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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 4714 vom 20.05.2006, Kategorie Kolumne

Der Wettkampf: Van Wely - Carlsen

Im Städtchen Schagen im Norden Hollands fand vom 28. April bis 1. Mai ein Miniwettkampf zwischen Loek van Wely und dem 15-jährigen Norweger Magnus Carlsen statt. Die erste Partie gewann der Gastgeber in einem für ihn typischen positionellen Stil. Der Gast revanchierte sich in der zweiten (unsere heutige Analyse) und versäumte den „Matchball“ in der dritten (finden Sie auf unseren Schachseiten im Internet). Die vierte Partie bot wenig Spannung, daher 2:2. Es folgten 4 Blitzpartien und hier kam es zu einer „Hinrichtung“: 3,5-0,5 für Carlsen!

Weiß: Carlsen (2646)
Schwarz: Van Wely (2655)

1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 a6 Der Holländer überrascht mit der Paulsen-Variante. Seine Spezialitäten sind Najdorf und zuletzt auch Sveschnikow.

5.Sc3 5.Ld3 ist die andere Hauptvariante.

5...Dc7 Eine sehr aktuelle Fortsetzung ist: 5...b5 6.Ld3 Db6.

6.Ld3 Sf6 7.0–0 Lc5 8.Sb3 8.Le3 wurde ebenfalls gespielt.

8...Le7 Das Manöver Lf8-c5-e7 mit der Idee, den aktiven Springer auf d4 zu vertreiben, ist schon Standard geworden. 9.f4 Droht e4-e5 und erzwingt die schwarze Antwort.

9...d6 10.a4 Sc6 10...b6 11.e5 Sfd7 (11...dxe5 12.fxe5 Dxe5 13.Df3) 12.exd6 Lxd6 13.Se4 Le7 14.f5 e5 15.Dg4 Sulskis - Emms, Gausdal 1995.

11.a5 b5 12.axb6 Dxb6+ 13.Kh1 0–0 14.De2 Ein paar Tage vorher geschah: 14.Df3 Sb4 15.Le3 Dc7 16.Ld4 Lb7 17.Sa5 Tab8 18.Sxb7 Dxb7 19.Dh3 h6 20.Dg3 Remis, Ponomariov – Ivanchuk.

14...a5 Verliert die Kontrolle über das Feld b5. Besser war 14...Sb4 15.Le3 Dc7 wie zuvor Ivanchuk.

15.Le3 Interessant war 15.e5 und nun 15...Sd7 16.Le3 Db8 17.exd6 Lxd6 18.Se4 Le7 19.Dh5 mit Angriff. Schwarz sollte hier vielleicht mit 19...La6 20.Sxa5 Sxa5 21.Txa5 Lxd3 22.Txa8 Dxa8 23.cxd3 Sf6 24.Df3 Tb8 vereinfachen.

15...Dc7 16.Sb5 Db8 17.c3 d5? Richtig war 17...a4 18.Sd2 Ld7 mit dynamischem Gleichgewicht.

18.e5 Se4 19.Lxe4 dxe4 20.Sc5! Einfach und stark.

20...Lxc5 21.Lxc5 La6 22.c4 Td8 23.Sd6 f5 exf6! Der junge Norweger lässt sich eine solche taktische Möglichkeit nicht entgehen! Übrigens scheint 24.g4!? auch stark zu sein.

24...Txd6 25.Dxe4! Wichtiger Zwischenzug - wahrscheinlich von Weiß übersehen.

25...Lb7 Auf 25...Lc8 folgt 26.Lxd6 Dxd6 27.Tad1 Dc7 28.f5 gxf6 29.fxe6 und Schwarz steht kurz vor dem Ende.

26.Lxd6 Dxd6 27.Tad1 Sd8

Diagramm 1

27...Dc7 geht wegen 28.Dxe6+ Df7 29.Dxf7+ Kxf7 30.Td7+ nicht.

28.f7+!! Ein tödlicher Stich!

28...Kxf7 Andere Antworten gibt es nicht: 28...Kf8 29.Dxh7 bzw. 28...Sxf7 29.Dxb7.

29.Dxh7 Dc6 30.Tf2 Es droht simpel f4-f5.

30...De4 31.f5 e5 32.Tfd2 32.Td7+ bringt wegen 32...Ke8 nichts, da die erste Reihe ist ungedeckt.

32...Lc6 33.Dg6+ Ke7 34.Td7+! Auf 34...Ld7 folgt 35.f6+ mit Damengewinn. 1–0


Hinweis: Heute Samstag ist die Eröffnungszeremonie der 37. Schacholympiade in Turin. Morgen um 15 Uhr startet die erste Runde. Etwa 130 Föderationen und über 1.100 Spieler nehmen daran teil. Als Mitglied der olympischen Paarungskommission bin ich direkt am Geschehen und werde Sie auf unseren Internet-Schachseiten topaktuell über die Ereignisse informieren!


Weiß: Van Wely (2655)
Schwarz: Carlsen (2646)

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 b6 4.g3 La6 5.b3 Lb4+ 6.Ld2 Le7 7.Sc3 c6 In der ersten Partie des Wettkampfs erlangte van Wely nach 7...0–0 8.Tc1 c6 9.e4 d5 10.e5 Se4 11.Ld3 Sxd2 12.Dxd2 Sd7 13.0–0 Lb4 14.cxd5 Lxc3 15.Txc3 Lxd3 16.Dxd3 cxd5 17.Tfc1 f6 18.De2 fxe5 19.dxe5 Sc5 20.Sd4 De8 21.f3 a5 22.a3 Dg6 23.b4 axb4 24.axb4 Sd7 25.Tc6 Vorteil.

8.e4 d5 9.Dc2 dxe4 10.Sxe4 c5 Das ist die richtige Reihenfolge. Schwarz kam nach 10...Lb7 11.Seg5 c5 12.d5 exd5 13.cxd5 h6 14.Sxf7 Kxf7 15.0–0–0 unter die Räder, Topalov - Anand, Sofia 2005.

11.Lc3 Neuer Zug. Hier eine aktuelle Partie mit 11.dxc5: 11...Lb7 12.Ld3 bxc5 13.Lc3 Db6 14.0–0–0 Sc6 15.The1 Gelfand - Grischuk, FIDE Weltcup 2005.

11...Lb7 12.Ld3 cxd4 13.Sxd4 Sa6 14.Sxf6+ Lxf6 15.Le4 Lxe4 16.Dxe4 0–0 17.Td1 Sc5 18.Df3 Dc7 Schwarz hat gleiche Chancen.

19.0–0 Db7 Beachtung verdiente 19...a6.

20.Dxb7 Sxb7 21.Lb4 Tfc8 22.Td2 22.Sb5 war genauer.

22...a5! 23.La3 a4 24.Sb5 axb3 25.axb3 Sc5 26.Tb1 Se4 27.Td7 h5 28.Lc1? Gleichgewicht hielte 28.Sd6 Sxd6 29.Lxd6 Ld4 30.Td1 e5 31.Td2.

28...Td8 29.Txd8+ Txd8 30.Le3 Sd2! 31.Lxd2 Txd2 Schwarz dominiert.

32.h4 Kh7 33.Kf1 Kg6 34.Kg2 Le7 35.Sc3 Kf5 36.Sa4 Lf6 37.Sxb6 Ld4 38.Sc8 Kg4! 38...Txf2+ 39.Kh3 e5 40.Sd6+ Ke6 41.Sb5 wäre unklar.

39.Tf1 Lc5 40.b4 Einziger Zug.

40...Lxb4 41.Sb6 Lc5 41...Ld6 sollte auch gewinnen: 42.c5 sonst kommt Ld6-g3. 42...Lxc5 (aber nicht 42...Lxg3? 43.Sc4 Ta2 44.Se3+ Kf4 45.c6 Lxh4 46.c7 Ta8 47.Tc1 Tc8 48.Tc4+ Kg5 49.Tc6 Kf4 50.Sc4 und Weiß gewinnt.) 43.Sc4 Te2 und der e-Bauer marschiert.

42.Sa4 Ld4 43.c5 Tc2 Einfach war 43...Ta2 44.Sb6 Lxc5 45.Sd7 Ld4.

44.c6 e5 45.c7 e4 46.Td1 Txf2+ 47.Kh1 Kh3 Spektakulär, aber ungenau! Besser war 47...Tc2 48.Txd4 Kxg3 49.Td1 Txc7 50.Tg1+ Kxh4 51.Txg7 e3 52.Tg1 Kh3 53.Sb6 Tc2 54.Te1 Th2+ 55.Kg1 e2 56.Sc4 Tg2+ 57.Kh1 f5 und Schwarz sollte gewinnen.

48.c8D+ f5

Diagramm 2

49.Kg1! Einziger Zug!

49...Tc2+ 50.Txd4 Txc8 51.Td7 Kxg3 51...e3 sollte zum Erfolg führen: 52.Kf1 Kxg3 53.Ke2 f4 54.Txg7+ Kxh4 55.Tg1 Tc4 56.Sb2 Tc2+ 57.Kf3 Tf2+ 58.Ke4 e2 (58...Txb2 59.Kxf4 Kh3 60.Tg3+ Kh2 61.Txe3 Remis) 59.Th1+ Kg3 60.Sd3 Tf1 61.Txh5 e1D+ 62.Sxe1 Txe1+; Zu überlegen war, die Züge 51...g6 52.Td6 einzuschalten.

52.Txg7+ Kf3 Carlsen bleibt sich treu und setzt auf Initiative. Ein Pragmatiker hätte 52...Kxh4 gespielt.

53.Sb6 Tc1+ 54.Kh2 e3 55.Sd5 f4 Die beste praktische Chance bot 55...Tc2+ an. Zum Beispiel: 56.Kh3 e2 57.Tg3+ (57.Tg1 f4) 57...Ke4 58.Sf6+ Ke5 59.Sd7+ Kd6 60.Td3+ Kc7 61.Te3 Kxd7 62.Te5 Kd6 63.Te8 Tc3+ (63...f4? 64.Txe2!! Txe2 patt !!) 64.Kh2 (64.Kg2 f4) 64...Tc4 65.Txe2 Txh4+ 66.Kg3 Te4 67.Ta2 Ke5 und die Stellung ist theoretisch Remis, aber praktisch (mit wenig Zeit) schwer zu halten.

56.Tf7 Tc2+ 57.Kh3 Tc4 58.Sxe3! Kxe3 59.Ta7 Und dieses Endspiel ist remis. 59...Tc3 60.Ta2 Ke4+ 61.Kh2 Kf3 62.Kh3 Te3 63.Tb2 Te1 64.Tb3+ Kf2 65.Tb2+ Kf1 66.Tb5 Te3+ 67.Kh2 Te2+ 68.Kh3 Te3+ 69.Kh2 f3 70.Txh5 f2 71.Tf5 Ke1 72.Kg2 Te2 73.Kg3 f1D 74.Txf1+ Kxf1 75.Kg4 Kf2 76.h5 Ke3 77.Kf5 Tf2+ 78.Kg6 Tg2+ 79.Kf6 Th2 80.Kg6 Ke4 81.h6 Ke5 82.h7 Ke6 83.Kg7 Ke7 84.h8D Tg2+ 85.Kh6 Th2+ 86.Kg7 Txh8 87.Kxh8 ½–½

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog