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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 4855 vom 05.01.2007, Kategorie Kolumne

Das russische "Superfinale"

Das Prädikat "Super" wurde dem Finale der 59. russischen Meisterschaft vom 3. bis 15. Dezember in Moskau nicht ganz gerecht. Da fehlten Namen wie Morozewitsch, Grischuk, Bareev, Dreev, und natürlich Kramnik. Dafür aber machte sich die nächste russische Schachgeneration bemerkbar. Die "Senioren" im Feld, Svidler (30 Jahre) und Rublevsky (Titelverteidiger mit 32 Jahren), haben sich gegen ein Feld von jungen Spielern zwischen 16 und 23 Jahren schwer getan und wurden nur Vierter und Fünfter. Der erfahrene Großmeister Najer (29 Jahre) wurde sogar Letzter. Die Meisterschaft gewann völlig überraschend der 21jährige Evgeny Alekseev. Er punktete in den letzten drei Runden zweimal mit Schwarz, holte damit den führenden Jakovenko ein und besiegte ihn im Play-off mit 1,5-0,5!

Alekseev (2639) - Najer (2648)

1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.g3 Eine ziemlich ruhige Alternative, um der Najdorf-Variante zu entgehen.

6...e6 7.Lg2 Ld7 Schwarz will zuerst den Damenflügel entwickeln: Der Textzug bereitet Sb8-c6 vor.

8.g4 Interessanter Übergang in die Keres-Attacke mit einem Tempo weniger.

8...h6 9.h4 g6 10.g5 hxg5 11.Lxg5 Nach 11.hxg5 Txh1+ 12.Lxh1 Sh5 13.Le3 Sc6 14.Dd2 14...Se5 herrscht dynamisches Gleichgewicht.

11...Le7 12.Dd2 Sc6 13.0-0-0 Db6 Beachtung verdient 13...Se5!?

14.Sxc6 Lxc6 15.The1 Eine interessante Idee war 15.h5!? gxh5 16.Df4. Wenn gleich 15.Df4 erfolgt, ist 15...Sh5! stark.

15...Sg8 Ein Versuch. sich unorthodox zu befreien. Schwarz kommt wegen 16.Df4 nicht zur langen Rochade.

16.Lxe7 Sxe7 17.Df4 17.Dxd6 Dxf2.

17...Td8 18.Df6 Am stärksten war 18.Txd6 Txd6 19.Dxd6 Dd8 20.Dg3.

18...Th5 19.Td2 Kf8? Ungenauigkeit. Richtig war 19...Da5 mit der Idee De5.

20.Lf3 Sg8 21.Df4 Th6 Oder 21...Th7 22.h5 gxh5 23.Txd6.

22.h5! Signal für den Sturm!

22...Dc5 22...gxh5 23.Tg1 Th7 24.Txd6.

23.Tg1 Ke7? 24.Tg5 e5 25.Dg3 Sf6 26.hxg6 Txg6 27.Txg6 fxg6 28.Dxg6 Weiß hat einen Bauern mehr und steht klar besser.

28...Tg8 29.Dh6 Tg1+ Solche Züge werden fast automatisch gespielt. Zum Überlegen war aber 29...b5 30.a3 a5.

30.Ld1 Tg2 31.Dh4 b5 32.Lf3 Damit beginnt eine forcierte Aktion, die genau berechnet werden muss.

32...Tg1+ 33.Td1 Txd1+ 34.Sxd1 Dc4 35.Se3 Dxa2 36.Sf5+ Ke6

Diagramm

37.Dh3? Ich verfolgte die Partie live und hier war der Höhepunkt: Sehr komplizierte Position und beide Gegner in Zeitnot. Alekseev hatte um die 2 Minuten und Najer weniger als eine Minute (Jeder Spieler erhält zusätzlich 30 Sekunden nach jedem Zug). Da häufen sich natürlich die Fehler. Zum großen Vorteil führte 37.Lg4 Lxe4 38.Sxd6+ Kxd6 39.Dxf6+ Kc5 40.Dxe5+.

37...Da1+ 38.Kd2 Sxe4+?? Die Rettung war 38...Lxe4! und Weiß müsste sich mit Punkteteilung zufrieden geben: 39.Sd4+ (39.Sg3+ Kd5 40.Sxe4 Sxe4+ 41.Lxe4+ Kxe4 42.Dg4+ Kd5 43.Dg8+ mit Dauerschach.) 39...Kd5 40.De6+ Kxd4 41.Dxf6 Lxf3 42.Dxd6+ Ld5 43.c3+ Ke4 44.Dg6+ Kf4 45.Df6+ Kg4 46.Dg6+ Dauerschach.

39.Lxe4 Lxe4 40.Se3+! Kf7 41.Dd7+ Kf8 42.Dxd6+ Kf7 43.Sg4! Dg1 44.Df6+ Kg8 45.Dg5+ Kf8 46.Dh6+ Kf7 47.Sxe5+ Kg8 48.De6+ Kg7 49.Df7+ Kh8 50.Df4 Dg2 51.b4 Fixiert den Damenflügel auf Weiß.

51...Ld5 52.Ke3 Kg7 53.Dg4+ Übergang ins technisch gewonnene Endspiel, das Weiß nach weiteren 22 Zügen gewann. 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog