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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 5074 vom 07.03.2008, Kategorie Kolumne

Aeroflot Open in Moskau

Die diesjährige Auflage des Aeroflot Open vom 14. bis 22. Februar konnte das Niveau der früheren Jahre nicht erreichen. Es fehlten die großen Namen. Den A1-Bewerb (Mindestelozahl 2551) gewann der erst 17-jährige russische Großmeister mit dem unaussprechlichen Namen Ian Nepomniachtchi mit 7 Punkten aus 9 Partien. Sein Name, ins Deutsche übersetzt "der nichts Merkende", klingt lustig, aber am Schachbrett kennt der Junge keinen Spaß! Die Plätze 2 und 3 gingen an GM Motylev und GM Dreev, beide mit 6,5 Punkten. Die prominentesten Teilnehmer GM Bologan und GM Akopian landeten auf den Plätzen 10 und 26.

Der einzige Österreicher war Markus Ragger. Er nahm am A2-Bewerb (Elo zwischen 2401-2550) teil und musste neben Problemen am Schachbrett gegen eine Erkältung kämpfen. Den Umständen entsprechend war auch seine Platzierung als 59. mit 4 aus 9. Das Siegertrio: 1.GM Askarov mit 7, gefolgt von den zwei titellosen Chinesen W. Zhou ebenfalls mit 7 und Y. Wan mit 6,5.

Nepomniachtchi (2600) - Dreev (2633)

1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 Sc6 6.Lc4 Ld7 Eine wenig populäre aber doch interessante Fortsetzung. Die üblichen Züge sind: 6...e6 und 6...Db6.

7.Lg5 Auf 7.Lb3 wechselt Schwarz zu günstigen Drachen-Strukturen: 7...g6 8.f3 (8.Le3? Sg4) 8...Sxd4 9.Dxd4 Lg7.

7...Da5 8.Lxf6 gxf6 9.Sb3 Dg5 Nun ist eine Stellung entstanden, die typisch für die Anti-Rauzer Variante ist. GM Dreev, dessen Caro-Kann Verteidigung eine Ewigkeit nicht zu durchbrechen war, wechselte zu dieser wenig erforschten Abwicklung in der Sizilianischen Verteidigung und brachte dort einige frische Ideen ein.

10.g3 f5

Diagramm

11.e5 Der gefürchtete Theoretiker aus Graz, IM Walter Wittmann, konnte in der folgenden Partie mit seinem Gegner locker mithalten: 11.f4 Dg6 12.Sb5 Tc8 13.e5 a6 14.Sc3 Sxe5 15.fxe5 Txc4, Remis, Cao Sang - Wittmann, Budapest 2000.

11...Le6 Neuer Zug. 11...Sxe5?? wäre wegen 12.f4 ein grober Patzer. 11...dxe5 sieht auf den ersten Blick nicht gut aus: 12.Lxf7+ Kxf7 13.Dxd7, aber nach 13...Dh5 14.Dxb7 Df3 15.0-0 Lh6 hätte Schwarz gewisse Kompensation für den Bauern. Am konsequentesten scheint mir 11...0-0-0 12.exd6 Le8 zu sein.

12.Lxe6 fxe6 13.Sd4 Sxd4 14.Dxd4 Lg7 15.Da4+ Kf7 16.exd6 Lxc3+ Viele werden den "schönen" Läufer nicht hergeben wollen, und zwar mit Recht. Die Alternative wäre: 16...exd6 17.Db4 Thd8 und ich finde, dass Schwarz nicht schlechter steht.

17.bxc3 exd6 18.0-0 The8 Genauer war 18...Thd8.

19.Tad1 d5?! Die erste Ungenauigkeit. Nun wird die Stellung geöffnet und rund um den schwarzen König wird es windig. Zu empfehlen war 19...Ted8 20.Db4 De7 oder 19...De7.

20.c4! Natürlich! Zusätzlich trennt sich Weiß vom schwachen Doppelbauern.

20...dxc4 21.Td7+ Te7 22.Tfd1 Tae8 Auf 22...Kg8 folgt 23.Dxc4 Tae8 und 24.Dc7.

23.Dxa7 Dg4 24.De3 Der b7-Bauer ist indirekt gedeckt: 24.Dxb7?? Dxd1+.

24...Txd7 Beachtung verdiente 24...b5.

25.Txd7+ Te7 26.Td4 Dg7 27.a4 Nach 27.Txc4 Da1+ 28.Kg2 Dxa2 29.Th4 steht Weiß immer noch besser, aber der Bauerntausch erleichtert eher die Verteidigung.

27...Tc7 28.Df4 Kg6 29.c3 Unangenehmer Zug, besonders wenn der Gegner wenig Zeit hat. Die Drohungen 29.Td6 und 29.Txc4 hängen in der Luft.

29...De7 30.Txc4 e5 31.Txc7 Dxc7 32.Dd2 Erstaunlich, wie schnell und souverän der junge Russe dieses Endspiel realisiert.

32...Dc6 33.a5 Dc5 34.c4! e4 35.Dd8 De5 36.Db6+ Kh5 37.Dxb7 Kg6 38.a6 Da1+ 39.Kg2 Da3 40.Db6+ Kf7 41.h4 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog