starken Nerven!

22.g4 Interessant war zuerst 22.Tad1!? -mobilisiert den Turm und nimmt d4 unter Kontrolle.

22...Sf6 23.Th1 Kh8?? Der letzte Fehler! Die einzige Chance bot 23...e6 Eine Simulation: 24.g5! (24.Lf3 Tfc8 25.Tad1 De5 26.g5 Sd7 27.Dxh7+ Kf8 und Schwarz steht sicher) 24...Dxf2+ 25.Kxf2 Sg4+ 26.Kg3 Sxh6 27.Txh6 exd5 28.Tah1 f5! (28...f6 ist schlecht wegen 29.Txh7 fxg5 30.cxd5 Tbe8 31.Kg4 und Weiß gewinnt.) 29.Txh7 dxc4 30.bxc4 a6 31.a4! und trotz des Minusbauern bleibt Weiß bestimmend.

24.g5 Sh5 25.Txh5! Niki hatte vielleicht nur 25.Lf3 Tg8 26.Lxh5 gxh5 27.Txh5 Tg7 erwartet.

25...gxh5 26.Le4 f5 27.g6 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog