Wiener Zeitungs Schachergebnisserver - Kolumne
Schach Homepage Swiss-Manager Homepage Österreichischer Schachbund Homepage Wiener Zeitung Homepage CMS-Version 09.10.2016 17:06, Logged on: Gast Suche Impressum Sitemap Login Logoff Kontakt
 Home   Österreich   Welt   Kolumne   Meisterschaft   Turnier-DB   Archiv   Turnierkalender   Links   Datenpflege 

Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 4478 vom 26.11.2005, Kategorie Kolumne

Teamweltmeisterschaft in Israel

Ist Russland noch die führende Schachnation? Die Fakten lassen daran bereits deutliche Zweifel: Die beiden FIDE Weltmeister Veselin Topalov und Antoaneta Stefanova kommen aus Bulgarien, der Einzel-Europameister ist Nisipeanu aus Rumänien. Holland wurde Mannschaftseuropameister. Die U20 Jugendweltmeisterschaften werden von  Mamedyarov aus Aserbaidjan dominiert!  Jungstars wie Karjakin, Radjabov, Carlsen, Volokitin, Nakamura  bestimmen die Schachmode und keiner von denen ist ein Russe! Dies alles lässt vermuten, dass der Druck auf die russische Nationalmannschaft bei der Teamweltmeisterschaft vom 31. Oktober bis 11. November in Beer Sheva (Israel) sehr groß gewesen sein musste. Der Verlauf des Wettbewerbs war für Russland zunächst alles andere als glücklich. Eine Runde vor Schluss führten die Chinesen mit 2½(!) Punkten Vorsprung! Aber die Auslosung lautete China-Russland! Dramatik pur!

Nach 1 Stunde  erzielte GM Bu den ersten halben Punkt mit Weiß gegen Svidler. Noch ein Remis und die Sensation wäre perfekt! Aber offensichtlich braucht die russische Mannschaft gerade solche Extremsituationen, um ihre Stärke und Moral zu zeigen! Zuerst landete Routinier Bareev  den ersten Treffer, kurz danach Grischuk. Es blieb die letzte und alles entscheidende Partie Ni Hua - Morozewitsch. Ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern mit einem Bauern mehr für Morozewitsch. Die Chancen standen etwa 50% auf Remis und 50% auf Sieg. Morozewitsch nutzte fantastisch alle möglichen Ressourcen und bezwang schlussendlich den jungen Chinesen! Damit überholte Russland die führenden Chinesen um einen halben Punkt und gewann Gold! Trotz der Enttäuschung am Schluss ist der zweite Platz für China sensationell!

Endstand:

1.Russland (Svidler, Dreev, Grischuk, Morozewitsch, Bareev, Rublevsky) 22 Punkte.
2.China 21½.
3.Armenien 18½.
4.Ukraine 17½.
5.USA 16½.
6.Israel 14½.
7.Georgien 13½.
8.Cuba 13.
9.China (Damen) 7.

Weiß: Ni Hua (2603)
Schwarz: - Ibragimov, I (2617)
Anmerkung: Großmeister Balinov

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.Lxc6 dxc6 5.0–0 Dd6 5...f6 ist die Hauptvariante.

6.Sa3 b5 Eine vernünftige Alternative ist die folgende Aufstellung: 6...Le6 7.De2 c5 8.Sc4 Lxc4 9.Dxc4 Se7 10.d3 Sc6 11.Ld2 Le7 12.a3 0–0 13.Lc3 Tfd8 14.a4 h6 15.Ld2 b6 16.h3 Lf6 17.Kh1 De7 mit Ausgleich, G.Meier-Sulskis, Wien Operation Capablanca 2005.

7.c3 c5 8.Sc2 Weiß versuchte hier auch 8.d4, aber nach 8...cxd4 9.cxd4 exd4 10.Sxd4 c5 11.Sb3 Dxd1 12.Txd1 Sf6 steht der a3-Springer im Abseits.

8...Lb7 9.a4!? Nicht häufig gespielter Vorstoß, öfter kommt 9.Te1 vor. Dazu eine ähnliche Partie: 9...0–0–0 10.a4 b4 11.Se3 De6 12.De2 Se7 13.Sc4 Sc6 14.d3 a5 15.Le3 La6 16.Ted1 Le7 17.Sfd2 f5 18.exf5 Dxf5 19.Sb3 und Schwarz geriet in Schwierigkeiten, C. Balogh - Ibragimov, Dos Hermanas 2003.

9...b4 10.De2 0–0–0 Ibragimov folgt seiner Partie gegen Balogh.

11.cxb4 cxb4 12.d4 exd4 12...b3 sieht verlockend aus, führt aber zu Problemen: 13.dxe5 13...Dd3 (13...Dg6 14.Scd4 Dxe4 15.Dc4 Dg6 16.Lg5 Td7 17.Tac1 h6 18.Le3 und wenn 18...Ld5? dann 19.e6! Lxc4 20.exd7+ Kd8 21.Txc4 mit raschem Sieg.) 14.Dxd3 Txd3 15.Sce1 Td7 16.e6 fxe6 17.Se5 Te7 18.f3 Sf6 19.Ta3 mit Materialgewinn.

13.Scxd4 c5

Diagramm

Schwarz hat es nicht leicht - schlechtere Entwicklung, der König steht schwach (c-Linie). Der Textzug gießt nur Öl ins Feuer. 13...Te8 wäre eine Option, obwohl nach 14.e5 Dg6 15.Lf4 unklar wäre, wie Schwarz die Drohung Ta1–c1 nebst e5-e6 neutralisieren könnte.

14.Td1!! Typisch für den aggressiven Stil Ni Hua's. Auf 14.Sf5 hätte Schwarz 14...De6 (14...Dd3 wäre wegen 15.Dxd3 Txd3 und 16.Se5 schlecht) 15.Sg5 und 15...Db3.

14...cxd4 Die bittere Pille muss sowieso geschluckt werden: 14...Td7 15.Lg5 cxd4 16.Txd4 und die Konsequenzen wären sogar schlimmer als in der Partie.

15.Txd4 Dxd4 Anders geht nicht: 15...De7 16.Lg5 f6 17.Tc1+ Kb8 18.Lf4+ Ka8 19.Tc6! oder 15...Dc5 16.Tc4 Td1+ 17.Dxd1 Dxc4 18.Lg5.

16.Sxd4 Txd4 17.Lf4 Wir rekapitulieren: Dame und Bauer für Turm, Läufer und Springer - vom Material her bedeutet das Vorteil für Schwarz. Dafür hat Schwarz folgende Mankos: Der König steht in der Mitte, schlechte Entwicklung, fehlende Koordination. Fazit: es sieht schlecht für Schwarz aus - und Ni Hua liegen diese Stellungen!

17...Se7 18.Tc1+ Sc6 19.De3 Lc5 20.Dh3+ Kd8 21.Le3 Te8 22.Dxh7 La7 23.Dxg7! Ni Hua hält die Spannung aufrecht.

23...Tdxe4 24.Df6+! Kc7 25.Lf4+ Kb6 26.h4 Te1+ 27.Txe1 Txe1+ 28.Kh2 Te6? Fehler in einer sehr schwierigen Situation. Weiß könnte mit 28...Lc8 29.Dxf7 Te7 30.Dg6 Kb7 31.Ld6 Td7 32.f4 Ld4 33.b3 Tg7 34.De4 weiter kämpfen, wäre aber immer noch weit von einer Punkteteilung entfernt.

29.Dxf7 Te7 30.Dd5 Lb8? 30...La8 könnte das Ende nur hinauszögern: 31.Le3+ Kb7 32.Lxa7 Kxa7 33.h5 und die weißen Bauern marschieren.

31.Lxb8 Sxb8 32.Dd8+ 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog