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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 4732 vom 17.06.2006, Kategorie Kolumne

Die Schacholympiade in Turin

Bekanntlich ist Turin die Hauptstadt der italienischen Autoindustrie, in diesem Winter war sie die Hauptstadt der Winterspiele und nun im Frühling, für zwei Wochen die Schachhauptstadt! Insgesamt 148 Teams bei den „Herren“ und 103 bei den Damen nahmen bei der 37 Schacholympiade teil. Parallel dazu lief die Computer-Weltmeisterschaft und zuletzt, aber von großer Wichtigkeit für die Schachbewegung, ging es um die Wahl des neuen FIDE (Weltschachbund) Präsidenten. Seit langem war der Wahlkampf nicht so spannend wie diesmal: Der Holländer Bessel Kok war ein ernstzunehmender Herausforderer für Ilymshinov, der dieses Amt bereits seit 1995 (!) bekleidet und auch diesmal letztlich für weitere vier Jahre wiedergewählt worden ist. Es gibt viele Stimmen die meinen, dass es nicht bei diesen 4 Jahren bleiben wird. Ob das für die Schachwelt gut ist, wird sich erst zeigen.

Aber jetzt das Schachliche: Bei den Herren eroberte eine neue Macht den Schacholymp: Armenien! Geführt von den beiden 2700–Elo-Riesen Aronian (er sagte das Turnier in Sofia wegen der Olympiade ab) und Akopian marschierte die Truppe aus dem Kaukasus durch und gewann mehr als verdient Gold! Aber die echte Überraschung lieferten die Chinesen, sie wurden mit einem sehr starken Bu auf Brett 1 Zweite. Den Dritten Rang belegten (als Nummer 12 gesetzt) die Amerikaner. Gata Kamsky war wieder in Hochform! Viele werden sich fragen: Wo sind die Russen? Waren sie überhaupt dabei? Ja, sie waren da und zwar die Besten: Kramnik, Svidler, Grischuk, Morozevich, Bareev, Rublevsky! Aber ihre Kräfte reichten nur für den sechsten Platz, wobei Kramnik ein mehr als gelungenes Comeback feierte.

Bei den Damen gab es ebenfalls viel Spannung. Zuerst sah es so aus, als ob die russische Mannschaft locker gewinnen würde. Aber dann stolperte sie gegen die Ukraine und die Teams tauschten die Plätze, die bis zum Finish unverändert blieben. Bronze ging an die starken Chinesinnen.

Von den österreichischen Teams gibt es wenig zu berichten. Die Herrenmannschaft war leider weit entfernt von ihrer stärksten Besetzung und landete am 77. Platz. Es spielten IM Neubauer, IM Pilaj, IM Danner, IM Alvir, FM Genser, R. Kreisl. Im europäischen Vergleich waren sie praktisch das Schlusslicht. Dahinter platzierten sich nur mehr Monaco, Andorra, Malta und Liechtenstein.

Von den Damen (ohne Eva Moser) durfte man sich auch keine großen Erwartungen machen. Sie (WIM Mira, WFM A.Kopinits, S.Sommer, WFM Horvath) wurden 58. Dabei sollen zwei Teilerfolge erwähnt werden: Der Sieg gegen Bosnien und Herzegowina mit 3-0 und das Remis 1,5-1,5 gegen England.

Weiß: Sokolov (2676)
Schwarz: Aronian (2756)
Anmerkung: GM Balinov

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.Dc2 d5 5.cxd5 exd5 5...Dxd5 nebst Dd5-f5 steuert in Richtung Endspiel, in dem Weiß minimal besser steht.

6.Lg5 c5 7.dxc5 h6 8.Lh4 g5 9.Lg3 Se4 10.Lxb8 Selten gespielt. Die kritische Stellung entsteht nach 10.e3 Da5 11.Sge2 Lf5 12.Le5 0–0 13.Sd4 und nun 13...Te8N vor kurzem gespielt. 14.Lxb8 Sxc3 15.Sxf5 Se4+ 16.Ke2 Da6+ 17.Kd1 Df6 18.f3 (Interessant war 18.g4!? Taxb8 19.h4) 18...Dxf5 19.fxe4 dxe4 20.Ld6 Ted8 21.Ke2 Tac8 22.Da4 Txc5 23.Dxb4 Txd6 24.Ke1 a5 25.Dxb7 Tf6 26.Db8+ Kg7 27.Dg3 Tc2 28.Le2 a4 und Schwarz gewann bald, Ibrahimov - Mamedyarov, Baku 2006.

10...Df6!N Neuer Zug. Gespielt wurde: 10...Lxc3+ 11.bxc3 Txb8 12.e3 Da5 13.Ld3 Dxc3+ 14.Dxc3 Sxc3 15.Kd2 Se4+ 16.Lxe4 dxe4 17.Se2 Le6 18.Sd4 Kd7 19.Thb1 Thc8 mit Ausgleich, Kobalia-Balogh, EU-ch Warschau 2005.

11.Lg3 Interessant ist 11.0–0–0?!, aber auch hier lauert Gefahr: 11...Lxc3 12.Lg3 Lf5 13.Da4+ Ld7 14.Db3 und nun 14...Tc8! 15.bxc3 Txc5.

11...Sxc3 12.a3 Lf5 13.Dd2 La5 14.b4?? Grober Fehler!

Diagramm

Mit 14.e3! cool bleiben war die richtige Haltung! 14...0–0 (Vielleicht bot 14...0–0–0!? mehr Chancen und wenn 15.b4? dann 15...d4! 16.Db2 dxe3 17.fxe3 The8 18.Se2 Txe3 19.Tc1 Tde8 20.Txc3 Dxc3+ 21.Dxc3 Txc3 22.bxa5 Txa3 mit überlegener Stellung für Schwarz.) 15.b4 Se4 16.Dd4 Dxd4 17.exd4 Tfe8 18.Se2 Ld8 19.f3 Sxg3 20.hxg3 und Weiß bleibt gesund!

14...Se4 15.Dc1 Tc8! 16.Ta2 Txc5 17.Da1 Dc6 18.De5+ Kd8 19.Dxh8+ Kd7 Weiß wird forciert matt! 0–1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog