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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 5012 vom 12.10.2007, Kategorie Kolumne

Anand zum zweiten Mal Weltmeister!

Viele Experten sahen den Inder Viswanathan Anand bereits vor dem Entscheidungsturnier vom 13. bis 30. September in Mexiko City als Favoriten. Und der Inder erfüllte die in ihn gesetzten Erwartungen auch souverän. Vier Siege und 10 Remisen sicherten ihm den Turniersieg mit einem ganzen Punkt Vorsprung vor Kramnik und dem überraschend stark spielenden Gelfand.

Endstand nach 14 Runden

Rg. NameFEDEloPkt. Wtg1 Rpwwew-weKrtg+/-
1INDGMAnand ViswanathanIND27929,059,00284897,901,101011,0
2RUSGMKramnik VladimirRUS27698,054,50279987,420,58105,8
3ISRGMGelfand BorisISR27338,054,25280486,601,401014,0
4HUNGMLeko PeterHUN27517,047,75275276,960,04100,4
5RUSGMSvidler PeterRUS27356,544,7527256,56,62-0,1210-1,2
6RUSGMMorozevich AlexanderRUS27586,041,25270167,10-1,1010-11,0
7ARMGMAronian LevonARM27506,039,75270266,94-0,9410-9,4
8RUSGMGrischuk AlexanderRUS27265,540,2526755,56,46-0,9610-9,6

Anmerkung:
Wtg1: Sonneborn-Berger-Wertung

Anand (2792) - Morozevich (2758)

1.e4 c5 Die Sizilianische Verteidigung war bei dieser Weltmeisterschaft eine Rarität. In nur vier Partien antwortete Schwarz mit 1...c5 und erlitt dabei drei Niederlagen. Die häufigste Antwort auf 1.e4 war klassisch - 1....e5.

2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.f3 Der obligatorische Englische Angriff. Anand beginnt ihn oft mit 6.f3 statt mit 6.Le3 und vermeidet damit die Variante 6... Sg4. 6...e5 7.Sb3 Le6 8.Le3 Sbd7 9.g4 9.Dd2 ist die Alternative.

9...Sb6 10.g5 Sh5 11.Dd2 Tc8 12.0-0-0 Le7 13.Tg1 0-0 14.Kb1 Dc7 15.Df2 Sc4 16.Lxc4 Lxc4 17.Sd5 Lxd5 18.Txd5 f5 19.gxf6 Txf6 20.De2 Sf4 Beachtung verdiente 20...Tcf8 21.Sd2 Sf4 22.Lxf4 Txf4.

21.Lxf4 Txf4 22.Td3 Dd7 Morozevich orientiert sich in Richtung Königsflügel. Eine andere Idee wäre 22...b5 mit Aktivitäten gegen den weißen König.

23.Sc1 Der Springer muss umgruppiert werden.

23...Tcf8 24.a3 Kh8 25.Sa2 Dh3 Vielleicht wäre zuerst 25...Lh4 26.Sc3 und dann erst 26...Dh3 präziser.

26.Tg3 Dh5 27.Dg2 Th4 28.h3 Dh6?! Danach beginnen die Schwierigkeiten für Schwarz. Mit 28...Df7 29.Tb3 Ld8 30.Sb4 La5 31.Sd5 b5 32.Td3 Da7 könnte Schwarz die Balance halten.

29.Tb3 b5 30.Sb4 Th5 31.Df1 Th4 32.Dg2 Th5 33.Sxa6 Lh4 34.Tg4 Lf6 34...Ld8 sollte genauer sein.

35.De2 Txh3 36.Txb5 Ld8 Hier war 36...Le7 besser: 37.Tb7 De6 38.Tg1 Thxf3.

37.Tb8 Unklar ist: 37.Tb7 g5 38.Sb4 Thxf3 39.Tg1 Dh3.

37...Df6 38.Sb4 Txf3 Das Endspiel nach 38...Dxf3 39.Dxf3 Thxf3 40.Sc6 Tf1+ 41.Ka2 h5 42.Tg3 Lh4 43.Txf8+ Txf8 44.Th3 g5 ist sehr schwer einzuschätzen.

39.Sd5 Df7 40.Da6 h5 41.Tg2

Diagramm

41...h4?? Schwerer Fehler gleich nach der Zeitkontrolle. Nach 41...De6 wäre die Partie noch offen.

42.Dxd6 Le7 43.Dxe5 Txb8 44.Dxb8+ Kh7 45.Dc7 Lf8 Nach 45...Tf1+ 46.Ka2 Df3 47.Dxe7 Dxg2 48.Dxh4+ Kg8 49.Se7+ Kf7 50.Sf5 steht Weiß überlegen.

46.Dxf7 Txf7 Die zwei verbundenen schwarzen Bauern sehen gefährlich aus, aber nach

47.Tg4! wird klar, dass sie nicht zu zweit vorrücken können.

47...Tf1+ 48.Ka2 Th1 49.e5 Lc5 Auf 49...h3 könnte 50.e6 g5 51.Txg5 h2 52.Th5+ Kg6 53.Th3 Ld6 54.e7 Te1 55.a4 Kf7 56.Tf3+ Kg7 57.Tf1 Txf1 58.e8D h1D 59.Dd7+ Kg8 60.Dxd6 Ta1+ 61.Kb3 Df3+ 62.Kb4 folgen.

50.e6 Kh6 51.Tc4 51.b4 Ld6 52.e7 sollte ebenfalls zum Ziel führen.

51...h3 52.Txc5 h2 53.Se3 53.Sf4 gewinnt auch: 53...g5 (53...Ta1+ 54.Kxa1 h1D+ 55.Ka2 g5 56.e7 De4 57.Sd5) 54.e7 Te1 55.Se6 Txe6 56.Tc6 Txc6 57.e8D Txc2 58.a4 g4 59.a5.

53...Ta1+ 54.Kxa1 h1D+ 55.Ka2 De4 55...Kg6 56.Sd5

56.Te5! 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog