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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 4441 vom 22.10.2005, Kategorie Kolumne

Veselin Topalov ist neuer FIDE-Weltmeister!

Bereits in der 13. und vorletzten Runde bei der vom Weltschachbund FIDE organisierten Weltmeisterschaft in San Luis (Argentinien) fiel die Entscheidung um den Titel. Die Verfolger Anand und Svidler konnten nicht voll punkten. Dem führenden Topalov reichte ein Remis, aber sogar in dieser Situation suchte der Bulgare den Sieg (siehe Partie) und opferte die Qualität im Endspiel. Kasimdzhanov verteidigte sich präzis und es wurde doch ein Unentschieden! Ein Zufall: der Erste, der dem neuen Weltmeister gratulieren konnte, war der Amtierende!

Es ist mir eine besondere Freude meinem Landsmann und persönlichen Bekannten Veselin Topalov zum Weltmeistertitel zu gratulieren! Ebenso seinem Betreuerteam - Silvio Danailov und Ivan Tscheparinov! Unglaublich ist, dass das kleine Schachland Bulgarien zur Zeit drei Weltmeister hat: Antoaneta Stefanova bei den Damen, Liuben Spassov bei den Senioren (vor 2 Wochen) und jetzt - Vesko „Topi“ Topalov in der Königsdisziplin bei den Herren. Die Euphorie, die diese Erfolge in Bulgarien auslösten, sind vergleichbar mit denen bei der Fußballweltmeisterschaft 1994 in den USA, wo Bulgarien Semifinalist war.

Kurzes Porträt des neuen Weltmeisters: Geboren wurde er am 15.03.1975 in Ruse. Mit acht lernt er vom Vater das Schachspielen. 1989 wird er U14 Weltmeister und ein Jahr danach gewinnt er Silber bei der U16 WM. Anfang der 90-er Jahre kommt ein entscheidender Moment in seinem Leben und seiner Schachkarriere: der Beginn einer langjährigen Freundschaft und Zusammenarbeit mit Silvio Danailov. Silvio (geboren 1960) wird für ihn nicht nur Freund, Trainer, Manager, er wird wie ein zweiter Vater! Diese Symbiose ist einmalig in der Schachgeschichte. 1991 beginnt der schnelle Aufstieg im Open-Eldorado Spanien, wo er seinen zweiten Wohnsitz in Salamanca hat. Vesko begleitet von Silvio gewinnt ein Open nach dem anderen. Ein Jahr später wird er Großmeister und Mitte der 90-er Jahre erreicht er die magische 2700-er Marke! Seitdem gehört er zur Weltelite. Im Jahr 1996 feiert er fantastische Erfolge in Madrid, Dos Hermanas, Novgorod und Wien! Das höchste Ziel, Weltmeister zu werden, bleibt aber nah und fern zugleich! 2002 verliert er das Qualifikationsmatch (der Sieger spielte gegen Kramnik) in Dortmund gegen Leko mit 1½-2½. Zwei Jahre später scheitert er bei der WM in Tripolis im Semifinale gegen Kasimdzhanov, ohne eine Partie mit normaler Zeitkontrolle zu verlieren. Und dann das Jahr 2005, das eindeutig sein Jahr ist! Zuerst wurde er ziemlich unglücklich nur Dritter in Wijk aan Zee. Dann aber schickt er Kasparov in Linares „in Pension“! Grandioser Sieg beim Mtel Turnier in Sofia, Zweiter in Dortmund! Und nun als Krönung - der Weltmeistertitel!

Schachfans in der ganzen Welt freuen sich über Topalovs Sieg, wegen seiner Kompromisslosigkeit, Aggressivität (nur am Schachbrett), Ideenreichtum! Er ist Garant für Feuer am Brett und gegen Langweile und Kurzremis! Das ist der richtige Weg!

Gratuliere, Vesko! Nur weiter so!

Topalov - Adams

Diagramm 1

35...Tc8 36.Lf5! Txf5 Das Endspiel ist nach 36...Dxf5 37.Dxf5 Txf5 38.Txc8+ mit einer Qualität weniger trostlos.

37.Txc8+ Kh7 38.Th1 erzwingt Damentausch, danach ist das Endspiel leicht gewonnen. 1–0

Kasimdzhanov - Topalov

Diagramm 2

35.Td2 Teg3! Im Moment hätte das Remis gereicht, aber Topalov bleibt sich treu und greift an!

36.Lxg3 hxg3+ 37.Kh1 Tf5 38.Td1 38.Kg1 war wegen 38...Te5 39.Td1 Te2 schlechter.

38...Tf2 39.Tb8! 39.Tg1 verliert nach 39...f5 40.Tb4 f4 41.Txa4 Kf6 (41...f3? 42.Tg4+ Kh5 43.Txg3) 42.Td4 f3 43.Txd5 cxd5 44.c6 Te2 45.c7 f2 sogar.

39...f5 Schwarz hätte nach 39...Txg2 40.Txd5 Th2+ 41.Kg1 cxd5 auch einige Gewinnchancen.

40.Td8! Kasimdzhanov ist ein großer Verteidigungskünstler!

40...Lxg2+ 40...Txg2 41.T8xd5 Th2+ 42.Kg1 cxd5 43.Tc1 wie in der Partie.

41.Kg1 Ld5 Sehr interessant war 41...Kg5!?

42.T8xd5! cxd5 43.Tc1 Txb2 43...f4 führt nur zum Remis: 44.c6 f3 45.Tc3! (45.c7? verliert: 45...Tg2+ 46.Kf1 Th2 47.Ke1 f2+ 48.Ke2 f1D+ 49.Kxf1 Th1+ 50.Kg2 Txc1) 45...d4 46.c7 dxc3 47.c8D cxb2 48.De6+ mit Dauerschach.

44.c6 Tb8 45.Kg2 f4 46.Kf3 Kg5 47.h4+ Nach 47.h4+ ist die Stellung objektiv Remis, wobei Weiß genau spielen muss: 47...Kxh4 48.Kxf4 g2 49.Ke5! Das wäre die richtige Zugfolge. (49.c7 bringt Probleme mit sich: 49...Tc8 50.Ke5 d4!) 49...d4 50.Kxd4 Tf8 51.c7 Tf1 52.Txf1 gxf1D 53.c8D Df4+ 54.Kd5 Df3+ 55.Kd4 Dxa3 56.Dc3 Dd6+ 57.Kc4 a3 58.Kb3 ½–½

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog