Wiener Zeitungs Schachergebnisserver - Kolumne
Schach Homepage Swiss-Manager Homepage Österreichischer Schachbund Homepage Wiener Zeitung Homepage CMS-Version 10.06.2017 12:15, Logged on: Gast Suche Impressum Sitemap Login Logoff Kontakt
 Home   Österreich   Welt   Kolumne   Meisterschaft   Turnier-DB   Archiv   Turnierkalender   Links   Datenpflege 

Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 5026 vom 09.11.2007, Kategorie Kolumne

U20 Weltmeisterschaft in Yerevan

Das Schachspiel entfernt sich langsam aber sicher vom Bild, wo zwei seriöse Männer reiferen Alters mit Anzug und Krawatte vertieft am Brett sitzen und versuchen, nicht einzuschlafen (das gab es übrigens wirklich in der Schachgeschichte). Heutzutage ist Schach ein anerkannter Sport und einen solchen verbindet man mit Dynamik und Jugend und in diesem Sinne werden auch die Großmeister jedes Jahr jünger. Teenies wie Carlsen, Karjakin, Nakamura, Radjabow beweisen dies eindrucksvoll.

Bei der Junioren-WM in Yerevan (Armenien) vom 2. bis 17. war der einzige österreichische Vertreter der internationale Meister Markus Ragger, unterstützt vom Hoffnungskader-Trainer GM Zoltan Ribli. Markus begann unsicher, kam dann in Form und hatte nach 10 von 13 Runden 6,5 Punkte, damit lag er gut im Rennen. Das Unglück passierte in der elften Runde. In einer komplizierten Stellung mit beidseitigen Chancen gegen einen der Turnierfavoriten, GM Stellwagen aus Holland, stellte Markus eine Figur ein. Bitter! Es folgten zwei hart umkämpften Partien mit negativem Ergebnis. Im Endeffekt fünfzig Prozent und 35. Platz (von 80 Teilnehmern) für den jungen Kärntner.

Der ägyptische Großmeister Ahmed Adly lieferte die Überraschung! Als Nummer 21 gesetzt gewann er überzeugend mit 10 Punkten (davon 10 Siege und drei Niederlagen - eine in der ersten Runde!). Bei den Frauen siegte Vera Nebolsina aus Russland.

Ragger (2528) - Margvelashvili (2451)

1.e4 c6 2.d4 d5 3.Sc3 dxe4 4.Sxe4 Lf5 5.Sg3 Lg6 6.h4 h6 7.Sf3 Sd7 8.h5 Lh7 9.Ld3 Lxd3 10.Dxd3 e6 11.Lf4 Da5+ 12.Ld2 Dc7 13.0-0-0 0-0-0 14.Se4 Sgf6 15.g3 Sxe4 16.Dxe4 Ld6 17.c4 Sf6 18.De2 c5 19.Lc3 cxd4 20.Sxd4 a6 21.Kb1 Td7 22.Tc1 Kb8 23.Sb3 Dc6 24.Th4 Thd8 25.c5 Lc7 26.Tc4 Db5N Das ist der erste neue Zug! Bekannt ist 26...Ka8 27.Ka1 e5 28.Lxe5 Lxe5 29.Dxe5 Td1 30.a3 Df3 31.Ka2 Txc1 32.Txc1 Dd5 33.Dc7 Dd7 34.Da5 Tc8 35.Tc4 und Weiß hat Übergewicht, Remis, Kotronias - Jobava, Moskau 2007.

27.g4 27.Lxf6 gxf6 28.De3 ist nicht so klar: 28...Td1 29.T4c2 Dd3 30.Dxh6 Df5 und Schwarz hat Kompensation für den Bauern.

27...Td5?! Diese Ungenauigkeit bringt den jungen Georgier in Schwierigkeiten. Richtig war sofort 27...Td1.

28.c6! Der Bauer ist tabu!

28...Td1 29.Txd1 Interessant war auch 29.cxb7 Txc1+ 30.Kxc1.

29...Txd1+ 30.Kc2 Td6 31.Sd4 Nach 31.a4 Dd5 32.cxb7 Tc6 (32...Dxb7 33.Tb4 Tb6 34.Sc5) 33.Tb4 e5! ist die Lage kompliziert und unklar.

31...Dd5 32.Tb4 Auf 32.cxb7 folgt einfach 32...Kxb7.

32...De4+? Das ist wahrscheinlich der letzte Fehler. Aber wer könnte sich, außer dem Computer, mit 32...b5 anfreunden. Zum Beispiel: 33.a4 33...Dc5 34.axb5 (34.Sxb5 Txc6) 34...Sd5 35.Tc4 35...Db6 36.bxa6 Dxa6 mit unklarem Spiel.

33.Dxe4 Sxe4 34.Txb7+ Kc8

Diagramm

35.Ta7! Markus findet eine schöne Taktik im Endspiel!

35...Lb6 36.Txa6 Lxd4 37.La5! La7 37...Kb8 38.f3 und Weiß gewinnt zumindest die Figur zurück.

38.f3! Feiner Zwischenzug! 38.Txa7 Txc6+ 39.Lc3 Sxf2 40.Txf7 Sxg4 41.Txg7 Sf6 42.Tg6 Sxh5 43.Txh6 Sf4 wäre keine saubere Technik.

38...Sg5 39.Txa7 Txc6+ 40.Lc3 g6 41.f4 Se4 42.g5! Der entscheidende Durchbruch!

42...hxg5 43.h6 Sxc3 Oder 43...Kb8 44.Txf7 Tc8 45.h7 Sxc3 46.bxc3 gxf4 47.Tg7 mit Gewinn wie in der Partie.

44.bxc3 Kb8 45.Txf7 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog