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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 4435 vom 08.10.2005, Kategorie Kolumne

FIDE Weltmeisterschaft in San Luis

Am 27. September war es endlich so weit! Die WM, organisiert vom Weltschachbund (FIDE), wurde in San Luis (Argentinien) eröffnet. Nach langen Jahren im KO-System wird nun in einem neuen Modus gespielt: Doppelrundiges Turnier mit klassischer Zeitkontrolle – zwei Stunden für 40 Züge, gefolgt von einer Stunde für 20 Züge und anschließend 15 Minuten plus 30 Sekunden pro Zug bis zum Ende der Partie.

Das Teilnehmerfeld: Kasimdzhanov (Titelverteidiger), Anand, Topalov, Leko, Svidler, Polgar, Adams, Morozevich. Zu den Hauptfavoriten zählen Anand, Topalov und Leko, wobei laut Topalov jeder Spieler der potenzielle Sieger sein könnte.

Zusammenfassung nach ein paar Runden: Es wird kompromisslos ohne überflüssiges Taktieren, aber nicht fehlerfrei gespielt. Ein Kampf, in dem jeder jeden schlagen kann. Die Statistik bringt es deutlich zum Ausdruck: Nach 4 Runden gab es aus 16 Partien nur 6 Remisen. Für dieses hohe Niveau ist das eine einmalig niedrige Quote!

Weiß: Anand, V. (2788)
Schwarz: Adams, M. (2719)
FIDE WM San Luis 3. Runde
Anmerkung: Großmeister Balinov

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0–0 Le7 6.Te1 b5 7.Lb3 d6 Adams verzichtet auf dem Marshall-Angriff: 7...0–0 8.c3 (Zuletzt wich Weiß oft mit 8.d3 ab) 8...d5 9.exd5 Sxd5 10.Sxe5 Sxe5 11.Txe5 c6.

8.c3 0–0 9.h3 Lb7 Die Tschigorin-Variante 9...Sa5 10.Lc2 c5 wird sehr häufig gespielt.

10.d4 Te8 11.Sbd2 Lf8 12.a4 h6 13.Lc2 exd4 Die Alternative ist 13...Sb8 nebst Sb8-d7.

14.cxd4 Sb4 15.Lb1 c5 Die Variante von Zaitsev, dem früheren Sekundanten von Karpov.

16.d5 Sd7 17.Ta3 c4 Schwarz versuchte hier auch 17...f5, aber die Ergebnisse waren eher entmutigend.

18.axb5 axb5 19.Sd4 Db6 Zurück zur WM 1986 zwischen Kasparov und Karpov: In der 14. Partie verlor Karpov mit 19...Txa3 20.bxa3 Sd3 21.Lxd3 cxd3 22.Lb2 Da5 23.Sf5 Se5 24.Lxe5 dxe5 25.Sb3 Db6 26.Dxd3 Ta8 27.Tc1 g6 28.Se3 Lxa3 29.Ta1.

20.Sf5 Se5 Auf 20...g6 folgt 21.Tg3.

21.Tg3 g6 Eine aktuelle Partie: 21...Kh7 22.Sf3 Sbd3 23.Le3 Dc7 24.Lxd3 Sxd3 25.Lxh6! g6 (25...gxh6 26.Sg5+ Kh8 27.Sxh6) 26.Lxf8 Txf8 27.Dd2 1–0, Kotronias – Fox, 2005.

22.Sf3 Sed3 23.Dd2

Diagramm

Eine starke Neuerung, die jeden Gegner ins "Schwitzen" bringen würde! Bekannt ist 23.Le3. Beispiel: 23...Dd8 24.Sxh6+ Lxh6 25.Lxh6 Df6 26.Lxd3 Sxd3 27.Te2 Sxb2 (27...b4 ist interessant.) 28.Dd4 Dxd4 29.Sxd4 Sd3 30.Sxb5 Lxd5 31.Sxd6 Te6 32.Tc2 Lxe4 33.Sxc4 Tc8 Remis, Voss - Busemann, Fernschach WM 2001.

23...Lxd5 Sieht gut aus, ist aber wahrscheinlich schon der entscheidende Fehler! Adams traut sich nicht, ohne Analyse den Turm mit 23...Sxe1 zu nehmen. Ein Versuch, Anands Vorbereitung zu simulieren: 24.Sxe1 Sxd5! 25.Sxh6+ (25.exd5 ist nachteilig für Weiß: 25...Ta1 26.Lc2 [26.Sxh6+ war schlecht wegen 26...Lxh6 27.Dxh6 Txe1+ 28.Kh2 Txc1 29.Te3 Dxe3 30.Dxe3 Taxb1] 26...Da5! 27.Dxa5 Txa5 28.Te3 Txe3 29.Sxe3 Ta1 30.Ld2 Lg7) 25...Lxh6 26.Dxh6 Dd4 27.Sc2 Dxe4 28.Sa3 De1+ 29.Kh2 Te6 30.Lxg6 fxg6 31.Txg6+ Txg6 32.Dxg6+ Kf8 33.Lh6+ Ke7 34.Dg7+ Ke6 35.Dg4+ Kf7 36.Dg7+ mit Dauerschach.

24.Sxh6+ Schwarz hätte nach 24.exd5 Sxe1 25.Sxe1 Ta1 26.Dxb4 Txb1 27.Dd2 Kh7 28.Se3 Lg7 29.Dc2 Ta1 bequemes Spiel.

24...Lxh6 Anders geht es nicht: 24...Kh7 25.exd5 Txe1+ 26.Sxe1 Sxc1 27.Sxf7; 24...Kg7 25.exd5.

25.Dxh6 Dxf2+ 26.Kh2 Sxe1 Adams hat viele Züge zur Auswahl, aber keiner davon kann ihm helfen: 26...Sxc1 27.exd5 Scd3 28.Te6!! Dxg3+ 29.Kxg3 fxe6 30.Dxg6+ oder 26...Lxe4 27.Le3 (27.Sg5!?) 27...Dxb2 28.Ld4 Dxd4 29.Sxd4 Sxe1 30.Lxe4 Txe4 31.Sf5.

27.Sh4 Sed3? Sowohl 27...Le6 28.Sxg6 Dxg3+ 29.Kxg3 fxg6 30.Dxg6+ Kf8 31.Df6+ Kg8 32.Lh6 Ta7 33.Dg6+ Kh8 34.Dxe8+ als auch 27...Lxe4 28.Lxe4 Txe4 29.Sxg6 Dxg3+ 30.Kxg3 fxg6 31.Dxg6+ Kh8 32.Lg5 verlieren. Am längsten könnte 27...Ta7 halten: 28.exd5 Sbd3 29.Sxg6 Dxg3+ 30.Kxg3 fxg6 31.Le3 Th7 32.Dg5, aber Weiß steht immer noch überlegen.

28.Sxg6 Dxg3+ 29.Kxg3 fxg6 30.Dxg6+ Kf8 31.Df6+ Kg8 32.Lh6 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog