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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 4686 vom 08.04.2006, Kategorie Kolumne

Styria Graz holt den Meistertitel!

Das Finale der 1. Bundesliga vom 23. bis 26. März in Ansfelden (Oberösterreich) war an Spannung kaum zu überbieten! Nach 10 Runden führte immer noch Styria Graz, aber nur mit einem halben Punkt Vorsprung vor Titelverteidiger Ansfelden, einen Punkt vor Holz Dohr - Semriach und 1,5 Punkte vor Hohenems! Nicht zu unterschätzen war das kompakte Team von ASVÖ Wulkaprodersdorf, dem Aufsteiger im doppelten Sinn, der sich mit einem hohen Sieg gegen Götzis ganz nach vorne katapultieren könnte.

In der letzten Runde spielte der Erste gegen den Dritten (Styria Graz - Holz Dohr Semriach) und der Zweite gegen den Vierten (Ansfelden –Hohenems)! Die Gastgeber verabschiedeten sich relativ schnell mit einer 2,5:3,5 Niederlage vom Titelkampf. In der anderen Begegnung flatterten die Nerven: Nach vielen vergebenen Chancen von beiden Seiten sollte sich alles auf Brett 6 entscheiden. Für die Grazer musste ein Sieg her! Und den durfte gerade ein Ex-Holz Dohrianer verbuchen! Der Routinier Walter Wittmann schaffte diese Aufgabe mit Bravour (unsere heutige Analyse) und holte damit den Meistertitel nach Graz!

Damit war der neue Meister fix, aber die Frage um die restlichen Medaillenplätze war noch offen. Holz Dohr – Semriach, Ansfelden und Hohenems hatten alle 39. Punkte. Aber in der letzten Partie geschah ein Wunder: Friedrich Volkmann rettete ein Turmendspiel mit zwei Bauern weniger bzw. sein Gegner Alexander Schmidlechner schaffte es nicht, zu gewinnen, und damit kam Wulkaprodersdorf ebenfalls auf 39 Zähler! Da bei drei Mannschaften auch die Zweitwertung (Matchpunkte) gleich war, entschied die dritte Wertung (Matchpunkte gegeneinander), da hatte Wulkaprodersdorf die Nase vorn.

Ganz ruhig verlief der Abstiegskampf: Zwei Mannshaften waren schon bekannt (Götzis und Tschaturanga) und der dritte Kandidat - Fürstenfeld deklarierte sich gleich mit der Aufstellung: Es fehlte die Hälfte der Stammspieler.

Endstand nach 11 Runden:

1. Styria Graz - Kl.Zeitung 40 Punkte (GM Ruck, GM R.Markus, GM Ribli, GM Schengelia, IM Eva Moser, IM Brestian, GM Balinov, IM Wittmann).
2. ASVÖ Wulkaprodersdorf 39.
3. SpG Holz Dohr - Semriach 39.
4. SK Hohenems 39.
5. Union Ansfelden 39.
6. SC Die Klagenfurter 36.
7. SK Sparkasse Jenbach 32.
8. SK Kl.Ztg. MPÖ Maria Saal 31.5.
9. SV Sparkasse Schwarzach 30.5.
10. SC Admiral Spk Fürstenfeld 27.
11. SV Tschaturanga Neubau 23.
12. SK Sparkasse Götzis 20.

Weiß: Wittmann (2475)
Schwarz: Karner (2467)
Anmerkung: GM Balinov

1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Le2 e5 7.Sb3 Le7 8.Lg5 Eine alte Variante, die wieder aktuell ist.

8...Le6 Eine andere Idee wäre 8...Sbd7, damit man auf f6 mit dem Springer zurücknehmen kann.

9.Lxf6 Lxf6 10.0–0 Konsequenter ist 10.Dd3 mit der Idee 0–0–0 oder Ta1–d1 mit sofortigem Druck auf d6.

10...Sc6 11.Sd5 Lxd5??

Diagramm

Grober positioneller Fehler - gibt das Läuferpaar auf, dadurch werden die weißen Felder (besonders d5) noch schwächer 11...Lg5 war eine mögliche Alternative.

12.Dxd5 Dc7 13.c3 0–0 14.a4 Se7 15.Dc4 Dd7 Das Endspiel 15...Dxc4 16.Lxc4 Tac8 17.Le2 Tfd8 18.Tfd1 Tc7 wäre auch nicht leicht, aber doch empfehlenswerter.

16.Tfd1 Tfd8 17.Db4 Dc7 18.Dc4 Auf 18.Sa5 folgt einfach 18...Tab8. Aber 18.Lc4 bot sich an.

18...Dd7 19.Sd2 Auf der Suche nach einem besseren Feld.

19...Lg5 Die gewünschte Befreiung mit 19...d5 stößt auf Probleme: 20.exd5 Sxd5 21.Se4 Le7 22.Lf3 Dc7 23.Sd2!

20.Sf3 Lf6 21.Db3 Dc7 22.Sd2 22.Lc4 war ebenfalls eine gute Alternative.

22...d5 Christoph verliert die Geduld und geriet in eine hoffnungslose Stellung. 23.exd5 Sxd5 24.Se4 Walter Wittmann konnte mit 24.Lf3 Sf4 25.Dxb7 Dxb7 26.Lxb7 einen Bauern gewinnen, befürchtete aber wahrscheinlich Gegenspiel nach 26...Tab8 27.Lxa6 Txb2 28.Se4 Txd1+ 29.Txd1 Ta2 30.Lb5 Le7.

24...Sf4 25.Sxf6+ gxf6 26.Lf3 Txd1+ 27.Txd1 Td8 28.Txd8+?! Unpräzis. Weiß konnte nach 28.g3 Txd1+ 29.Dxd1 Se6 30.Dd5 Sc5 31.Dc4 b6 32.Ld5 eine dominierende Stellung erreichen.

28...Dxd8 29.g3 29.Dxb7 wäre wegen 29...Dd2 30.h3 Sd3 ungenau.

29...Dd3 Einziger Zug - den Walter wahrscheinlich übersehen hat!

30.Dd1 Dxd1+ 31.Lxd1 Sd3 32.b3 b6? Wie so oft im Schach - die logischen erscheinenden Züge sind oft nicht die besten! Schwarz sollte c3-c4 erzwingen: 32...Sc1 33.Kf1 (33.a5 f5! 34.Kf1 Sa2 35.c4 Sb4 36.Lf3 e4 37.Lg2 Sc6) 33...Sa2 34.c4 a5 mit guten Überlebenschancen.

33.Kf1 a5 34.Ke2 Sc5 35.Lc2 35.b4 wäre verfrüht: 35...Se4!

35...h6 36.Kd2 Kf8 37.b4 Sa6 37...Sb7 bereitet mehr Schwierigkeiten.

38.bxa5 bxa5 39.Kd3 Ke7 40.Kc4 Kd6 Auf 40...Sc7 kommt 41.Kc5 nebst Kb6.

41.Kb5 Sc7+ 42.Kxa5 Kc5 43.Le4 43.Lb3 verdiente Beachtung.

43...f5 44.Lxf5 Sd5 45.Ka6 Sxc3 46.a5 Kc6 47.f3! Schafft das wichtige Feld e4 für den Läufer, wonach Schwarz in Zugzwang kommt.

47...h5 Grundsätzlich sind solche Züge zu vermeiden - damit wird ein zweiter Freibauer ermöglicht.

48.h4 Se2 49.Le4+ Kc7 50.g4 hxg4 51.fxg4 Sc3 52.Ld3 e4 53.Lc4 e3 54.h5 e2 55.Lxe2 Sxe2 56.h6 Sf4 57.h7 Sg6 58.Kb5 Kb7 59.g5 Sh8 60.Kc5 Kc7 61.Kd5 Sg6 62.Ke4 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog