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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 502 vom 12.12.1997, Kategorie Kolumne

ECC97: Ladia Asow nach Play-Off Sieger (vom 12.Dezember 1997)

Merkur Versicherungen Graz Sieger des "kleinen " Finales

Der glückliche, aber dennoch verdiente Sieger des vom 28. bis 30. November in Kasan (Rußland) ausgetragenen Europacups für Vereinsmannschaften des Jahres 1997 heißt Ladia Asow. Glücklich, weil die Russen erst im Play-Off des Finales über PKO BP Warschau die Oberhand behielten, aber dennoch völlig verdient, wenn man berücksichtigt, daß sie im Halbfinale den haushohen Favoriten Sberbank Tatarstan Kazan I, mit Super-GM Wladimir Kramnik am Spitzenbrett, ausschalteten.

Für Merkur Versicherungen Graz, das, bedingt durch eine unglückliche Auslosung, in der Startrunde gegen den späteren Turniersieger unterlag, war in der Folge nur noch der Sieg im kleinen Finale möglich. Dieses Ziel erreichten die Grazer dank der Superleistung von Tschernin & Rasuwajew, die je 2 Punkte aus 3 Partien holten, souverän. Die weiteren Punkte erzielten: Felsberger 1½/2, sowie Nowikow , Agrest und Stanec je 1 Punkt aus 3 Partien.

Schlußrangliste:

1. Ladia Asow RUS
2. PKO SK Warschau POL
3. Sberbank Tarzan I Kasan RUS
4. Sperbank Tarzan II Kasan RUS
5. Merkur Versicherungen Graz AUT
6. Hertzliya ISR
7. Jerewan ARM
8. Rezina GAZ Kischinew MDA


1. Runde: 28.11.97

Ladia Azov - Merkur Versicherungen Graz 4½-1½
GM Barejew 2670 - GM Tschernin 2640 ½-½
GM Svidler 2660 - GM Rasuwajew 2555 ½-½
GM Krasenkow 2645 - GM Nowikow 2590 1-0
GM Zwjaginsew 2635 - GM Agrest 2505 ½-½
GM Onitschuk 2625 - IM Stanec 2465 1-0
GM Dolmatow 2565 - FM Felsberger 2375 1-0


Jerewan - Sberbank Tarzan I 2-4

Hertzliya - PKO Warschau 2½-3½

Rezina - Sberbank Tartan II 3-3


2. Runde: 29.11.1997

Sberbank Tartzan I - Ladia Asow 2½-3½

PKO SK Warschau - Sberbank Tarzan II 3-3

Merkur Versicherungen Graz - Jerewan 4-2
GM Tschernin 2640 - GM Akopjan 2660 1-0
GM Rasuwajew 2555 - GM Lputjan 2640 1-0
GM Nowikow 2590 - GM Anastasjan 2545 ½-½
GM Agrest 2505 - GM Mnasjan 2545 0-1
IM Stanec 2465 - GM Petrosjan 2485 ½-½
FM Felsberger 2375 - IM Nalbandjan 2440 1-0

Rezina GAZ - Hertzliaya 2½-3½

Finale: 30.11.1997

Dubiose Entscheidung um den Turniersieg

Da im Match PKO-Ladia Asow alle 6 Partien mit einer Punkteteilungen geendet hatten, mußte der Wettkampf dem Reglement entsprechend mit verkürzter Bedenkzeit (30-Minuten je Spieler) wiederholt werden. Hier setzten sich die Russen dank Siegen von Svidler - Oll und Krasenkow - Wojtkiewicz (die anderen Partien endeten abermals mit einer Punkteteilung) mit 4-2 durch.


Match um Platz 3

Sberbank I - Sberbank II 1-5

Match um Platz 5

Merkur Versicherungen Graz - Hertzliya 3½-2½
GM Tschernin 2640 - GM Psakhis 2565 ½-½
GM Rasuwajew 2555 - GM Zilberman 2560 ½-½
GM Nowikow 2590 - IM Zifroni 2500 1-0
GM Agrest 2505 - GM Lev 2455 ½-½
IM Stanec 2465 - FM Slutzky 2355 ½-½
FM Felsberger 2375 -   Haimovich 2285 ½-½


Match um Platz 7

Jerewan - Rezina GAZ 5-1


Zwei hübsche Partien aus Kasan

Auch in Kasan zeigte es sich, daß der in Diensten von Merkur Graz stehende Wahlungar selbst im Konzert der Weltklasse erfolgreich mitspielen kann. Erfreulich auch die Leistung von Alfred "Fetzi" Felsberger, der in diesem schweren Bewerb 50% der möglichen Punkte erzielte.

Weiß:GM A. Tschernin

Schwarz: GM W. Akopjan

Englisch [A26]

Anm. I. Balinov

1. c4 e5 2. Sc3 Sc6 3. g3 g6 4. Lg2 Lg7 5. e4 d6 6. Sge2 Sge7 7. d3 Sd4?!. Geboten war statt dessen 7. ... 0–0.

8. Sxd4 exd4 9. Se2 c6 10. 0–0 0–0 11. h3. Prophylaxe gegen Lc8-g4 nebst Lxe2.

11. ... Le6 12. b3 f5 13. Lb2 Db6 14. Tb1. Überdeckt vorsorglich den Damenläufer, der nach 14. ... fxe4 15. dxe4 Lxc4 ungedeckt wäre.

14. ... g5. Elastischer war 14. ... Tae8.

15. exf5 Lxf5. Auch nach 15. ... Sxf5 16. Dd2 h6 17. g4 Sh4 18. f4 Sxg2 19. Kxg2 gxf4 20. Sxf4 Lf7 21. Tf2 Tae8 22. Tbf1 steht Weiß etwas besser.

16. g4 Lg6 17. f4! gxf4 18. Sxf4 Le5. Im Ausgleichssinne verdiente 18. ... Tae8 19. Se6 Txf1+ 20. Dxf1 Le5 21. h4 Sc8 22. Sg5 Tf8 23. De2 den Vorzug.

19. Lc1!. Weiß läßt den Damenläufer aktiv am Spielgeschehen teilhaben.

19. ... Tf6?!. Den Vorzug verdiente 19. ... Lf7 20. Tb2 Sg6 21. Sh5 Le6 22. Lh6 Txf1+ 23. Dxf1 Dd8 24. Tf2.

20. Tb2! Taf8 21. Tbf2 Da5 22. a3 T8f7?!. Eine weitere Ungenauigkeit. Geboten war 22. ... Lf7!? oder 22. ... Le8!?.

23. h4!. Interessant war auch 23. Sxg6 Sxg6 24. Tf5 Sh4 25. b4 Dd8 26. Txf6 Txf6 27. Le4, denn nun verbietet sich 27. ... d5? wegen 28. cxd5 cxd5 29. Txf6 Lxf6 30. Db3 Dc7 31. Dxd5+ Kh8 32. Dc5 Dg3+ 33. Kf1 Dxh3+ 34. Ke1 Dg3+ 35. Kd2 Df2+ 36. Kd1 und Weiß gewinnt.

23. ... Lxf4 24. Txf4 Txf4 25. Lxf4 Dc3. Auch nach 25. ... Tf6 26. h5 Lf7 27. Lxd6 Txd6 28. Df3 Sf5 29. b4 De5 30. Dxf5 Dxf5 31. Txf5 hat Weiß deutlichen Vorteil.

26. Tf3. Noch stärker war 26. Lxd6! Lxd3 27. Txf7 Kxf7 28. Lb4 Dc2 29. Df3+ Ke8 30. Df6 Dd1+ 31. Kh2 Sc8 (Ebensowenig hilft 31. ... De2 32. Dh8+ Kf7 33. Dxd4) 32. De5+ und Weiß gewinnt.

26. ... h6. Falls 26. ... d5, so 27. h5 Txf4 28. Txf4 Lxd3 29. Tf3 und Weiß gewinnt.

27. h5!. Stark war auch 27. Lxh6!? Txf3 28. Dxf3 Kh7 29. Lf1 De1 (29. ... Kxh6 scheitert an 30. Df8+ Kh7 31. Dxe7+) 30. Lg5 und Weiß gewinnt.

27. ... Lh7 28. Lxh6! Entscheidend!

28. ... d5 29. Df1 Lxd3. Resignation, doch war auch 29. ... Txf3 30. Dxf3 De1+ 31. Lf1 hoffnungslos.

30. Dxd3 Txf3 31. Dxf3 d3 32. Lf1 dxc4 33. bxc4 Dd4+ 34. Le3 Dxc4 35. Df4 Dc2 36. De4 Sd5 37. Ld4 und Schwarz strich die Segel.


Weiß: IM T. Nalbandian

Schwarz: FM A. Felsberger

Englisch, Igel-Verteidigung[A30]

Anm. I. Balinov

1. Sf3 Sf6 2. g3 b6 3. Lg2 Lb7 4. 0–0 e6 5. c4 c5 6. Sc3 a6 7. Te1. Der Textzug vermeidet gegenüber der Alternative 7. d4 cxd4 8. Dxd4 d6 den Abtausch des Fianchettoläufers.

7. ... d6 8. a4. Die Hauptvariante setzt sofort mit 8. e4 fort.

8. ... Le7 9. e4 Dc7 10. b3 0–0 11. d4 cxd4 12. Sxd4 Sbd7 13. Ta2 Tfe8 14. Td2 Lf8 15. La3 Tad8 16. Tde2 Db8 17. Lc1 Tc8 18. f3!? g6 19. Sc2 Sc5 20. Se3 Ted8 21. Td2 La8 22. Lb2 Lg7 23. La1. Aktiver, aber auch zweischneidig war 23. b4!? Scd7 (Nach 23. ... Sb7 müßte der Nachziehende mit einer äußerst gedrückten Stellung vorliebnehmen.) 24. b5 a5 25. Txd6 Se5 26. Txd8+ (26. Td4? verbietet sich wegen 26. ... Txd4 27. Dxd4 Td8 und Schwarz gewinnt.) 26. ... Txd8 27. De2 Sd3 28. Td1 Sxb2 29. Dxb2 Txd1+ 30. Sexd1 Sd7 31. f4 Ld4+.

23. ... Se8 24. Db1 Lc6. Gegen b3-b4 gerichtet.

25. Lf1 Da7 26. Da2 La8 27. b4?. Besser war 27. Lg2 nebst Kh1 und b3-b4.

27. ... Sd7 28. Scd1. Nach 28. Lg2 Se5 29. Kh1 Dc7 krankt die weiße Stellung an der Schwäche "c4". Ebenso war 28. Kg2 Sef6 29. Txd6 Lf8 30. Td2 Lxb4 und Schwarz hat aktives Spiel, unerfreulich für Weiß.

28. ... Se5 29. Lg2. Etwas günstiger für Schwarz war auch 29. Le2 a5 30. f4 Sc6 31. bxa5 bxa5 32. Lxg7 Sxg7.

29. ... Sxc4!. Eine hübsche taktische Rafinesse, die den Anziehenden offenbar am falschen Fuß erwischt.

30. Lxg7?!. Das geringere Übel bestand in 30. Sxc4 Lxa1 31. Sxd6 Txd6 32. Txd6 Sxd6 33. Dxa1 Tc4.

30. ... Sxe3 31. Ld4. Auch nach 31. Sxe3 Sxg7 32. Sg4 b5+ 33. Kh1 bxa4 34. Dxa4 Se8 hat Schwarz Vorteil.

31. ... Sxg2. Das schwarze Spiel ist nun klar vorzuziehen.

32. Txg2 e5 33. La1 b5+. Keineswegs besser war 33. ... d5 34. Lxe5 dxe4 35. fxe4 De7 36. Tf2 Tc1.

34. Tf2. Falls 34. Se3 so 34. ... bxa4 35. Dxa4 Db6 36. Tc2 Txc2 37. Dxc2 Dxb4 und Weiß kommt vom Regen in die Traufe.

34. ... Sc7 35. f4 Se6?!. Nach dem besseren 35. ... bxa4! 36. fxe5 Se6 37. exd6 Txd6 verdichtet Schwarz seinen Vorteil.

36. fxe5?!. Weiß revanchiert sich und läßt 36. axb5! Db8 37. Dxa6 exf4 38. gxf4 Sc7 39. Da3 d5 40. exd5 Sxd5 41. Db2 f6 mit etwa gleichen Chancen aus.

36. ... Sg5 37. Kf1. Größeren Widerstand leistete 37. e6!? Sh3+ 38. Kg2 Sxf2 39. Sxf2 fxe6 40. axb5 d5 41. bxa6.

37. ... dxe5 38. Lxe5?. Auch nach dem besseren 38. axb5 Sxe4 39. Tfe2 Tc1 40. Se3 Sd2+ 41. Kf2 Txe1 42. Kxe1 Sf3+ 43. Kf2 Sd4 ist am schwarzen Vorteil nicht zu zweifeln.

38. ... Sxe4 39. Se3. Ebenso verliert 39. Tfe2 Tc1 40. Se3 Txe1+ 41. Kxe1 De7.

39. ... Te8 40. Sg4 und Weiß überschritt in für Schwarz klar vorteilhafter Stellung die Zeit.

ÖM Lothar Karrer