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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 4490 vom 07.01.2006, Kategorie Kolumne

Levon Aronian gewinnt Weltcup

Für das breite Schachpublikum eher unbekannt, aber für Experten  einer der Favoriten: Der sympathische 23-jährige Armenier Levon Aronian gewann den Weltcup in  Khanty Mansiysk (Sibirien).

Nach zwei erkämpften Remisen im Finale, setzte er sich im Stichkampf mit 2:0 gegen den Ex-Weltmeister Ruslan Ponomariov durch. Das kleine Finale um den dritten Platz ging an den Franzosen Etienne Bacrot. Er bezwang Grischuk, ebenfalls nach zwei Unentschieden, im Stichkampf mit 1½-½. Die ersten 10 der Platzierten  werden zusammen mit Kasimdzhanov und den fünf Besten der Weltrangliste (ausgenommen  Topalov, Anand, Svidler und Morozewitsch) im Herbst ein Turnier austragen. Die ersten 4 werden mit den Siegern von San Luis (Topalov, Anand, Svidler, Morozewitsch) um den Weltmeistertitel kämpfen!

Weltcup Endstand:

1. Aronian (Aremnien)
2. Ponomariov (Ukraine)
3. Bacrot (Frankreich)
4. Grischuk (Russland)
5. Bareev (Russland)
6. Gelfand (Israel)
7. Rublevsky (Russland)
8. M.Gurevich (Belgien)
9.Kamsky (USA)
10. Carlsen (Norwegen)

Eine Partie vom Sieger:

Weiß: Aronian, (2724)
Schwarz: Sadvakasov, H. (2612)
Anmerkung: GM Balinov

1.d4 Sf6 2.Sf3 e6 3.c4 b6 4.g3 Lb7 Die zur Zeit am meisten verbreitete Variante ist 4...La6.

5.Sc3 Eine selten Zugfolge - bietet den Übergang zu Nimzowitsch an. Die Grundstellung der Variante kommt nach 5.Lg2 Le7 6.0–0 0–0 7.Sc3 Se4 zustande.

5...Lb4 Die Einladung ist angenommen. Mit 5...Le7 6.Lg2 (6.d5 Lb4 ist noch nicht genug erforscht.) 6...0–0 7.0–0 Se4 könnte GM Sadvakasov die bekannte Damen-Indisch Stellung erreichen.

6.Ld2 Schwarz hat nach 6.Lg2 Lxc3+ 7.bxc3 kaum Probleme.

6...Lxf3 Der Zug hat Vor- und Nachteile: Einerseits erhält Weiß einen Doppelbauern, anderseits trennt sich Schwarz von seinem Läuferpaar. 6...0–0 7.Lg2 c5 wäre die Alternative.

7.exf3 0–0 8.a3 Es ist noch nicht klar, wohin der f1–Läufer entwickelt werden soll. Weiß erreichte eine bessere Stellung nach 8.Lg2 Sc6 9.a3 Lxc3 10.Lxc3 d5 11.Da4 Dd7 12.f4 Tad8 13.0–0–0 Se7 14.Dxd7 Txd7 15.b3 in der Begegnung Kortschnoi - Ivanchuk, Horgen 1995.

8...Lxc3 8...Le7 ist ebenfalls spielbar.

9.Lxc3 d5 Blockiert den d4-Bauern. Sonst wird Weiß selber d4-d5 spielen.

10.c5 Auch logisch - sonst tauscht Schwarz auf c4 und blockiert den d4-Bauern mit dem Springer auf d5. Und wenn Weiß versucht, den c4 Bauern mit 10.b3 zu decken, bekommt er Probleme im Zentrum: 10...Sc6 11.Le2 Dd6 12.0–0 dxc4 13.bxc4 Tfd8.

10...bxc5 11.dxc5 a5 Schwarz konnte das Zentrum übernehmen: 11...e5 12.Lg2 c6 13.0–0 Sbd7 14.b4 Dc7 mit dynamischem Gleichgewicht.

12.b4 Aronian vernachlässigt die Entwicklung, womit er den Gegner zu Aktivitäten provoziert. Vorsichtiger wäre 12.Ld3 a4 13.0–0 Sbd7 14.Tc1.

12...d4!? Sadvakasov ergreift die Initiative.

13.Ld2 Schwarz hätte starke Kompensation, wenn Weiß das Opfer annimmt: 13.Dxd4 Dxd4 14.Lxd4 axb4 15.axb4 Sc6 16.Lxf6 gxf6 17.Tb1 Sd4 oder 13.Lxd4 axb4 14.axb4 Sc6.

13...axb4 14.axb4 Txa1 15.Dxa1 Dd5 16.Lg2 De5+? Schwarz greift daneben. Richtig war 16...Dc4 17.Lf1 (17.Dc1 Dd3) 17...Db3 18.Dd1 Da3 19.Lb5 Sd5 20.0–0 Sc3 21.Lxc3 Dxc3 mit Vorteil.

17.Le3! Sd5 17...Sc6 führt zu einem Endspiel mit einem Bauern weniger für Schwarz: 18.f4 Df5 19.Lxc6 dxe3 20.fxe3 Sd5 21.Lxd5 exd5 22.0–0 c6, wobei Schwarz gewisse Kompensation hat. Mit 17...Df5 hat Schwarz Dauerschach: 18.Dxd4 (18.Lxd4 Dd3 19.Dc3 Db1+ 20.Ke2 Da2+ 21.Dd2 Dc4+ 22.Dd3 Da2+ 23.Dd2 mit Dauerschach.) 18...Db1+ (18...Sc6 19.Db2 Sd5 20.0–0 Scxb4 21.Ld4 f6 mit Gleichgewicht.) 19.Ke2 Da2+ 20.Dd2 Dc4+ 21.Dd3 Da2+.

18.0–0 Der König ist endlich zu Hause! Andere Fortsetzungen sind gefährlich: 18.Dxd4 Dxd4 19.Lxd4 Sc6 oder 18.f4 Df5 19.Dxd4 (19.Lxd4 Dd3 20.Dd1 Dc4) 19...Db1+ 20.Ke2 Da2+ 21.Dd2 Sc3+ 22.Ke1 Dc4.

18...Sc6 Nach 18...Sxe3 19.f4 Df6 20.fxe3 dxe3 21.Dxf6 gxf6 22.b5 hätte es der Springer nicht leicht, ins Spiel zu kommen.

19.f4 Df6 20.Ld2 Tb8?

Diagramm 1

20...Scxb4 hätte eine Figur gekostet: 21.Da4 Sd3 22.Dc4 Df5 23.Dxd4. Aber 20...Dg6 wäre sehr interessant - mit der Idee Dg6-d3 oder c2.

21.b5! Stark und nicht leicht zu finden! 21...Sce7? Nach diesem Zug bricht die schwarze Stellung schnell zusammen. Trotz der Gefahr sollte sich Schwarz für 21...Txb5 entscheiden.

22.Da7! Td8 22...Tc8 war ebenfalls unzureichend: 23.b6 cxb6 24.cxb6 Tf8 25.b7 Sc6 26.Dc5 Sb8 27.Lxd5 exd5 28.Lb4 Te8 29.Te1 Txe1+ 30.Lxe1 Dc6 31.De7 Dd7 32.De5 Dd8 33.La5 Df8 34.Lc7 mit Figurgewinn.

23.La5 Sg6 24.Lxc7 De7 25.Lxd5 exd5 26.b6 Te8 27.Da4 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog