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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 5063 vom 22.02.2008, Kategorie Kolumne

Kroatische Staatsmeisterschaft

Diesmal werfen wir einen Blick in den Süden nach Kroatien, wo in Split gerade die Einzelstaatsmeisterschaft 2007 stattgefunden hat. Sehr wahrscheinlich aus Termingründen ist dieser Wettbewerb erst im Jänner ausgetragen worden. Die meisten der 13 Teilnehmer sind in der heimischen Schachszene gut bekannt. Namen wie Kozul, Cvitan, Zelcic, Dizdar und zuletzt Hulak sind in den österreichischen Bundesligen und bei diversen Open regelmäßig präsent.

Als unbestrittener Favorit galt der Ex-Europameister und elostärkste (2600) Teilnehmer, GM Zdenko Kozul. Überraschenderweise spielte er weit von seiner üblichen Form entfernt und landete am enttäuschenden elften Platz. Als noch größere Enttäuschung finde ich den letzten Platz von Großmeister Ante Brkic. Aber kehren wir zu den positiven Ergebnissen zurück. Der souveräne Sieger und kroatische Meister 2007 heißt Hrvoje Stevic! Der 28-jährige Student aus Djakovo, der für den Schachklub Wolfsberg in der 2. Bundesliga Mitte spielt, gewann das Turnier überzeugend mit einem ganzen Punkt Vorsprung (8 Punkte aus 12 Partien) vor Großmeister Robert Zelcic. Es folgt eine Partie des Siegers:

Stevic (2531) - Hulak (2552)

1.e4 c5 2.c3 Die Praxis zeigte, dass der 2.c3-Sizilianer keine echte Bedrohung für Schwarz darstellt, aber dennoch hat die Variante treue Anhänger wie Hrvoje Stevic.

2...Sf6 3.e5 Sd5 4.d4 cxd4 5.Sf3 e6 6.cxd4 d6 7.Lc4 Sc6 8.0-0 Le7 9.De2 0-0 10.Te1 Ld7 11.Sc3 Scb4 Neuer Zug.

12.Se4 dxe5 13.dxe5 Tc8 14.Lg5 Konsequent. Weiß will die Kontrolle über d6 und f6 gewinnen. Eine andere Alternative ist 14.Sd6 Lxd6 15.exd6.

14...Lxg5 15.Sexg5 h6 16.Se4 Sf4 Fast erzwungen: Weiß drohte Se4-d6 und a2-a3 mit Übernahme der Initiative.

17.Dd2 Txc4 18.Dxf4 Kh8? Kritischer Moment. Nach diesem Zug geriet Schwarz langsam unter Druck. Richtig war 18...Sc2! Zum Beispiel: 19.Sf6+ Dxf6 20.Dxc4 Dg6 21.Ted1 Sxa1 22.Txd7 Db1+ 23.Df1 Dxa2 24.Txb7 Sb3 25.h3 Dxb2 26.Txa7 mit Ausgleich.

19.Tad1 Sd5 19...Dc7 20.b3 Tc2 21.Sf6 Sd5 22.Sxd5 exd5 23.Txd5 Txa2 24.Td6 und Weiß dominiert klar im Zentrum und am Königsflügel.

20.Dd2 Dc7 21.Sf6 Typischer Springerzug in solchen Stellungen. Weiß konnte sich zwischen Sf6 und Sd6 entscheiden.

Diagramm

21...Tc8 21...Tc2 war spielbar, obwohl das Endspiel nach 22.Sxd5 Dc5 23.b4 Txd2 24.bxc5 Txd5 25.Txd5 exd5 26.Tb1 unangenehm wäre.

22.Sxd5 exd5 23.Sd4 23.Dxd5 gewinnt einen Bauern, aber Schwarz erhält nach 23...Le6 24.Dd6 Lg4 Gegenspiel.

23...Db6 23...Lg4 24.b3 Tc5 25.f3 Le6 kann den Stellungscharakter nicht wesentlich ändern.

24.b3 Tc3 25.Te3 Txe3 26.Dxe3 Da5 Die Dame steht meiner Meinung nach besser auf g6: 26...Dg6.

27.a4 Db4 28.h3 a6 29.Kh2 Tc3 30.Dd2 Dc5 30...Kg8 wäre ein natürlicher Zug, der gleichzeitig 31.Te1 verhindert: 31...Txh3+.

31.Te1 Dc7 32.f4 Kg8 33.Kh1 Plötzlich wird klar, dass Schwarz den weißen Sturm mit den e- und f-Bauern nicht verhindern kann.

33...b5 33...g6 hilft auch nichts: 34.f5 Lxf5 35.Sxf5 gxf5 36.Dxh6 De7 und hier hätte Weiß eine Menge Optionen. Die direkteste ist natürlich 37.e6 fxe6 38.Txe6 Tc1+ 39.Kh2 Dc7+ 40.Td6 Tc6 und nun 41.De6+ Kh8 42.De5+ Kg8 43.Dxd5+ Kh8 44.De5+ Kg8 45.Dg3+ mit technisch gewonnenem Endspiel.

34.axb5 axb5 35.f5 b4 36.e6 fxe6 36...Le8 37.f6 gxf6 38.e7 wäre ebenfalls aussichtslos.

37.fxe6 Le8 38.e7 Dd7 Auf 38...Kh7 folgt 39.Sf5 mit der Drohung Dd4 und auf 39...Dc5 dann 40.Df4.

39.Df4 Kh7 40.Se6 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog