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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 4878 vom 09.02.2007, Kategorie Kolumne

Trippelsieg in Wijk aan Zee

Nach 10 von 13 Runden sah es beim Corus Großmeisterturnier in Wijk aan Zee (Holland) nach einem Alleingang von Ex-Weltmeister Veselin Topalov aus. Der nächste Verfolger Radjabov lag einen ganzen Punkt dahinter. In der elften Runde machte der Bulgare in seiner Lieblingsvariante Najdorf mit Schwarz in überlegener Stellung gegen Svidler einige Fehler und verlor sogar noch. Plötzlich wurde es wieder spannend: Topalov lag immer noch in Führung, aber nur mehr mit einem halben Punkt vor Radjabov und Svidler. In der zwölften Runde trafen die Protagonisten von Elista ("Toilettenkrieg"), Topalov und Kramnik, aufeinander. Beide verzichteten aufs Händeschütteln und gingen direkt zur Sache! Das Szenario von Elista wiederholte sich: Topalov griff mit Weiß an und Kramnik verteidigte sich, bis alle Ressourcen ausgeschöpft waren. Bei König und Springer gegen König wurde Remis gegeben. Die Entscheidung in der Schlussrunde fiel schnell. Radjabov und Topalov trafen aufeinander und das Unentschieden wurde schnell fixiert. Tiviakov, der Gegner von Aronians, wählte eine fragwürdige Variante, veropferte sich und stand bald hoffnungslos. Das bedeutete Gleichstand von Aronian, Topalov und Radjabov mit jeweils 8,5 Punkten. Laut Turnierreglement wurden alle drei zum Sieger ernannt.

Topalov (2783) - Shirov (2715)

1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 Die Grünfeld-Verteidigung.

4.cxd5 Sxd5 5.e4 Sxc3 6.bxc3 Lg7 7.Lc4 c5 8.Se2 Sc6 9.Le3 0-0 10.0-0 Lg4 Die konsequenteste Antwort. Schwarz erhöht den Druck aufs Zentrum.

11.f3 Sa5 12.Ld3 Die Fortsetzung 12.Lxf7+ Txf7 13.fxg4 Txf1+ 14.Kxf1 war nach dem Match um den Weltmeistertitel zwischen Kasparov und Karpov 1987 sehr populär.

12...cxd4 13.cxd4 Le6 14.d5 Das ist eine sehr alte Idee, verbunden mit einem Qualitätsopfer, die wieder modern ist. 14...Lxa1 15.Dxa1 f6 16.Dd4 Früher galt 16.Tb1 als Hauptzug. Er verhindert Db6+.

16...Lf7 16...Ld7 ist ebenfalls spielbar.

17.Lh6 Te8 18.Lb5 e5 19.Df2 Te7 20.f4 Logischer Zug. Weiß sucht Zugang zu den schwachen schwarzen Feldern rund um den König.

20...exf4 21.Dxf4 Db6+ 22.Kh1 Lxd5 Natürlich nicht 22...Dxb5?? 23.Dxf6 Matt.

23.exd5 Dxb5 24.Dxf6 De8 25.Dd4 .Td8 26.h3 Ein Luftloch ist hier lebenswichtig. Schwarz braucht sich vor 26.Tf8+ Dxf8 27.Lxf8 Txf8 nicht zu fürchten.

26...Tf7 27.Txf7 Dxf7 28.Dc3 b6 29.Sg3! Über e4 Richtung f6.Um d5 kümmert sich Topalov nicht, da der Bauer indirekt gedeckt ist.

29...Sb7? Logischerweise wollte Shirov den Springer ins Spiel bringen. Viel wichtiger wäre es, den weißen Springer von e4 und f6 fernzuhalten.

30.Se4 De7 31.Sf6+ Kf7 32.Sxh7 Kg8 33.Sf6+ Kf7 34.Sg4 Kg8 Das Endspiel nach 34...Txd5 35.Dg7+ Ke6 36.Dxg6+ Kd7 37.Sf6+ Kc6 38.Sxd5+ Kxd5 sollte für Weiß leicht gewonnen sein.

35.Dd2 Sehr stark scheint mir 35.Lc1! zu sein, mit der Idee, den Läufer auf die große Diagonale zu bringen.

35...Te8 36.Df4 Dd6 37.Df2 Topalov konnte mit 37.Sf6+ Kf7 38.Sxe8+ Dxf4 39.Lxf4 Kxe8 mit einem Mehrbauern in ein Endspiel abwickeln, er zog es aber vor, weiter auf Druck zu spielen.

37...Dc5 38.Dg3 Besser war 38.Df1 nebst Se4-f6.

38...Dd4? Die Dame ist zu weit vom eigenem König entfernt. Zu versuchen war 38...De7 und auf 39.Df3 geht der Kampf mit 39...Tc8 40.Sf6+ Kh8 weiter.

39.Kh2! Wichtige Prophylaxe, um den König vor möglichen Schachs auf der Grundreihe in Sicherheit zu bringen.

39...Sd8 40.Dd6

Diagramm

Die schwarze Stellung bricht zusammen.

40...Se6 41.Le3 Die schwarze Dame ist überlastet. Shirov verliert Material. 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog