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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 479 vom 14.11.1997, Kategorie Kolumne

Staatsliga-Festival in Eichgraben: (14. November 1997)

SCM-Winterthur schließt zu Merkur Graz auf

Vom 7. bis 9. November fand in Eichgraben erstmals eine gemeinsame Austragung der Staatsliga A und der Staatsliga B/Ost statt. Aus Platzgründen müssen wir uns hier vorerst mit einem Bericht über die Tripelrunde der Staatsliga A begnügen.

Leider kam FIDE-Weltmeister Anatoli Karpow, dessen Anwesendheit zahlreiche Zuseher nach Eichgraben gelockt hatte, in Ermangelung eines gleichwertigen Gegners (weder Super-GM Gelfand noch GM Hickl standen Hohenems dieses Wochenende zur Verfügung) nicht zum Einsatz.

Dank einer schöpferischen Pause von Merkur Graz gegen Fürstenfeld (6mal Remis!) und einer unerwarteten Niederlage gegen Wiener Neustadt gelang es Margareten, das diese Saison offenbar ohne Sponsor auskommen muß, bis auf einen halben Punkt an den Titelverteidiger heran.

Die Einzelergebnisse der 3. bis 5.Runde finden sie hier.

Stand nach der 5. Runde

Rg. Mannschaft Sp. S. R. N. Pkt. MPkt.
1 Merkur Graz 5 3 1 1 19 7
2 SCM Winterthur 5 4 1 0 18½ 9
3 Fürstenfeld 5 3 0 2 17 6
4 Absam 5 3 1 1 16½ 7
5 Wr. Neustadt 5 2 2 1 16 6
6 Klagenfurt 5 2 1 2 14½ 5
7 Gleisdorf 5 1 2 2 14½ 4
8 Ottakring 5 0 3 2 14 3
9 Hietzing 5 1 2 2 13½ 4
10 Austria Graz 5 1 1 3 13 3
11 Hohenems 5 2 0 3 12½ 4
12 Traun 5 0 2 3 11 2


Eigentor für SCM-Winterthur

Da weder GM Boris Gelfand, noch der deutsche GM Hickl als adequate Gegner für FIDE-Weltmeister Anatoli Karpow zur Verfügung standen, dachten sich die Margaretner offenbar, wozu mit Kanonen auf Tauben schießen und boten gegen den russichen IM Atlas statt Weltmeister Anatoli Karpow GM Popovic auf und vergaben damit die Chance, am Grazer Titelverteidiger vorbeizuziehen und sich damit zum Winterkönig zu krönen.

Nachstehend das Corpus delicti, für die der Sieger dieser Partie, IM Waleri Atlas den Kommentar beisteuerte (Weitere Partien sind in Vorbereitung).

Weiß: IM W. Atlas

Schwarz: GM P. Popovic

Sizilianisch [B70]

1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 Sc6 6.g3 g6 7.Sde2 Lg7 8.Lg2 0-0 9.0-0 Tb8 10.a4 a6 11.Sd5 Sd7. Gegenspiel verspricht 11. ... b5 12.axb5 axb5 13.Lg5 Sd7 14.Dc1 Te8 15.Td1 Sc5 16.Lh6 Lh8 17.b4 Lxa1 18.Dxa1 Se6 19.Sdf4 Se5, A. Iwanow-Ernst,Gausdal 1991.

12.c3.

12. ... Te8?!. Ein neuer Zug, der sich jedoch nicht bewährt. Vorzuziehen war, 12...b5, wie in der Partie Atlas-David, Jerewan (ol) 1996. Es geschah dort weiter 13.axb5 axb5 14.Sd4 Sxd4 15.cxd4 Lb7 16.Sb4 Ta8 17.Le3 Txa1 18.Dxa1 Db6 19.Dd1 Da5 20.Sd3 Tc8, mit völlig gleichem Spiel.

13.Sd4 e6 14.Se3. Günstig für Schwarz ist hingegen 14.Sxc6?! bxc6 15.Sb4 Dc7. 14...Dc7. Möglich war auch 14...Sxd4 15.cxd4 mit der Folge

A) 15...e5 16.dxe5 (Nicht aber 16.d5?! wegen 16...a5! und der Springerstützpunkt auf "c5" verspricht Schwarz ausreichendes Gegenspiel.) 16...Sxe5 (Günstig für Weiß ist 16...dxe5 17.b3) 17.Ld2! (mit der Idee Lc3) 17...Sd3 18.Lc3 mit etwas freierem Spiel für Weiß.

B) Nicht zu empfehlen ist hingegen 15...b5 16.axb5 axb5 17.b3, mit der Idee Lb2 nebst Dd2 und Tfc1, und das weiße Spiel ist klar vorzuziehen..

15.b3! Sf6. Die Fortsetzung 15...Sxd4 16.cxd4 Dc3 braucht Weiß nicht zu fürchten, z.B. 17.Ta2 Dxd4 18.Td2 Dc5 19.Sc4 und Weiß steht überlegen, und auch 15...Sde5 16.Lb2 bietet dem Weißen Aussichten auf einen zwar kleinen Vorteil, aber dauerhaften Vorteil.

16.Lb2. 16.La3?! gäbe Schwarz nach 16. ... d5! 17.exd5 exd5 18.Sxd5 Sxd5 19.Lxd5 Lh3 ausreichende Kompensation.

16. ... d5?!. Schwarz investiert einen Bauern für einige Initiative. Weiß bewahrt jedoch kühlen Kopf und wehrt den Angriff des Nachziehenden ohne Mühe ab. Vorsichtiger war 16. ... Ld7, aber nach 17.c4! ist die schwarze Stellung ebenfalls alles andere als erfreulich.

17.exd5 exd5 18.Sxd5 Sxd5 19.Lxd5 Lh3 20.Te1. Nicht aber 20.Lg2?! Lxg2 21.Kxg2 Sxd4 22.cxd4 Tbd8, und Schwarz hat keine Mühe, die Balance zu halten.

20. ... Txe1+ 21.Dxe1 Sxd4 22.cxd4 Td8 23.Tc1!. Unergiebig war hingegen 23.De4?! Lf5 24.Df3 Dc2.

23. ... Db6 24.a5!. Fatal war hingegen 24.De7?? wegen 24...Txd5 25.De8+ Lf8 26.La3 Td8, und Weiß hat sich selbst ausgetrickst.

24. ... Db5 25.Lc4 Dd7. Vorteilhaft für Weiß war auch 25. ... Df5 26.De7.

26.Td1 Lf6. Etwas längeren, wenn auch vergeblichen Widerstand leistete 26...Te8 27.Dd2 z.B.:

A) 27...Df5 28.Df4 (28.Dd3? Dxa5) 28...Dxf4 29.gxf4 Te4 30.Ld5 Txf4 31.Lxb7, oder

B) 27...Dg4 28.Dd3, jeweils mit klarem Vorteil für Weiß.

27.De3 Te8 28.Df3! Kg7. 28. ... Lg4 scheiterte natürlich an 29.Dxf6 Lxd1 30.d5 Te1+ 31.Kg2 Kf8 32.Dh8+ Ke7 33.La3+, während 28. ... De7 wegen 29.g4 fehlschlug.

29.Dd5!. Nun pariert Schwarz 29.Le2?!, mit der Idee g3-g4, mittels 29. ... h5!. 29...De7 30.Lc3. Jetzt droht entscheidend 31. Lb4! Dc7 32.Ld6. Auch nach 30. .. Le6 32.Df3 ist die Stellung für Schwarz hoffnungslos. Schwarz gab daher auf.

ÖM Lothar Karrer