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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 5087 vom 21.03.2008, Kategorie Kolumne

Anand siegt in Morelia-Linares

Kaum erholt vom Schachmarathon in Wijk aan Zee begaben sich sieben der Akteure, nämlich Anand, Carlsen, Topalov, Aronian, Ivanchuk, Radjabov und Leko, nach Morelia, wo die erste Hälfte des GM-Turniers stattgefunden hat. Das Oktett wurde mit Alexei Schirov komplett.

Der mexikanische Boden erwies sich für Viswanathan Anand als sehr fruchtbar. Er erntete ganze drei "schwarze" Siege, was eher untypisch für ihn ist. Die Punkte macht er normalerweise mit dem weißen "Aufschlag". Sein engster Verfolger Schirov lag einen halben Punkt dahinter. Für den Wahlspanier Schirov brachte der Wechsel nach Linares (Spanien) hingegen wenig Glück. Er verlor gleich die erste Partie gegen Anand und dann noch drei weitere. Anand seinerseits machte es sich mit dem Vorsprung gemütlich, riskierte nichts und remisierte die restlichen sechs Partien mühelos.

Die einzige Gefahr kam vom Co-Sieger in Wijk aan See, dem erst 17-jährigen Magnus Carlsen. Begleitet von viel Glück (in den Begegnungen mit Schirov, Topalov und Ivanchuk) erreichte der junge Norweger "+2", und ein Sieg in der Schlussrunde hätte ihm die Teilung des ersten Platzes gebracht. Seine Versuche, den Mehrbauern gegen Radjabov zu verwerten, blieben aber vergeblich und damit wurde er Zweiter. Ein weiterer toller Erfolg für Magnus Carlsen! Der Pechvogel des Turniers war Ivanchuk, der durch grobe Fehler viele Punkte am Brett ließ! Rein mathematisch hätten diese für den Turniersieg gereicht. Ein ähnliches Schicksal traf auch den Ex-Weltmeister Veselin Topalov.

Endstand nach 14 Runden: 1. Anand 8,5. 2. Carlsen 8. 3. Aronian 7,5. 4. Topalov 7,5. 5. Radjabov 7. 6. Ivanchuk 6,5. 7.Leko 5,5. 8.Schirov 5,5.

Shirov (2755) - Anand (2799)

1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Lg5 e6 7.f4 Sbd7 8.Df3 Dc7 9.0-0-0 b5 10.Ld3 Lb7 11.The1 Db6 12.Sb3 12...Tc8 13.Dh3

Diagramm

13...Txc3! Normaler Abtausch. Ich vermeide hier absichtlich das Wort "Opfer". In meiner Partie gegen Babula (a3 und Le7 eingeschaltet) war es mir unmöglich, diesen zerstörerischen Zug zu vermeiden.

14.bxc3 Dc7 15.Kb1 Le7 16.e5 dxe5 17.f5 Beachtung verdient 17.fxe5!? Sd5 18.Lxe7 und auf 18...Sxc3+ 19.Ka1 Sxd1 (19...Kxe7 20.Td2) 20.Lb4. Zum Beispiel: 20...Sc3 21.Dg3 g6 22.Ld6 Dc8 (22...Dc6? 23.Dh4 Sd5 24.c4 bxc4 25.Sa5) 23.Dh4 Sd5 24.c4 bxc4 25.Lxc4 und Weiß steht riesig.

17...Sd5 18.Lxe7 Kxe7 Nach 18...Sxc3+ 19.Ka1 Sxd1 20.Lb4 e4 21.Le2 De5+ 22.c3 erhält Schwarz Probleme.

19.fxe6 fxe6 20.Dg3 g6 21.Td2 Tc8 22.Dg5+ Interessant war 22.Tf2!? und nach 22...Dxc3 23.Tef1 S5f6 folgt 24.Txf6 Sxf6 25.Txf6. Nun ist aber 25...e4! stark: (25...Kxf6? wäre wegen 26.Dh4+ Kg7 27.De7+ mit Dauerschach ein Fehler.) 26.Tf1 exd3 27.cxd3 Dc2+ 28.Ka1 Dc7 mit klarem Vorteil für Schwarz, aber Weiß hätte immerhin noch ein Mitspracherecht.

22...Ke8 23.Dg4 Sxc3+ 24.Ka1 Ld5 25.Te3? Kein guter Zug - leicht zu sagen! Eine konstruktive Alternative ist aber nur schwer zu empfehlen.

25...Sf6 Der Inder sucht den kürzesten Weg zum vollen Punkt. Anand hatte auch die Option 25...e4!? 26.Lxe4 Sf6 und nach 27.Lxg6+ hxg6 28.Dxg6+ Df7 sollte das Endspiel für Schwarz technisch gewonnen sein.

26.Dh4 De7 27.Lf1?? Verliert forciert. Die indirekte Verteidigung gegen Da3 war 27.Dh3, da 27...Da3 wegen 28.Lxg6+ hxg6 29.Txc3 nicht geht. Statt 27...Da3 hätte Anand sehr wahrscheinlich mit 27...Db4 fortgesetzt und damit Shirov vor kaum lösbare Probleme gestellt.

27...Lxb3 28.cxb3 Sce4 29.Tb2 Tc1+ 30.Tb1 Dc5 0-1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog