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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 4854 vom 29.12.2006, Kategorie Kolumne

Partienachlese Kramnik gegen Deep Fritz

Heute als Nachtrag die zweite Partie vom Mensch gegen Computer Duell in Bonn, das Deep Fritz mit 4:2 für sich entscheiden konnte.

Deep Fritz - Kramnik (2750)

1.d4 d5 2.c4 dxc4 3.e4 Eine der schärfsten Fortsetzungen.

3...b5 Die Hauptvarianten sind hier: 3...e5 4.Sf3 exd4 5.Lxc4 Lb4+ 6.Ld2 Lxd2+ 7.Sbxd2. Ein Beispiel: 7...Df6 8.0-0 Se7 9.e5 Dg6 10.Sxd4 Sbc6 11.Sxc6 Sxc6 12.f4 0-0 13.Sf3 Lg4 14.Ld3 Dh6 15.Da4 Tad8 16.Le4 Lxf3 17.Txf3 Td4 18.Dc2 Sb4 19.De2 Db6 mit Ausgleich, Aronian-Kramnik, Dortmund 2006. Bzw. 3...Sf6 4.e5 Sd5 5.Lxc4. Auch hier eine aktuelle Partie: 5...Sb6 6.Ld3 Sc6 7.Se2 Le6 8.Sbc3 Dd7 9.Se4 Ld5 10.a3 0-0-0 11.Le3 De8 12.Dc2 f5 13.S4c3 Lxg2 14.Tg1 Lf3 15.Lxf5+ e6 16.Lh3 Kb8 mit beiderseitigen Chancen, Kamsky-Anand, Wijk aan Zee 2006.

4.a4 c6 5.Sc3 Fritz geht in eine bekannte Stellung der slawischen Verteidigung über: 1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sc3 dxc4 4.e4 b5 5.a4. Die wilden Komplikationen nach 5.b3 e5! sind kaum erforscht.

5...b4 6.Sa2 Sf6 7.e5 7.f3 b3 (Interessant ist auch 7...e5 8.Lxc4 Dxd4) 8.Sc3 La6 9.Le3 e6 10.Dc1 Lb4 11.Kf2 0-0 12.Sb1 c5 mit ausgezeichnetem Spiel für Schwarz, Chernin-C.Horvath, Österreichische Staatsmeisterschaften 1998.

7...Sd5 8.Lxc4 e6 9.Sf3 a5 10.Lg5 Db6 11.Sc1 La6 11...h6 führt zur Zugumstellung.

12.De2 h6 13.Le3 Die Alternative ist 13.Ld2 wie in der folgenden Begegnung: 13...Lxc4 14.Dxc4 Sd7 15.Sb3 c5 16.0-0 Le7 17.Tfc1 cxd4 18.Db5 Dxb5 19.axb5 a4 20.Sbxd4 0-0 21.Sc6 Lc5 mit dynamischem Gleichgewicht, Van Wely-Lautier, Weltcup 2005.

13...Lxc4 14.Dxc4 Sd7 15.Sb3 Le7 16.Tc1?! Fragwürdige Entscheidung. Der a4 Bauer sollte gedeckt bleiben.

16...0-0 17.0-0 Tfc8 18.De2 Prinzipiell wäre es gut den Springer von f3 Richtung c5 zu bringen: 18.Se1 c5 19.dxc5 Sxe3 (19...Dc7!?) 20.cxb6 Txc4 (20...Sxc4 21.b7) 21.b7 Tb8 22.Sf3 Ld8 23.fxe3 Txc1 24.Txc1 Txb7 25.Tc8 Tb8 26.Tc6 Kf8 mit Ausgleich. 18.Sfd2 c5 19.Se4 (Auf 19.dxc5 folgt 19...Dc7 und e5 fällt.) 19...Sxe3 20.fxe3 cxd4 21.Dxd4 (Nach 21.Dxc8+ Txc8 22.Txc8+ Kh7 hätte Weiß Koordinationsprobleme. Beispiel: 23.exd4 Db7 24.Te8 Dxe4 25.Txe7 Sb6) 21...Td8 und Schwarz kann zufrieden sein.

18...c5 Die Auflösung des rückständigen Bauern bringt Schwarz Erleichterung.

19.Sfd2 Dc6 Varianten wie 19...Da6 20.Dg4 c4 21.Lxh6 Lf8 22.Sc5 Sxc5 23.dxc5 Txc5 24.Se4 sollte man gegen Computer vermeiden.

20.Dh5 Kramnik fürchtete sich nicht vor 20.Dg4: 20...Sxe3 21.fxe3 Dxa4 22.Df4 Tf8 23.dxc5 Dc6.

20...Dxa4 21.Sxc5 Sxc5 22.dxc5 Sxe3 22...Dc6 sieht auch nicht schlecht aus.

23.fxe3 Lxc5 24.Dxf7+ Kh8 25.Df3 Tf8 26.De4 Dd7 27.Sb3 Lb6 28.Tfd1 Df7 29.Tf1 Da7 Kramnik geht auf e3 los. Eine andere Idee wäre den a-Bauern zu forcieren: 29...De7 30.Sd4 a4 31.Dc6 Lxd4 32.exd4 a3 33.bxa3 bxa3 34.Txf8+ Txf8 und hier kämpft Weiß ums Remis.

30.Txf8+ Txf8 31.Sd4 a4 Auf 31...Df7 hätte Fritz mehr Probleme zu lösen.

32.Sxe6 Lxe3+ 33.Kh1 Lxc1 34.Sxf8

Diagramm

34...De3?? Klassischer Blackout, gegen den auch Großmeister nicht gefeit sind. 34...Kg8 35.Sg6 Lxb2 36.Dd5+ Kh7 37.Sf8+ Kh8 38.Sg6+ wäre das logische Ende - Dauerschach.

35.Dh7 Matt. Ja, das sind die Mysterien des Schachspiels! 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog