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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 4475 vom 19.11.2005, Kategorie Kolumne

Wiener Stadtmeisterschaft

Für den zehnfachen Staatsmeister Niki Stanec sollte die Wiener Stadtmeisterschaft 2005, ausgetragen vom 22. bis 30. Oktober im schönen Ambiente des Baumgartner Casinos, ein leichter Spaziergang werden! Eine ernstzunehmende Konkurrenz war kaum vorhanden - die einzigen Spieler über 2300 Elo waren der internationale Meister Weinzettl und der Fidemeister Scheider-Zinner. Aber ein leichtes Formtief zeichnete sich beim Elo-Favoriten schon in der zweiten Runde ab. Und dann kam der Patzer gegen Leo Kwatschewski in der vorletzten Runde. Das nutzte Harald Schneider-Zinner aus. Mit einem taktischen Remis in der Schlussrunde sicherte er sich den ersten Platz. Ein sehr solides, reifes Spiel (besonders im Endspiel!) demonstrierte der 16-jährige Paul Pachta. Er erreichte nach zweiter Wertung den ausgezeichneten dritten Platz!

Endstand A-Turnier (33 Teilnehmer):
1.Harald Schneider-Zinner mit 7 aus 9.
2.Niki Stanec 6½.
3.Paul Pachta 6.
4.Joachim Wallner 6.
5.Ernst Weinzettl 6.
6. Alarich Lenz 6.

Endstand B-Turnier (39 Teilnehmer):
1.Horst Kunschek 6½.
2.Veronika Exler 6½.
3.Harald Strohmer 6½.

Ein paar Partieausschnitte von der Stadtmeisterschaft.

Stanec (2566) - Schneider-Zinner (2348)

Diagramm 1

21.exd5 21...cxd5? Schwarz konnte die Qualität retten, richtig war 21...Dd6! 22.Se6 cxd5 23.Sxf8 Kxf8 24.Lxc4 (Auf 24.Lxh7 folgt 24...b4 und auf 24.Sxb5 dann 24...Db6 25.Lxc4 Txc4 26.Sc3 Kg8 mit Kompensation für den Bauern.) 24...bxc4 25.Dxh7 Tb8 mit Kompensation.

22.Lf5 Dd6 Besser war 22...Dc6.

23.Lxc8 Txc8 24.Df5 Td8 25.Tde1 Sg6 Nach 25...Dd7 26.Sfxd5 Lxd5 27.Dxd5+ Dxd5 28.Sxd5 Lxa3 29.Se7+ Lxe7 30.Txe7 a4 31.Te2 Sd7 muss Weiß noch einige technische Probleme überwinden. 26.Sd3 Stärker war 26.Sxb5. Zum Beispiel: 26...Db6 27.Sxg6 Lxg6 (27...hxg6 28.Dc2 Dxb5 29.Txe7 Sxa3 30.Dc7 Tf8 31.Tfe1 Dxb2 32.Txf7 Txf7 33.Te8+ Tf8 34.Te7 und matt.) 28.De6+.

26...Sxb2?? Desperado-Springer? 26...Dc6 wäre normal.

27.Sxb5?? Warum nicht 27.Sxb2 Dxa3 28.Scd1?

27...Db6 28.Tb1?? Nach 28.Sxb2 Dxb5 29.Sd3 Lxa3 steht Weiß minimal besser.

28...Dxb5?? So viele Fehler können nur mit Zeitnot (oder falscher Notation?) erklärt werden! Mit dem einfachen 28...Le6 gewinnt Schwarz Material: 29.Dxe6+ (29.Dh5 Sxd3) 29...Dxe6 30.Txb2.

29.Txb2 Da4 30.Sc5 Lxc5 30...Dxa3 31.Db1 droht Tb2-b3 mit Damenfang. 31...Lxc5 32.dxc5.

31.dxc5 d4 32.Td2 Se5? Der letzte Fehler. Die Partie könnte nach 32...Se7 33.Df4 Sc6 34.Dc7 Td5 35.Te1 h6 36.Tb2 noch einiges länger dauern, aber Weiß würde zweifellos gewinnen.

33.Txd4! 33.Txd4 Txd4 34.Lxd4 Dxd4 35.Dc8+ Le8 36.Dxe8# 1–0

Weinzettl (2347) - Zaynard (2032)

Diagramm 2

24...Kh8 25.Ld5! Tg8 Die Figur ist indirekt gedeckt: 25...Lxd5 26.Sxd5 Txd5 27.Dxf8#

26.Tad1 Tg6 27.Df4 Lxd5 28.Sxd5 De6 29.Sc7 Einfach war 29.Dxe4 mit klarem Vorteil.

29...Dh3? Verliert forciert. Richtig war 29...De7! und auf 30.Sxb5? (30.Txd8+?? Dxd8 31.Sxb5 Db8! mit der Doppeldrohung - Db5 und Se5-f3. Am stärksten wäre die Wiederholung 30.Sd5! De6 und dann 31.Dxe4) 30...Sd3 mit Kompensation.

30.Txd8+ Kg7 31.Se8+ Kf8 32.Sxf6+ Ke7 33.Dxe5+ Kxd8 34.Td1+ 1–0

Kwatschewsky (2222) – Stanec (2566)

Diagramm 3

24.cxd4 Tb8? Die erste Ungenauigkeit. Nach 24...Tc8 25.d5 Dxe3 26.fxe3 Sb8 oder 24...exd4 25.Sxd4 Dxd4 26.Dxd4+ Sxd4 27.Txa6 Txa6 28.Lxa6 herrscht Gleichgewicht.

25.d5 Sd4?? Eine Seltenheit dass Niki etwas einstellt! Andererseits führen die andere Züge zum Nachteil: 25...Dxe3 26.fxe3 Lxe2 27.Lxe2 Sd8 28.Ta6 Sc8 29.Sc4 Sb7 30.Lg4 Sc5 31.Lxc8 Txc8 32.Tc6 Txc6 33.dxc6 Sa6 34.Sxd6 Kf6 35.Kf2 Ke6 36.Sb7 oder 25...Sd8 26.Dxb6 Txb6 27.Sc1 Lxf1 28.Kxf1.

26.Txa6 Dxa6 26...Sxe2+ 27.Lxe2

27.Sxd4 Da1 27...exd4 28.Dxd4+ mit Schach.

28.Sc6 Sxc6 29.dxc6 Dxb2 30.Da7 Tf8 31.Sc4 Dc2 32.c7 Dxe4 33.Db8 Dc6 34.Sb6 b3 35.Dxf8+ 1–0

Schneider-Zinner (2348) – Weissel (2211)

Diagramm 4

12.e4 Sxc3? Richtig war 12...Sb6 13.Ld3 (Auf 13.Le3 folgt 13...Sxc4 14.Dxc4 Lxe4) 13...Dxd4+ 14.Le3 Dd6 15.a5 mit Kompensation.

13.bxc3 Sxe4 Schwarz hat es nicht leicht gegen die weiße Lawine etwas entgegen zu setzen: 13...Dc7 14.f5 Ld6 15.fxe6 fxe6 16.Txf6! gxf6 17.Dh5+ Kd8 18.Sf7+ Kd7 19.e5 fxe5 20.Dxh6; 13...Lxe4 14.f5 Ld5 15.fxe6 fxe6 16.Ld3!

14.Sxf7! Elegante Lösung!

14...Kxf7 15.f5! und gute Nacht! 15.f5 Lxf5 (15...Ke8 16.Dxe4) 16.Txf5+ 1–0

Steiner (2287) – Ernst (2176)

Diagramm 5

11.0–0 g6? Nun geschehen böse Dinge! 11...Sa6 war notwendig.

12.Sd5! Dd8 13.Lf4 e5 13...cxd5 14.Lc7 und die Dame ist weg. Oder 13...Sa6 14.Txa6 cxd5 (14...bxa6 15.Sc7+) 15.Lc7 und die Dame ist wieder weg.

14.Lg5 f6 15.Sxf6+! Sxf6 16.dxe5 Le7 17.Tad1? Hoppla! Richtig war zuerst 17.exf6 Lxf6 und dann 18.Tad1.

17...Sbd7? 17...Sfd7 rettet zumindest die Figur!

18.exf6 Lxf6 19.Lf4 0–0? 20.e5 20.e5 Lg7 21.e6 und Weiß gewinnt den Springer. 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog