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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 4924 vom 11.05.2007, Kategorie Kolumne

Partienachlese von der EM (Teil 2)

Diese Woche bringen wir die Partie, die den Schönheitspreis der fünften Runde bei der Europameisterschaft gewann. Der in Wien studierende georgische Großmeister Davit Shengelia, der seit zwei Jahren die heimische Schachszene dominiert, ist der Hauptprotagonist. Davit startete sehr stark mit 5 Punkten aus 7 Partien (Sieg gegen Bologan, Remis gegen Khalifman). Noch ein Sieg hätte für ihn wahrscheinlich die Qualifikation für den Weltcup bedeutet. Er stand in der achten Runde knapp davor (siehe unten), aber im entscheidenden Moment versagten seine Nerven, er verlor die Partie und damit auch die Chance auf einen Spitzenplatz.

Shengelia (2523) - Kritz (2593)

1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.e3 Hier die angesprochene Partie der 8 Runde: 4.Sc3 a6 5.c5 Sbd7 6.Lf4 Sh5 7.Ld2 Shf6 8.h3 e5 9.Sxe5 Sxe5 10.dxe5 Sd7 11.e4 Lxc5 12.Dg4 g6 13.exd5 Sxe5 14.Dg3 0-0 15.0-0-0 f6 16.Lh6 Db6 17.Sa4 Da7 18.Lxf8 Lxf2 19.Lc5 Lxg3 20.Lxa7 Txa7 21.dxc6 (21.Sb6 Lf5 22.b3 cxd5 unklar) 21...Lf4+ 22.Kc2 Lf5+ 23.Kc3 b5! 24.Sc5 Sxc6 25.g4 (25.Ld3 Le5+ 26.Kd2 wäre besser) 25...Le5+ 26.Kd2 Lf4+ 27.Ke2 (Hier sollte Davit vielleicht auf Remis durch Zugwiederholung einwilligen: 27.Kc3) 27...Te7+ 28.Kf3 Le3 29.gxf5 Lxc5 30.Ld3? Damit fangen die Probleme an. (Besser war 30.Td5 Ld4 31.fxg6 hxg6 32.Td6) 30...Te3+ 31.Kg2 Se5 32.Lf1 gxf5 33.h4? (mit 33.Td5 könnte Weiß immer noch die Partie halten.) 33...f4 34.Th3 f3+ 35.Kh1 Kf7 36.Tg3 h5 37.Lh3 Te4 38.Lc8 a5 39.Kh2 Sg4+ 40.Txg4 hxg4 41.Kg3 f2 42.Tf1 Te1 43.Kg2 g3 44.La6 f5 45.Lxb5 f4 46.Lc6 Kf6 47.a3 a4 48.Ld7 Ke5 0-1, Shengelia - Laznicka, EM Dresden 2007.

4...a6 5.Ld3 Lg4 6.Sbd2 e6 7.Dc2 Sbd7 8.b3 Lh5 9.Lb2 Ld6 10.Se5 Lc7 11.0-0 11...Sxe5 12.dxe5 Sd7 13.f4 Sc5 14.cxd5!? Die einzige Möglichkeit, auf Vorteil zu spielen. Die Folgen sind kaum vorauszuberechnen!

14...Sxd3 15.d6 Sb4 16.Dc3 La5 17.Sc4 c5

Diagramm

Nach 17...Sd5 18.Dxa5 Dxa5 19.Sxa5 Sxe3 20.Sxb7 Sxf1 21.Txf1 hätte Schwarz eine Qualität mehr, aber die Stellung wäre kaum zu halten! 17...b6 wäre wegen 18.Sxa5 bxa5 19.a3 Sd5 20.Dxc6+ Kf8 21.f5 mit Angriff ebenfalls schlecht.

18.d7+! Die Pointe!

18...Ke7 18...Dxd7 19.Sxa5 Sd5 20.De1 20...b5 mit Ausgleich. 18...Kxd7 19.Tad1+ Lxd1 20.Txd1+ Sd5 21.Sxa5 Kc8 22.Dxc5+ Dc7 23.Da3 Kb8 24.Ld4 und Weiß steht überlegen.

19.e4! Sc6 20.De3 20.Dh3 lässt 20...Le2 zu.

20...Kxd7 Auf 20...Lb6 folgt 21.Dd2 Lc7 und 22.f5.

21.Tad1+ Lxd1 22.Txd1+ Sd4 23.Lxd4 Kc7 24.Sxa5 Kb8 25.Dc3 25.Sc4 cxd4 26.Txd4 Dc7 27.Sd6 war ebenfalls gut.

25...cxd4 26.Txd4 Db6 27.Sc4 Dc5 28.b4 Dc7 29.Dd2 Tc8 29...Ka7 30.De3 b6 geht wegen 31.Td7! nicht.

30.Kf2! Vermeidet Dc7-c1 Schach.

30...b5? 30...Dc6 wäre zäher.

31.Sd6 Tf8 32.a4 bxa4? Dieser Zug kommt nur Weiß entgegen. Schwarz sollte sofort mit 32...f6! versuchen, Gegenspiel zu erlangen.

33.b5 Nun wird es unklar.

33...a3? Verständlich, aber falsch. Nach 33...axb5 34.Sxb5 Dc5 35.Sd6 Ta6 könnte sich Schwarz konsolidieren.

34.Kf3? Unnötige Prophylaxe. Mit 34.Tb4! könnte Davit die Partie schnell entscheiden.

34...a2? Der Verlustzug. Mit 34...axb5! 35.Sxb5 Dc5 36.Tb4 a2 könnte sich Schwarz retten: 37.Sd6+ Kc7 38.Sb5+ (38.Tb7+ Kc6) 38...Kc6 39.Sd4+ Kc7 40.Sb5+ und Weiß muss Dauerschach geben.

35.b6! Dc5 36.Ta4 36.Db2 war stärker.

36...f6? Schwarz versäumt noch eine letzte Chance! 36...a5! 37.Txa2 Ta6 38.b7 Td8 und auf 39.Tc2 dann 39...Taxd6 40.exd6 Txd6.

37.Txa2 fxe5 38.Tc2 Dg1 39.b7 Df1+ 40.Kg3 Dxf4+ 41.Dxf4 exf4+ 42.Kf3 und Weiß bleibt eine Figur mehr. 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog