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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 4705 vom 06.05.2006, Kategorie Kolumne

Partienachlese II von der Europameisterschaft 2006

Heute noch eine Partieanalyse von der Europameisterschaft. Eine zweite ausgewählte und kommentierte Partie finden Sie auf unseren Schachseiten im Internet, weitere Partien können selbstverständlich aus der Datenbank abgerufen werden.

Weiß: Luther (2569)
Schwarz: Ivanchuk (2729)
Anmerkung: GM Balinov

1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sc6 5.Sc3 Dc7 6.f4 Die Hauptvarianten sind 6.Le2 und 6.Le3

6...a6 7.a4 Auf diesem Niveau noch nicht gespielt. Die üblichen Fortsetzungen beginnen mit 7.Sf3 und 7.Le3.

7...Sf6 Neuerung. Offensichtlich von Ivanchuk speziell vorbereitet! In der ersten Runde erlangte Luther nach 7...Lb4 8.Sxc6 Dxc6 9.Dd4 Lxc3+ 10.bxc3 Sf6 11.Ld3 0–0 12.La3 Te8 13.e5 Sd5 14.c4 Se7 15.Lxe7 Txe7 16.Le4 Dc7 17.a5 großen Vorteil. Luther-Jovanic.

8.e5 Sd5 9.Sxd5 exd5 10.Sf5 Anspruchsvoll. 10.Le3 führt nur zum Ausgleich: 10...d6 11.Sxc6 bxc6 12.Ld4 c5 13.exd6 Dxd6 14.Le5 De6 15.Le2 Ld6 16.Lxd6 Dxd6 17.0–0 0–0.

10...d6! 11.exd6 Lxd6 12.Sxd6+ 12.Sxg7+ wäre zu riskant: 12...Kf8 13.Sh5 Lf5 14.Sg3 Te8+ 15.Le2 Lg4 16.Kf1 (16.0–0? Txe2 17.Sxe2 De7).

12...Dxd6 13.Ld3 Dc5 14.De2+ Kd8 15.Df2 Te8+ 16.Kf1 d4 Die Stellung ist höchst kompliziert und schwer zu behandeln.

17.Dh4+ Beachtung verdiente 17.f5! Zum Beispiel: 17...Ld7 (17...Sb4 18.Ta3) 18.f6 gxf6 19.Dxf6+ Kc8 20.Lf4 Sb4 21.Te1 Txe1+ 22.Kxe1 Sxd3+ 23.cxd3 b6 24.Dxf7 Df5 25.Dxf5 Lxf5 26.Kd2 und Schwarz steht ein langer Kampf ums Remis bevor.

17...f6?! Ivanchuk überschätzt die eigene Stellung. Besser war 17...Kc7 18.Dg5 Dxg5 19.fxg5 Sb4 20.Lf4+ Kd8 21.Te1 mit Ausgleich.

18.Dxh7 Sb4 19.Ld2 Sxd3 20.cxd3 Lf5 Agressiv! 20...Df5 könnte die Balance halten: 21.Dxf5 Lxf5 22.Kf2 Kd7 23.Thd1 Tac8 24.Tac1 Kd6.

21.Dxg7 Lxd3+ 22.Kg1 Tc8 23.h4 Weiß konnte ruhig weiter "fressen": 23.Dxf6+ Kc7 24.Tc1 Lc2 25.Dg5 und auf 25...Dc4 folgt dann 26.f5 Kb8 27.h4.

23...Te2 24.Th3 Der Deutsche konnte hier Remis forcieren: 24.Tc1 Lc2 25.Txc2 Dxc2 26.La5+ Ke8 27.Dg8+ Kd7 28.Df7+ Kc6 29.Dxf6+ Kd5 30.Df7+ Kc6 31.Df6+ mit Dauerschach.

24...Le4? Der Ukrainer spielt schon mit dem Feuer. Auf 24...Txd2 folgt 25.Txd3 Txd3 26.Dh8+ Kc7 27.Dh7+ Kb8 28.Dxd3 mit dynamischem Gleichgewicht.

25.Dxf6+ Kc7 26.Tc1 Lc2

Diagramm 1

27.b4? Wahrscheinlich wegen Zeitknappheit versäumt der deutsche Meister die starke Erwiderung 27.Td3! und weiter: 27...Kb8 28.Dxd4 Dc6 29.Dd6+ Dxd6 30.Txd6 Le4 31.Te1 Txg2+ 32.Kf1 Tg6 33.Td4.

27...Dc4 28.Tg3? Nun ist Weiß zu optimistisch! Richtig war 28.Le1 Tce8 29.Lf2 d3 30.Tf1 mit unklarer Position.

28...Txd2 29.De5+ 29.Tg7+ war vielleicht die bessere Wahl, aber nach 29...Kb8 30.b5 De2 31.bxa6 Dxa6 32.Dxa6 bxa6 33.h5 Te2 sollte Schwarz die Mehrfigur doch realisieren können.

29...Kb6 30.Tg7 Auf 30.Da5+ Ka7 31.b5 folgt 31...Te2 und auf 32.Tg7 Te6.

30...Ka7 31.b5 d3 32.Kh2 Te2 33.Dd6 Te6 34.Dd7 Dxf4+ 35.g3 Df2+ 36.Kh1 Df3+ 37.Kg1 Te2 38.b6+ Kb8 0–1


Weiß: Postny (2578)
Schwarz: Chuchelov (2534)
Anmerkung: GM Balinov

1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 e5 6.Sdb5 d6 7.Lg5 a6 8.Sa3 b5 9.Sd5 Die sogenannte positionelle Variante in der Sweschnikow Eröffnung ist zur Zeit sehr populär. Die Alternative 9.Lxf6 gxf6 10.Sd5 führt zu komplizierteren Abwicklungen.

9...Le7 10.Lxf6 Lxf6 11.c3 Lg5 12.Sc2 0–0 13.a4 bxa4 14.Txa4 a5 15.Lc4 Tb8 16.Ta2 Die letzte Mode! Früher spielte Weiß hauptsächlich b2-b3.

16...Kh8 Bereitet f7-f5 vor.

17.Sce3 Lh6 Neuerung. Schwarz hat mit 17...g6 18.h4 Lxh4 (18...Lh6 ist vorsichtiger.) 19.g3 Lg5 20.f4 exf4 21.gxf4 Lh4+ 22.Kf1 schlechte Erfahrungen gemacht. Besser ist 17...Lxe3 18.Sxe3 Se7 19.b3 f5 20.exf5 Sxf5 21.Sd5 Lb7 22.0–0 Tc8 23.Dd3 Sh4 24.Td1 mit Gleichgewicht, Karjakin-Topalov, Wijk aan Zee 2006.

18.0–0 g6 19.Kh1 f5 20.exf5 gxf5 21.f4! Standard Vorstoß.

21...exf4 21...Dh4 22.g3 Dh3 war wegen 23.Tf2 nebst Lc4-f1 schlecht.

22.Sxf4 Se5 23.b3 Sg6 Ein Versuch, die Blockade auf f4 zu entfernen. Interessant war 23...Sxc4 24.Sxc4 Lg7 und nach 25.Sxa5 Ld7 26.c4 Le5 27.Dh5 Df6 28.Sd5 Dg6 29.Dxg6 hxg6 hätte das Läuferpaar den Minus-Bauern kompensiert.

24.Sed5 Se5 Zugeständnis.

25.Dh5 Lg7 26.Te1 De8 27.Dh4 Df7?

Diagramm 2

Richtig war 27...Dd8. Weiß konnte zwar einen Bauern gewinnen: 28.Dxd8 Txd8 29.Txa5 Sxc4 30.bxc4, aber Schwarz hätte Gegenspiel. Zum Baispiel: 30...Lb7 31.Tb5 Lc6 32.Se6 Te8 33.Txb8 Txb8 34.Sxg7 Kxg7 35.Kg1 Lxd5 36.cxd5 Tc8 37.Te6 Txc3 38.Kf2 h5 39.Txd6 h4.

28.Txe5! Lxe5 28...dxe5 29.Se7 identisch wie in der Partie.

29.Se7 d5 29...Txb3 30.Ta1!; 29...Lf6 30.Dh6.

30.Seg6+ 30.Lxd5 gewinnt natürlich auch.

30...Kg7 31.Sxe5 De8 32.Sh5+ Kh8 33.Sf6 1–0


Weiß: Iordachescu (2592)
Schwarz: Hulak (2541)
Anmerkung: GM Balinov

Diagramm 3

29.Lxe5 Sxb3!! 30.cxb3 Lxb3 31.axb3 Dxb3+ 32.Lb2 Oder 32.Ka1 Tc2 33.Dxa6 Sxe5.

32...Tc2 33.Dd4 Lf6 34.e5 Lxe5 35.Txe5 Txb2+! Das Endspiel: 35...Txb2+ 36.Dxb2 Dxd1+ 37.Ka2 Sxe5 38.Dxe5 Dxf1 wäre natürlich hoffnungslos für Weiß. 0–1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog