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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 4710 vom 13.05.2006, Kategorie Kolumne

Russische Mannschaftsmeisterschaft

Vom 19. April bis 1. Mai fand in der Urlaubsstadt Sochi am Schwarzen Meer die russische Meisterschaft - vielleicht die stärkste Liga der Welt - statt. 12 Teams kämpften um den Titel und der Wettkampf verlief enorm spannend, wie der knappe Endstand zeigt.

1. "Ural" Sverdlovsk Region (17 Matchpunkte, 38 Brettpunkte). 2. TPS Saransk (17 und 37,5). 3. "Tomsk-400" (16 und 38,5).

 

Heute drei Partien von der russischen Teammeisterschaft, eine davon nur auf unseren Online Schachseiten, wie immer kommentiert von GM Balinov.

Weiß: Motylev (2660)
Schwarz: Iskusnyh (2510)

Diagramm 1

18...b5 19.Sd5 Dh4 Niemand geht freiwillig ins Endspiel: 19...Dh6 20.Dxh6 gxh6 21.Sb6.

20.g3 Da4? Im Nachhinein ist man immer gescheiter: 20...Dh3 (oder 20...Dh5) war richtig.

21.Sf6+! Kh8 Schwarz wird nach 21...gxf6 22.Td4 Dxa2 23.Tg4+ Kh8 24.Dh6 matt.

22.Td4 Dxa2 Mit 22...Lb7 konnte Schwarz das Matt verhindern, aber die Stellung wäre hoffnungslos: 23.Txa4 bxa4 24.Td1 gxf6 25.Dh6.

23.Th4 Da1+ 24.Kd2 Da5+ 25.Ke2 1–0

Weiß: Aronian (2756)
Schwarz: Shomoev (2492)

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 Die Nimzowitsch-Verteidigung genießt zur Zeit große Popularität.

4.e3 0–0 5.Ld3 c5 6.Sf3 d5 7.0–0 Sc6 8.a3 Lxc3 9.bxc3 Dc7 Die Hauptvariante wäre: 9...dxc4 10.Lxc4 Dc7.

10.Lb2 Sa5 Beachtung verdient 10...Td8, wie in der folgenden Begegnung: 11.De2 b6 12.cxd5 exd5 13.c4 dxc4 14.Lxc4 cxd4 15.Tac1 Lg4 16.Lb5 Td6 17.exd4 17...a6 18.Lxc6 Txc6 19.h3 Te8 20.Dd3 Lxf3 21.Dxf3 Txc1 22.Txc1 Dd7 mit Ausgleich, Babula-Jobava, Deutsche Bundesliga 2005.

11.cxd5 exd5 12.Se5 Gespielt wurde hier auch 12.Sd2, um e3-e4 vorzubereiten.

12...c4 13.Lc2 Se4 14.f3 Sd6 15.a4 Neuer Zug. Bekannt ist: 15.Db1 und weiter: 15...g6 16.a4 f6 17.Sg4 Lxg4 18.fxg4 Kg7 19.La3 Tae8 20.Db4 Td8 21.Tf4 Tf7 22.Taf1 Sb3! 23.Lxb3 cxb3 24.Dxb3 Se4 mit einem kleinen Plus für Schwarz, Lautier-Grischuk, Poikovsky Open 2004.

15...Lf5? In diesen Stellungen ist es meist erstrebenswert, die weißfeldrigen Läufer zu tauschen. Hier funktioniert diese Idee nicht. Richtig war 15...f6 16.Sg4 Te8 und auf 17.Db1 h6.

16.e4! dxe4 17.La3! f6 18.fxe4 fxe5 Nach 18...Lxe4 19.Lxe4 Sxe4 20.Lxf8 Txf8 21.Df3 hätte Weiß einfach eine Qualität mehr.

19.exf5 exd4 20.Dxd4 Tfd8? Der letzte Fehler. 20...Tf6 war notwendig, wobei Weiß nach 21.Tae1 klar dominiert hätte.

21.f6! Sc6

Diagramm 2

22.Lxh7+! Kxh7 23.Dh4+ Kg8 24.Lxd6 Dxd6 25.f7+ Kf8 26.Dh8+ Ke7 27.Tae1+ Kd7 28.f8D. Weiß bleibt mit einer Qualität mehr: 28.f8D Txf8 29.Dxg7+ Se7 30.Txf8, daher 1–0

Weiß: Bareev (2701)
Schwarz: Malakhov (2691)

1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.e3 a6 5.Ld2 Eine Spezialität des englischen Großmeisters Mark Hebden. Die Idee ist, dass - so lange der Springer auf b1 steht - der Läufer auf der e1–a5 Diagonale operieren und eventuell über b4 getauscht werden kann.

5...e6 Dem Schwarzen bleibt nichts übrig. Der Versuch, zuerst den Läufer zu entwickeln. stößt auf Probleme: 5...Lg4 6.Db3 b5 7.cxb5 cxb5 8.Se5 Lh5 9.a4.

6.Sc3 c5 Schwarz kann den Tempoverlust hinnehmen, weil der Zug 5.Lc1–d2 plötzlich nicht viel leistet. 6...Sbd7 wäre ein Übergang in die Slawische-Verteidigung.

7.cxd5 exd5 8.Le2 Sc6 9.Se5 Neuer Zug, der keine Vorteile für Weiß bringt, wie folgende Partie zeigt: 9.0–0 Le6 10.Tc1 Tc8 11.dxc5 Lxc5 12.Sa4 La7 13.Db3 De7 14.Sb6 Tb8 15.Sg5 0–0 16.Tfd1 h6 17.Sxe6 fxe6 18.Le1 Se4 Bischoff-M.Gurevich, Deutsche Bundesliga 2002.

9...cxd4 10.exd4 Ld6 11.Sxc6 bxc6 12.Lg5 Tb8 13.Dd2 h6 14.Lh4 0–0 15.Tc1 Auf einmal hat Weiß Probleme mit der Rochade: 15.0–0 Se4 16.Sxe4 (16.Lxd8 wäre wegen 16...Sxd2 17.Tfd1 Txd8 18.Txd2 Lf4 19.Tc2 Lf5 ganz schlecht) 16...Lxh2+ 17.Kxh2 Dxh4+ 18.Kg1 Dxe4 mit einem Mehrbauern für Schwarz.

15...Te8 16.Lg3 Lxg3 17.hxg3 c5! Schwarz muss schnell handeln – die schlechte Königsstellung in der Mitte ausnutzen.

18.b3 18.dxc5 war gefährlich, aber spielbar: 18...d4 19.Td1 Lg4 (oder 19...Da5 20.Dxd4 Txb2 21.0–0 Tc2 22.Td3 Lf5 23.Tf3) 20.Dxd4 Dxd4 21.Txd4 Lxe2 22.Sxe2 Txb2 23.Td2 Txd2 24.Kxd2 Se4+ 25.Ke1 Kf8! 26.c6 Sc3 27.Kd2 Sxe2 28.Kd3 Sxg3! 29.fxg3 Tc8 30.Tc1 Ke7 nebst Kd6 und der c-Bauer geht verloren.

18...Tb4 19.Th4 Die Lage nach 19.dxc5 wird sehr kritisch. Zum Beispiel: 19...Se4 20.Dd3 (20.Dxd5 Df6) 20...Sxc5 21.Dd2 Se4 22.Dd3 Sxc3 23.Txc3 Tbe4 24.Tc2 Lf5.

19...Lg4 20.dxc5 d4 21.f3 21.Kf1 ist ein witziger Zug, geht aber nicht: 21...dxc3 22.Dxd8 Lxe2+ 23.Kg1 Txd8 24.Txb4 und nun 24...Tc8 und auf 25.Txc3 Sd5.

21...Dc7 Schwarz hatte die Qual der Wahl: 21...d3! 22.fxg4 Dd4 23.Kd1 (23.Th1 Sxg4 24.Tf1 dxe2 25.Sxe2 De5) 23...Dg1+ 24.De1 Dxc5 25.g5 Txh4 26.gxh4 dxe2+

22.Kf2 dxc3 23.Txc3

Diagramm 3

Auf 23.Dxc3 folgt wie in der Partie 23...Tbe4.

23...Tbe4! 24.Lf1 Td8 25.Dc1 Ted4! 26.Txg4 26.fxg4 verliert noch schneller: 26...g5 27.Th1 Td1.

26...Sxg4+ 27.fxg4 Td2+ 28.Kg1 De5 29.Tf3 Dd4+ 30.Kh2 Dxg4 31.Tf4 Dh5+ 32.Th4 Dg6 33.Ta4 Td1 34.Dc4 Db1 0-1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog