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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 4958 vom 29.06.2007, Kategorie Kolumne

Kandidatenwettkämpfe in Elista

Im September beginnt die Weltmeisterschaft in Mexiko City. Der Modus bleibt der gleiche wie 2005 in San Luis: Doppelrundiges Turnier mit acht Teilnehmern. Vier davon waren bereits vorqualifiziert: Kramnik, Anand, Svidler und Morozevich. Die restlichen vier Plätze wurden in Kandidatenwettkämpfen vom 26. Mai bis 14. Juni in Elista (Kalmykien) entschieden. Die Favoriten haben sich, teilweise aber mit Mühe, durchgesetzt. Aronian bezwang zuerst Carlsen und sodann Shirov, jedoch jeweils erst beim Blitzen im Tie-Break Am überzeugendsten agierte Leko: Zuerst 3,5 - 0,5 gegen Gurevich, dann vernichtete er Bareev mit 3,5 - 1,5. Grischuk schickte seine Landsleute Malakhov und Rublevsky nach Hause. Gegen Gelfands Routine hatten Kasimdzhanow und Kamsky keine Chance. Noch einmal die vier weiteren WM Teilnehmer: Aronian, Gelfand, Leko und Grischuk.

Grischuk (2717) - Rublevsky (2680)

1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sc6 5.Sc3 a6 Das ist zur Zeit eine sehr moderne Zugfolge in der Paulsen-Variante.

6.Le2 Grischuk entscheidet sich für den Scheweningen-Aufbau. Die Alternative ist: 6.Sxc6 bxc6 7.Ld3 d5 8.0-0 Sf6 9.De2 Le7 10.e5 Sd7 mit dynamischem Gleichgewicht.

6...d6 7.0-0 Sf6 8.Le3 Ld7 Darüber könnte man Bücher schreiben: Zuerst Ld7 oder doch Le7? Vielleicht sogar Dc7? Kasparov hat es getan. Sein Buch ist älter als 20 Jahre, aber war und ist immer noch eines der besten über das Scheweningen-System.

9.a4 Gegen b7-b5 gerichtet. Eine andere Philosophie ist, diesen Bauernvorstoß zuzulassen.

9...Le7 10.f4 Sxd4 11.Dxd4 Lc6 12.b4 Ja, auch hier muss Kasparov gewürdigt werden. Diese Idee demonstrierte er im Match für die WM gegen Anand.

12...0-0 13.b5 Le8 14.e5 Dc7 15.b6 Natürlich nicht 15.exf6 Lxf6 und Schwarz gewinnt die Figur mit Zinsen zurück.

15...Dc6 16.Lf3 Neuer Zug

16...d5 17.Tae1 Mobilisieren und Zentralisieren lautet hier das Motto!

17...Sd7

Diagramm

18.Sxd5! Rublevsky hatte Pech. Jeder, der in dieser Position dem Computer ein paar Minuten überlässt, wird richtig beraten.

18...exd5 19.Lxd5 Dc5? Eigentlich ist das der erste schwere Fehler. Mit 19...Dc8 20.f5 (20.a5!?) 20...Lc5 21.De4 Lxe3+ 22.Dxe3; oder 19...Dxc2 20.Tc1 De2 21.Lxb7 Td8 22.Lf3 Da2 23.f5 könnte Schwarz noch die Balance halten.

20.e6! Hat Rublevsky das übersehen? Wahrscheinlich. Sonst hätte er Dc5 nicht gespielt. Mit diesem Zug erlangte Grischuk entscheidenden materiellen Vorteil.

20...Dxd4 20...Sxb6 21.Dxc5 Lxc5 22.Lxc5 Sxd5 23.c4 fxe6 24.Lxf8 kostete die Qualität.

21.Lxd4 Sf6 Das Endspiel ist nach 21...Lf6 22.Lxf6 Sxf6 23.Lxb7 Tb8 24.e7 Txb7 25.a5 Lc6 26.exf8D+ Kxf8 27.Te5 schwer zu halten.

22.Lb3! Eleganter Rückzieher!

22...Td8 23.Lxf6 Lc5+ 23...Lxf6 24.e7 Lxe7 25.Txe7 Lc6 26.Tfe1 Td2 27.T1e2 Txe2 28.Txe2 ist ebenfalls hoffnungslos.

24.Kh1 gxf6 25.e7 Lxe7 26.Txe7 Lc6 27.Tc7! Td2 28.Te1! Tf2 Auf 28...Lxg2+ 29.Kg1 Lc6 könnte 30.Tee7 Tg2+ 31.Kf1 Txh2 32.Lxf7+ Kh8 33.c4 folgen.

29.h3 Txf4 30.Tee7 Tf1+ Oder 30...Kg7 31.Lxf7 Kh6 32.c4 Kg5 33.Txb7 Lxb7 34.Txb7 nebst Lf7-d5 und die weißen Bauern marschieren.

31.Kh2 Tf2 32.Txc6! Effektvolles Finale!

32...bxc6 33.Txf7! Tf4 33...Txf7 34.b7.

34.c3! Te4 35.Te7+ Ein Tenniskommentator wie Alex Antonitsch hätte resümiert: Aufschlag-Volley-Punkt!

1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog