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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 4678 vom 25.03.2006, Kategorie Kolumne

Überraschungen in Linares

Selten war das Großmeisterturnier in Linares (Spanien) so spannend wie heuer! Nach der ersten Halbzeit, die in Morelia (Mexiko) gespielt wurde, führte Peter Leko mit 5 Punkten vor Levon Aronian mit 4,5. Der FIDE Weltmeister Veselin Topalov lag am vorletzten Platz  mit nur 2,5 Zählern. Die Buchmacher erhöhten daher seine Siegeswettquote von 1:1,5 auf 1:100!

Die zweite Halbzeit begann in Linares ziemlich kurios: Leko willigte in einer total gewonnen Stellung völlig unerwartet auf Remis ein, Ivanchuk  „schlief“ gegen Bacrot ein und es fiel im 39. Zug auf seiner Schachuhr die Klappe und somit war die Partie durch Zeitüberschreitung verloren - ebenfalls in gewonnener Position! Anders spielte der in Spanien lebende Bulgare Topalov! Er punktete dreimal hintereinander und plötzlich war die Frage nach dem Turniersieger wieder völlig offen.

In der 13. und vorletzten Runde bezwang Topalov Leko und nun lagen Leko, Topalov, Aronian und Radjabov punktegleich mit jeweils 7,5 Punkten in Führung.

Die besten Chancen sollte  Topalov haben: zwar mit  Schwarz, aber gegen den letzten im Feld - Vallejo Pons. Zusätzlich hatte er die beste Zweitwertung (die Zahl der Siege mit Schwarz). Letztes Jahr wurde Kasparov nach diesem Kriterium Erster!

Topalov wählte als Eröffnung die Wiener-Variante im Damengambit. Dort lauern viele Abwicklungen die mit Dauerschach enden. Und so geschah es in der Tat!

Radjabov blieb seiner Königsindischen Verteidigung treu, erreichte aber eine perspektivlose Stellung  und gab sich gegen Bacrot mit Remis zufrieden.

Die Entscheidung musste daher in der Begegnung Leko - Aronian fallen. Der Unger agierte orientierungslos stand bald schlechter. Im Gegenteil dazu Levon Aronian: Er spielte schnell und selbstsicher und wartete auf Fehler von Leko, die er dann kaltblütig realisierte. Mit diesem Sieg wurde er alleiniger Turniersieger und konnte damit seinen größten Erfolg feiern!

Endstand nach 14 Runden:
1.Aronian 8,5 Punkte.
2.Topalov 8.
3.Radjabov 8.
4.Leko 7,5.
5.Svidler 6,5.
6.Ivanchuk 6,5.
7.Bacrot 6.
8.Vallejo Pons 5.

Zwei Partien vom Turnier:

Weiß: Aronian, L. (2752)
Schwarz: Vallejo Pons (2650)
Anmerkung: GM Balinov

1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 c6 4.e4 dxe4 5.Sxe4 Lb4+ 6.Ld2 Dxd4 7.Lxb4 Dxe4+ 8.Le2 Die Grundstellung dieses Gambits: Weiß opfert einen Bauern für das Läuferpaar und die Kontrolle über die schwarzen Felder.

8...Sa6 9.Ld6 Sehr oft wird auch 9.Lc3 und 9.La5 gespielt.

9...e5 10.Sf3 Lg4 11.0–0 0–0–0 12.Ld3 Df4 Natürlich nicht 12...Lxf3?? 13.Lxe4 Lxd1 14.Lf5+.

13.Lxe5 Dxe5 14.Sxe5 Lxd1 15.Lf5+ Kc7 16.Sxf7 Anspruchslos wäre 16.Taxd1 Sh6.

16...Lh5 Mit 16...Sh6 könnte Schwarz die Balance halten.

17.Sxd8 Kxd8 18.g4 Sh6 18...Le8 19.Tad1+ ist schlecht für Schwarz.

19.Tad1+ Kc7 20.Td7+ Kb6 21.Txg7 Sxf5 22.gxf5 Tf8 Eine Alternative wäre 22...Le2 23.Te1 Lxc4 24.Tee7 Tb8 25.a3 h5 26.f6 Sc5.

23.Te1 Sc5? Das ist vielleicht der Verlustzug! Wichtig war den f5-Bauern zu vernichten: 23...Txf5 24.Tee7 Lg6 25.Txb7+ Kc5 26.Txa7 Sb4 und Schwarz steht sehr aktiv.

24.b4! Sd3 25.Tee7 Die absolute Herrschaft über die siebente Reihe!

25...Sxb4 26.Txb7+ Kc5 27.Tg5!

Diagramm 1

Schwarz verliert Material.

27...Lf3 27...Lf7 28.f6+ Kxc4 29.Tg4+ Kc3 30.Tbxb4 Lxa2 31.Ta4 wäre ähnlich wie in der Partie.

28.f6+ Kxc4 29.Tf5 Ld5 30.Tf4+ Kc3 31.Tbxb4 Lxa2 32.Ta4 Lf7 33.Txa7 c5 34.f3 c4 35.Kf2 Kb3 36.Tb7+ 1–0


Weiß: Radjabov (2700)
Schwarz: Svidler (2765)
Anmerkung: GM Balinov

Diagramm 2

14.Lxh6! Die Folgen von 11....h6.

14...Tc8 15.Lb3 gxh6 16.Dxh6 Sh7 Führt zu Schwierigkeiten, aber es ist nicht leicht eine vernünftige Fortsetzung für Schwarz zu finden.

17.Te5! f5 18.Txe6! Der Textzug ist stärker als 18.Lxe6+ Kh8 19.Tae1 Tc6 20.d5 Td6.

18...Lxe6 19.Lxe6+ Kh8 20.Lxc8 Tf6 21.Dh5 Dxc8 22.Te1 Die Alternative war 22.Se5 Dg8 23.Td1.

22...Lf8 23.Se5 Kg8 Interessant war 23...Dc7 und auf 24.Te3 Sd5.

24.Dd1 Sg5?? Grober Fehler. Mit 24...Th6! hätte man weiter kämpfen können.

25.Db3+? Radjabov revanchiert sich! Der Gewinnzug 25.Dc1!! Sh7 26.Se4 Dxc1 27.Sxf6+ Sxf6 28.Txc1.

25...Kg7 25...Kh7 war genauer.

26.h4 26...Sf7 27.Se2 Sxe5 28.dxe5 Tc6? Sieht aktiv aus, ist aber ungenau. Richtig war 28...Th6 29.Dg3+ Tg6 und die Stellung wäre unklar.

29.Sf4 Le7 30.Dg3+ Kh7 31.Df3 De8 32.g3 Df7 33.e6 Df6 34.Dh5+ Kg8 35.De8+ Df8 Auf 35...Kh7 folgt 36.Sh5 Df8 37.Dxf8 Lxf8 38.e7.

36.Dg6+ Dg7 Oder 36...Kh8 37.Te5 Tc5 38.Txc5 Lxc5 39.Dg5.

37.Dxf5 Tc5 38.De4 Sc6 39.Sd5 Dxb2 40.Df5 Tc1 41.Sxe7+ 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog