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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 4501 vom 21.01.2006, Kategorie Kolumne

14. Donau Open in Aschach

Das Open in Aschach (Oberösterreich) zwischen Weihnachten und Silvester erfreut sich großer Beliebtheit. Der Beweis dafür ist die konstante Teilnehmerzahl: Heuer mehr als 200 Teilnehmer in allen drei Elo-Kategorien. Im A-Turnier kam es zu einer Überraschung. Der wenig bekannte ungarische internationale Meister Lajos Gyorkos wurde mit einer riesigen Portion Glück Turniersieger! Der klare Elo-Favorit GM Pavasovic verlor gegen den Oberösterreicher Konrad und wurde nur Neunter.

Endstand A-Turnier:
1. IM Gyorkos (Ungarn) 6 aus 7.
2. IM Butonoi (Romänien) 5½.
3. IM Tratar (Slowenien) 5½.
4. IM Szuhanek (Romänien) 5½.
5. Jan Havlik (Tschechien) 5½.
6. GM Balinov (Österreich) 5½.
7. GM Lau (Deutschland) 5.
8. IM Jurek (Tschechien) 5.
9. GM Pavasovic (Slowenien) 5.
10. IM Belezky (Ukraine) 5.

Drei Partien vom Sieger:

Weiß: Praxmarer, C.
Schwarz: Gyorkos, L.
Anmerkung: GM Balinov

Diagramm 1

37...a3 38.Ta7?? Dieser Zug hatte etwas Schicksalhaftes an sich: IM Gyorkos gewann diese Partie und später das Turnier! Nach 38.Lxc6 hätten wir einen anderen Turniersieger!

38...d3! 39.cxd3 Nach 39.Txa3 dxc2 wäre c-Bauer nicht zu stoppen: 40.Lf4 Ld4+ 41.Kh2 Txf4.

39...Ld4+ 40.Kh2 Lxa7 41.Lxc6 Lb8 42.d4 Tf2+ 43.Lg2 Lxg3+ 44.Kxg3 Txg2+ 0–1


Weiß: Lau, R.
Schwarz: Gyorkos, L.

Die entscheidende Partie um den ersten Platz, voller Spannung und Dramatik! GM Ralph Lau hatte die ganze Zeit das Kommando und nach der ersten Zeitkontrolle bräuchte er nur noch ein wenig Konzentration, um den vollen Punkt nach Hause zu bringen. Es kam aber anderes!

Diagramm 2

1.Df8+

Keine Frage: Für einen begnadeten Taktiker wie Ralph sollte die Sequenz 1.c4 Txf3 2.Df8+ Kf6 3.Te8 keine Hürde sein. Was nun mit Ralph passierte kann nur er erklären!

1...Ke6 Diese Stellung sah ich und ging weiter mit der Klarheit, dass Weiß bald gewinnt!

2.De8+ Dxe8 3.Txe8+ Kd7 4.Tf8 Txf3 5.Kg4 e4 6.b5 Tf2 7.h4 e3 8.Ta8 e2 9.Ta7+ Ke6 10.Ta8 Ke7 11.Ta7+ Kf6 Und hier war ich wieder am Brett und konnte meinen Augen kaum trauen! Aber das kräftige Kopfschütteln von Ralph bestätigte, dass alles real war! 0–1


Weiß: Gyorkos, L.
Schwarz: Dovzik, J.

1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 a6 Die aktuellste Variante in der Slawischen Verteidigung.

5.c5 Eine andere wichtige Fortsetzung ist 5.e3 b5 6.b3 Lg4 7.Le2 e6.

5...Sbd7 6.Lf4 Sh5 Der schwarzfeldrige Läufer ist das "Objekt der Begierde" und wird attackiert, bevor Weiß zu h2-h3 kommt, wonach er sich ungestört auf h2 zurückziehen kann.

7.e3 Hier wurde schon alles probiert: von 7.Ld2, 7.Lg5, 7.Le3 bis zu 7.g3.

7...g6 8.h4 Sxf4 9.exf4 b6 10.cxb6 Weiß bekommt Probleme, wenn er versucht, den Punkt c5 mit 10.b4 zu halten: 10...Lg7 11.Dd2 a5 12.b5 bxc5 13.bxc6 Sf6.

10...Dxb6 11.Dd2 Tb8 12.b3 Lg7 13.h5 c5 Zu erforschen sind die Züge 13...Sf6 und 13...0–0.

14.Sxd5 De6+ 14...Db7 15.Lc4 e6 16.Se3 cxd4 17.Sxd4 Sf6 18.h6 Lf8 19.a3 Le7 20.0–0 0–0.

15.Se3 cxd4 16.Sxd4 De4 17.Td1 Dxf4??

Diagramm 3

Erst dieser Zug ist neu und gleich ein grober Fehler! Die Ursprungspartie (mit 8.h4) verlief wie folgt: 17...Tb6 18.hxg6 hxg6 19.Txh8+ Lxh8 20.Dc2 Dxc2 21.Sdxc2 Lc3+?! (besser war 21...Lb7 ) 22.Ke2 Sf6 23.Td3 La5 24.Sc4 und Schwarz geriet in Schwierigkeiten, konnte aber die Partie retten. Gelfand-Bacrot, Cap d Agde 2003.

18.Sc6! Tb6 19.Sxe7 Ich bin gerade bei diesem Zug vorbeigegangen: Der ukrainische Internationale Meister war sichtbar k.o!

19...Te6 Die weißen Springer sorgen für gute Unterhaltung: 19...Kxe7 20.Sd5+.

20.Sxc8 Der Rest ist nur fürs Protokoll. 

20...0–0 21.Lc4 21.Dxd7 Lc3+ 22.Ke2 Tfe8 23.Th3 ging ebenfalls.

21...Txc8 22.0–0 22.Lxe6 wäre unangebracht: 22...Lc3 aber 22.Dxd7 Txe3+ 23.fxe3 Dxe3+ 24.Le2 Tc2 25.Dd3 sollte klar sein.

22...Se5 22...Sf8 war auch hoffnungslos: 23.Lxe6 Sxe6 24.Sd5 und wenn 24...Dh4, dann 25.hxg6 hxg6 26.g3 Dd8 27.Db4!

23.Lxe6 fxe6 24.Sc4 Dh4 25.Sxe5 Lxe5 26.g3 Dxh5 27.Dd7 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog