Wiener Zeitungs Schachergebnisserver - Kolumne
Schach Homepage Swiss-Manager Homepage Österreichischer Schachbund Homepage Wiener Zeitung Homepage CMS-Version 10.06.2017 12:15, Logged on: Gast Suche Impressum Sitemap Login Logoff Kontakt
 Home   Österreich   Welt   Kolumne   Meisterschaft   Turnier-DB   Archiv   Turnierkalender   Links   Datenpflege 

Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 4511 vom 11.02.2006, Kategorie Kolumne

Doppelsieger in Wijk aan Zee

Die Prognosen der Buchmacher beim Superturnier in Wijk aan Zee (Niederlande) wurden bestätigt: Das Duo Topalov - Anand dominierte das Feld klar über die gesamte Distanz. Während in der Schlussrunde der amtierende Weltmeister Topalov seinen minimalen Vorteil gegen Leko nicht verwerten konnte, lieferte der Inder eine Glanzpartie (unsere heutige Analyse). Am Ende waren Topalov und Anand mit je 9 Punkten gleichauf, mit einem respektablen Vorsprung auf Adams und Ivanchuk mit 7,5 Punkten.

Die Zukunft gehört aber zwei jungen Spielern, die sich in Holland mehr als bemerkbar machten. Sergei Karjakin aus der Ukraine mit 7 aus 13 im A-Turnier und Magnus Carlsen mit 9 aus 13 im B-Turnier! Der Norweger teilte den ersten Platz mit Großmeister Motylew, dem einzigen Spieler aus Russland und qualifizierte sich damit für das A-Turnier im nächsten Jahr!

Weiß: Anand (2792)
Schwarz: Gelfand (2723)
Anmerkung: GM Balinov

1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.f3 Wie bereits in der letzten Kolumne erwähnt wurde, spielt Anand diese Stellung gern und erfolgreich mit Weiß.

6...e5 7.Sb3 Le6 8.Le3 Sbd7 9.Dd2 b5 10.0–0–0 Sb6 11.Df2 Sc4 Der Israeli probierte einmal 11...Sfd7, aber nach 12.f4 Tc8 13.f5 Lc4 14.Lxc4 Txc4 15.Dd2 Dc8 16.Sa5 Tc7 17.g4 Le7 18.g5 geriet er in Schwierigkeiten und wiederholte diesen Zug nicht mehr, Svidler-Gelfand, Armenien - Rest der Welt, Moskau 2004.

12.Lxc4 bxc4 13.Sa5 13...Da5?? 14.Lb6. Eine andere Möglichkeit ist 13.Sc5. Hier eine aktuelle Partie: 13...Le7 14.g4 Lxg4 15.Thg1 Lh5 16.S5a4 0–0 17.Sb6 Tb8 18.Sxc4 Dc7 19.Sb6 Ld8 20.Dg2 Lg6 mit kompliziertem Spiel, Erenburg - Karjakin, Team WM 2005.

13...Dd7 Weiß konnte in den folgenden Begegnungen Vorteil erlangen: 13...Sd7 14.Sc6 Dc7 15.Sb4 Db7 16.Sbd5 Tb8 17.b3 cxb3 18.cxb3 Le7 Bologan-Gelfand, Spanien 2005 bzw. 13...Tc8 14.Lb6 Dd7 15.g3 g6 16.Td2 Lh6 17.f4 Anand-Kasimdzanov, WM San Luis 2005.

14.Td2 Le7 15.Thd1 Tb8? Großer Fehler. Richtig war 15...0–0 und auf 16.Lc5 folgt 16...Dc7 17.Lb6 Dd7 mit dynamischem Gleichgewicht.

16.Lc5! Dc7

Diagramm 1

17.Txd6!! Sehr wahrscheinlich von Gelfand unterschätzt oder sogar übersehen.

17...Dxa5 18.Txe6! fxe6 19.Lxe7 Tb7 19...Kxe7 geht wegen 20.Da7+ nicht.

20.Ld6 Weiß hat mehr als Kompensation für die Qualität.

20...Sd7 21.Dh4 Dd8 22.Dh5+ Gut war auch 22.Dxd8+ Kxd8 23.Lxe5.

22...g6 23.Dh6 Df6 24.Se2 Kf7 25.h4 g5 Der Israeli gibt lieber noch einen Bauern, nur um die Damen zu tauschen. Aber die Probleme werden dadurch nicht weniger: Alle schwarzen Bauern sind schwach und die Türme haben keine offenen Linien.

26.hxg5 Dxh6 27.gxh6 Tg8 28.g4 Tg6 29.Th1 Tb6 30.La3 Tf6 31.Th3 Kg6 32.Kd2 Tf7 33.Ke3 Sf6 34.Sc3 Td7 35.Th1 Tc6 36.Sa4 Tb7 37.Sc3 Tb8 38.Sd1 Sg8? Besser war das Abwarten mit 38...Tb7.

39.Th5 Sxh6 40.Txe5 Sf7 41.Th5 Tb5 42.Th1 e5 43.Sc3 Tb7 44.Sd5 Te6 45.Lb4 Kg7 46.Th2 Sg5 47.Lc3 Kg8 48.Tf2 Tf7 49.Tf1 Te8 50.Ke2 Platz frei für Sd5-e3.

50...Tef8 51.Lxe5 Sxe4 Chancenlos war 51...Txf3 52.Txf3 Txf3 53.Lf6 Txf6 54.Sxf6+ Kf7 55.Sd7 Sxe4 56.Se5+ Ke6 57.Sxc4.

52.Ke3 Sc5 Das Turmendspiel nach 52...Sd2 53.Tf2 Sxf3 54.Sf6+ Txf6 55.Lxf6 Txf6 56.Txf3 wäre nicht zu halten.

53.f4 Te8 54.Kd4 Sd7 55.Te1 Te6? Die letzte Chance auf Gegenspiel war 55...Sxe5 56.fxe5 Tf2 und auf 57.Kc3 (Nicht einfach zu gewinnen für Weiß ist 57.e6 Txc2 58.Sf6+ Kf8 59.Sxe8 Kxe8) 57...Kf7.

56.Te2! Deckt die zweite Reihe.

56...Sxe5? Mehr Widerstand könnte 56...Tg7 57.Tg2 (57.g5 Sxe5) 57...Sxe5 58.fxe5 leisten.

57.fxe5 Tg7 58.Sf6+ Kf7 Oder 58...Txf6 59.exf6 Txg4+ 60.Ke5 Kf7 61.Kf5 nebst Te7.

59.Kxc4 Tg5 60.Kd4 Tb6 61.c4 Ke6 62.b3 Tb8 63.Te4 h6 64.Sd5 Tbg8 65.Sf4+ Ke7 66.e6 1–0


Weiß: Aronian (2752)
Schwarz: Sokolov (2689)
Anmerkung: GM Balinov

Diagramm 2

20.Txd6!! Die Pointe!

20...Dxd6 21.bxc6 0–0 21...bxc6 sieht sehr gefährlich für Schwarz aus, wäre aber spielbar, wie die folgende Analyse zeigt: 22.Sb5 Dd7 23.Db4 23...a5 24.Dc5 Se7 25.Td1 Ld5 26.Sxd5 cxd5 27.Sc7+ Kf7 28.Sxa8 Txa8 29.Lxd5+ 29...Sxd5 30.Dxd5+ Dxd5 31.Txd5 Te8 32.e3 Te5 nahe zur Punkteteilung.

22.Sb5 Dc5 Der Versuch, mit 22...Df4 23.cxb7 Tae8 aktiv zu spielen, scheitert an 24.Df5! Txe3 25.Dxf4 Sxf4 26.fxe3 Sxg2 27.a5!! a6 (27...Sxe3 28.a6) 28.Sc7 Tb8 29.Tb1 Lc4 30.Kxg2.

23.cxb7 Tab8 24.Df5 Weiß will die aktivste schwarze Figur tauschen.

24...Se5 Oder 24...Db6 25.a5 Da6 26.Dc5 Txb7 27.Lxb7 Dxb7 28.a6 De4 29.f3 De6 30.Sxa7

25.Dc2 Db6 26.Dc7 Tfd8 27.Tc1 Da6 28.Sf5 Db6 Auf 28...Dxa4 folgt 29.Sbd6 Dd7 30.Da5.

29.Dxb8! Txb8 30.Tc8+ Dd8 31.Sxa7! Le8 32.Txd8 Txd8 33.Ld5+ Lf7 Auf 33...Kf8 einfach 34.a5.

34.Se7+ Kf8 35.Sec6! Schwarz verliert Material - zumindest eine Figur. 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog