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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 5126 vom 16.05.2008, Kategorie Kolumne

Neuer Europameister: Sergei Tiviakov

Nach der gelungenen Austragung der Teameuropameisterschaft 2003 gewann Plovdiv, die zweigrößte Stadt Bulgariens mit einer langen erfolgreichen Schachtradition, die Bewerbung für die Einzeleuropameisterschaft 2008 vom 20. April bis 4 Mai. Bei den Herren fehlten allerdings die großen Namen der 2700 Elo Klasse und bei den Damen vermisste man die stärksten Damen aus Russland-Alexandra Kosteniuk und die Schwestern Kosintseva. Nichts desto trotz war das Feld in beiden Bewerben stark und dicht besetzt. Österreich wurde von Eva Moser bei den Damen und Sigfried Baumegger (amtierender Staatsmeister) und Gerhard Schroll bei den Herren vertreten. Eva spielte wechselhaft, konnte aber mit einem Sieg in der Schlussrunde unter die ersten 20 kommen und sich für die nächste Weltmeisterschaft qualifizieren. Leider war ihre Gegnerin die Ex-Weltmeisterin und Europameisterin Antoaneta Stefanova und noch dazu mit Schwarz! Nach einer extrem spannenden und langen Partie musste sich Eva leider geschlagen geben. Gerhard Schroll spielte ein tolles Turnier und zeigte sich gegenüber den 10 Großmeistern ebenbürtig, die er als Gegner hatte! Für Sigi Baumegger erwies sich die dritte Runde als psychologischer Stolperstein. In gleicher Stellung verlor er unnötig gegen den starken GM Aleksandrov wodurch er nicht wirklich ins Turnier fand und im Rahmen seiner Erwartung blieb.

Sieger wurde der Holländer Sergei Tiviakov, der in der letzten Runde gegen den Langzeitführenden Emil Sutovsky gewann und sich über seinen größten Erfolg seit seinem Kandidatenmatch 1995 freuen konnte! Nach einem Stichkampf landete Sergei Movsesian (Slowakei) auf dem zweiten Platz vor Sergey Volkov (Russland).

Endstand bei den Damen:
1. Kataryna Lahno (Ukraine) 8,5 Punkte.
2. Viktorija Cmilyte (Litauen) 8.
3. Anna Ushenina (Ukraine) 8.
31.Eva Moser 6,5.

Sutovsky (2630) - Vavrak (2466)

1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sd2 Le7 Eine Art Abwartezug. Schwarz vermeidet damit die Variante:3...Sf6 4.e5 Sfd7 5.f4.

4.Sgf3 Sf6 5.e5 Sfd7 Zu überprüfen ist 5...Se4 6.Ld3 Sxd2 7.Lxd2 c5.

6.Ld3 c5 7.c3 Sc6 8.0-0 a5 9.Te1 cxd4 10.cxd4 Db6 Auf 11.Sb3 folgt nun 11....a4. Das war die Idee von 8.....a5. 10...a4 11.Sb1 Sb6 12.Sc3 Sb4 13.Lf1 Ld7 14.a3 Sc6 15.Lf4 Sa5 16.Sd2 Tc8 17.Tc1 0-0 18.Ld3 Sac4 19.Sxc4 Sxc4 20.Tc2 g6 21.Lh6 Te8 22.Lc1 b5 23.g3 b4 24.axb4 Lxb4 und Schwarz überspielte langsam seinen jüngeren Kollegen, 0-1, Klein (2268) - Korchnoi (2569), Bad Wörishofen 2004.

11.Sb1 Sxd4 12.Sxd4 Dxd4 13.Sc3 Lc5 13...Db6 sieht gesünder aus.

14.Sb5 Dxf2+ 15.Kh1 0-0 16.Lg5 Es droht Damenfang mit 17.Tf2.

16...Lb4 17.Tf1 Dxb2 18.a3 Lc5 19.Lf4 Und wieder ist die schwarze Dame in Gefahr: Es droht 20.Tb1 Da2 21.Sc3 Da3 22.Tb3.

19...Sxe5 20.Lxh7+ Interessant war 20.Tb1!? Sxd3 21.Dxd3 Da2 22.Tbc1 Ld7 23.Txc5 b6 24.Tc3 Lxb5 25.Dxb5 Tfc8 26.Lc7.

20...Kxh7 21.Dh5+ Kg8 22.Lxe5 Dxb5??

Diagramm

Grober Fehler. Richtig war 22...Dc2! Zum Beispiel: 23.Tac1 (23.Tfc1 Df2 24.Lxg7 Kxg7 25.Dg5+ Kh7 26.Dh5+ Kg7 27.Dg5+ mit Dauerschach.) 23...Dg6 24.Dxg6 fxg6 25.Txf8+ Lxf8 26.Sc7 Ta7 27.Sb5 Ta8 28.Sc7 mit Zugwiederholung. Auf 22...Dd2? folgt 23.Sc7! f6 (23...Tb8 24.Lxg7 Kxg7 25.Se8+!! oder 23...Ta7 24.Lxg7 Kxg7 25.Se8+!) 24.Sxa8 fxe5 25.Txf8+ Lxf8 26.De8 mit Gewinn.

23.Lxg7!! f5 Einziger Zug. 23...Kxg7 24.Dg5+ Kh8 (24...Kh7 25.Tf6) 25.Tf3.

24.Le5 Td8 25.Tf3 Kf8 26.Tg3 und Matt in 4. 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog