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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 5071 vom 29.02.2008, Kategorie Kolumne

Top Turniere in Gibraltar und Moskau

Die Geschichte des Gibraltar Open ist zwar kurz, aber nichts desto trotz entwickelte sich dieses Turnier mit dem Hauptsponsor Gibtelecom als eines der stärksten und bestdotierten (1. Platz 12.000 Britische Pfund) in Europa. Bezeichnend für die starke Konkurrenz bei der sechsten Auflage Ende Jänner sind die Elozahlen der Preisträger: Von den ersten neun, ist nur ein Spieler unter der 2600er Marke. Zwei Spieler teilten sich den ersten Platz mit 8 Punkten aus 10 Partien. Im Stichkampf konnte sich Hikaru Nakamura, der Amerikaner mit japanischen Wurzeln, gegen seinen Rivalen aus China GM Xiangzhi Bu mit 2-0 durchsetzen und wurde als alleiniger Sieger gekrönt.

Als eine Art Ouvertüre zum Aeroflot Open fand heuer die vierte Auflage des Moskauer Open statt. Die großen Namen fehlten zwar, aber viele junge aufstrebende Großmeister aus Russland und den früheren Sowjetrepubliken nahmen daran teil und lieferten sich kompromisslose Kämpfe um die hohen Preisgelder.

Endstand nach 9 Runden: 1.Timofeev 7,5 Punkte, 2-10. Riazantsev, Volkov, Efimenko, Lastin, Jobava, Inarkiev, Kazhgaleyev, Moiseenko, Kurnosov alle mit 7 Punkten.

Ein Beispiel aus Moskau:

Krivoborodov (2394) - Jobava (2643)

1.e4 c6 2.d4 d5 3.exd5 cxd5 4.Ld3 Mit dieser Variante weicht Weiß von den theoretischen Diskussionen in der Caro-Kann Verteidigung ab. Anspruchsvoller ist natürlich der Panow-Angriff mit 4.c4.

4...Sc6 5.c3 Dc7 Vermeidet Lc1-f4.

6.h3 Vorbereitende Prophylaxe. Auf 6.Sf3 folgt 6...Lg4. Interessant ist 6.Se2 Lg4. Ein Beispiel aus der Großmeisterpraxis: 7.Lf4 Dxf4 8.Sxf4 Lxd1 9.Kxd1 Sf6 und Schwarz steht sogar besser.; 7...Ld7 8.Lf4 e5 9.dxe5 Sxe5 10.0-0 Ld6 11.Sd4 Se7 12.Lc2 f6 13.Sd2 g5 14.Lg3 h5 15.La4 0-0-0 16.Lxd7+ Dxd7 17.De2 Kb8 18.Sb5 Lc5+ 19.Kh1 Ka8 20.Sb3 Lb6 mit unklarem Spiel, 0-1, Brynell - Luther, Plovdiv 2003.

6...Sf6 7.Se2 7.Sf3 scheint natürlicher zu sein. Vor kurzem geschah: 7...g6 8.0-0 Lg7 9.Te1 0-0 10.Lg5 Lf5 11.Lxf5 gxf5 12.Dc1 Se4 13.Lf4 Dd7 14.Sbd2 Kh8 15.Sf1 Tg8 16.Sg3 Sxg3 17.Lxg3 Lf6 mit gleichen Chancen, 1-0, Radjabov -Grischuk, Odessa 2008.

7...e5 8.dxe5 Sxe5 9.Lf4 9.Sd4 Sxd3+ 10.Dxd3 Lc5 11.Le3 0-0 12.0-0 Ld7 13.Sd2 Tfe8 14.Tfe1 h6 15.S4f3, 1/2-1/2 Breder - Polak, Dresden 2007.

9...Ld6 10.Lxe5 Lxe5 11.Sd2 0-0 12.0-0 12.Sf3 Ld6 13.0-0 war präziser.

12...Lh2+ Kleine Feinheit. Auf dem Weg nach d6 vertreibt der Läufer den weißen König nach h1.Oft steht der Monarch hier ungünstig, da f2 eventuell schwach wird.

13.Kh1 Ld6 14.Sd4 a6 15.Te1 Ld7 16.Df3 Dieses Feld gehört eher dem Springer: 16.S2f3

16...Tae8 17.Sf5 Le5 18.Sb3 g6 19.Sfd4 Db6 20.Te2 Lb8 Mit der Idee: Dame vor dem Läufer.

21.Txe8 Txe8 22.Lf1 h5 Offensichtlich wird Weiß ohne g2-g3 nicht auskommen können. Dann wird der g3-Bauer mit h5-h4 unterminiert. Möglich war auch 22...Se4 23.g3 Te5

23.Sc5

Diagramm

Auf 23.g3 könnte 23...h4 24.gxh4 Te4 folgen.

23...Lxh3!! "Jobi" Jobava lässt sich so eine Kombination nicht entgehen! Schwarz hatte sogar eine einfachere Lösung mit 23...Lg4!? 24.hxg4 hxg4 25.Sd7 Sxd7 26.Dxd5 (26.Dxg4 Sf6 nebst 27...Db2.) 26...Sc5 und wenn 27.Lc4? dann 27...Dc7 28.g3 Se4 29.Kg2 Te5 mit Gewinn.

24.Sa4 Andere Züge kosten einfach einen Bauern: 24.Dxh3 Dxc5; oder 24.gxh3 Dc7 25.Dg2 Dxc5.

24...Dd6 25.Dxh3 Se4 26.Kg1 Df4 27.Sf3 La7 und gegen die Drohung auf f2 hat Weiß keine Verteidigung. 0-1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog