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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 5030 vom 30.11.2007, Kategorie Kolumne

Nachlese Team-Europameisterschaft (2. Teil)

Bundestrainer Egon Brestian gab sich viel Mühe, eine starke österreichische Nationalmannschaft zu bilden. Nachdem der internationale Meister (IM) Norbert Sommerbauer im letzten Moment wegen beruflicher Angelegenheiten absagte, komplettierte IM Christian Weiss das Team bestehend aus der neuen Nummer 1 in Österreich Markus Ragger, dem Routinier Martin Neubauer, Valery Atlas und meiner Wenigkeit. Der erfahrene ungarische Großmeister Zoltan Ribli stand uns mit Rat und Tat zur Seite.

Unsere Mannschaft startete als Nummer 32 von 39 Teams und wurde schließlich 30. Das Ergebnis ist natürlich kein Grund zum Jubeln. Es wäre aber durchaus eine bessere Platzierung möglich gewesen. Wir waren ganz nah an einem Unentschieden gegen Armenien und Polen (die Zweiter und Vierter wurden) und haben den Sieg gegen Estland verschenkt. Das Team war jedoch abgesehen von der sportlichen Verfassung entzweit. Während auf den ersten beiden Brettern Markus und Valery für Stabilität sorgten, kämpfte der Rest auf dem 3. und 4. Brett eher mit der schlechten Form. Was aber sehr wichtig für die Zukunft ist: Mit Markus Ragger an der Spitze hat die Mannschaft einen jungen starken Leader gewonnen und darauf kann aufgebaut werden.

Als Abschluss noch eine sehenswerte Opferpartie von der EM.

Cheparinov (2670) - Navara (2656)

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 Le7 6.Te1 b5 7.Lb3 0-0 8.h3 Lb7 9.d3 d6 10.a3 Dd7 11.Sc3 Tfe8 12.a4 b4 13.Se2 d5 14.exd5 Sxd5 15.Sg3 Lf8 16.Ld2 a5 17.La2 Sd4!? Schwarz ergreift die Initiative mit völlig unklaren Folgen! 17...Tad8 wäre der normale Mobilisierungszug.

18.Sxe5 Dd6 19.Sf3 Txe1+ 20.Lxe1 Sf4 21.Sxd4 Nach 21.Se4 Dg6 22.Sh4 Dh6 23.Dg4 Lc8 24.Dg5 Sxc2 25.Td1 Sd4 könnte Schwarz mehr als zufrieden sein.

21...Dxd4 22.Dg4 Te8 Schon hier sollte GM Navara alle kommenden Komplikationen vorausgesehen haben, oder seine Intuition ist genial.

23.Sf5 Spielbar war auch 23.Se4 De5 24.Ld2 Dxb2 25.Lxf7+ Kxf7 26.Dxf4+ Kg8 27.Tc1.

23...h5 24.Sh6+ Weiß startet eine scheinbare Gewinnkombination. Zum Ausgleich führte: 24.Sxd4 hxg4 25.hxg4 Sxg2 26.Ld2 Lc5 27.c3 Sh4 28.Kf1 Lg2+ 29.Kg1 Lb7

24...Kh7 25.Df5+ Kxh6 26.Ld2 Ld6! Sieht wie Selbstmord aus! Das Endspiel nach 26...g5 27.h4 f6 28.Lg8 (28.hxg5+ fxg5 29.Lg8 Dg7) 28...Te7 29.Le3 De5 30.hxg5+ fxg5 31.Dxf8+ Dg7 32.Dxg7+ Txg7 33.Lc4 Lxg2 34.Lc5 Td7 35.Te1 sollte vorteilhaft für Weiß sein.

27.Lxf7

Diagramm

Es droht tödlich Dg6 und Dh5 Matt! Soll Schwarz schon aufgeben?

27...Dxf2+!! Grandiose Idee!

28.Kxf2 Te2+ 29.Kg1 29.Kf1 Lxg2+ 30.Kg1 Txd2.

29...Txg2+ 30.Kf1 Txd2 Schwarz hat nur Springer und Läufer für die Dame, aber was für eine Harmonie!

31.Lg8?? Der entscheidende Fehler. Die einzige Verteidigung war 31.h4! Lg2+ 32.Ke1 Te2+ 33.Kd1 Lf3 34.Dg5+ Kh7 35.Df5+ Kh8 36.Kc1 Lg4 37.Dg5 Te1+ 38.Kd2 Te2+ 39.Kc1 Te1+ mit Dauerschach.

31...Lg2+ 32.Ke1 Te2+ 33.Kd1 Lf3 34.Dh7+ 34.Kc1 kostet Material: 34...Te1+ 35.Kd2 Txa1 36.Dh7+ Kg5 37.Dxg7+ Kh4.

34...Kg5 35.Ta2 Th2+ 36.Ke1 36.Kc1 Sxd3+ 37.cxd3 Lf4+ 38.Kb1 Th1+ 39.Kc2 Ld1+ 40.Kb1 Lb3 Matt.

36...Sxd3+! und 37...Lg3 und 38....Th1 mit Matt in zwei Zügen. 0-1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog