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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 5128 vom 23.05.2008, Kategorie Kolumne

Grand Prix in Baku

Ein neues FIDE-Konzept, eine Grand Prix-Serie von sechs Turnieren, startete in der Zeit vom 20. April bis 6.Mai mit dem ersten Bewerb in Baku (Aserbaidschan). Aus verschiedenen Gründen unterschrieben die weltbesten Spieler Anand, Kramnik und Topalov den von der FIDE angebotenen Vertrag leider nicht. Für Furore im Turnier sorgten nicht die Elo-Favoriten, die Lokalmatadore Radjabov und Mamedyarov, sondern der ebenfalls aus Aserbaidschan stammende 22 jährige Vugar Gashimov! Er gewann ungeschlagen mit 8 Punkten vor einem weiteren Außenseiter, dem Chinesen Wang Yue mit ebenfalls 8 Punkten. Mit einem Sieg in der Schlussrunde holte der Norweger Magnus Carlsen die beiden noch ein und bestätigte damit seine ständig steigende Klasse!

Gashimov (2679) - Grischuk (2716)

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 d6 Die (moderne) Steinitz Verteidigung ist eine Rarität in der Großmeisterpraxis.

5.0-0 Lg4 6.h3 h5 7.d4 7.hxg4 ist spielbar: 7...hxg4 8.g3 gxf3 9.Dxf3.

7...b5 7...Lxf3 8.Lxc6+ bxc6 9.Dxf3 exd4 ist für Schwarz gefährlich, da nach 10.Te1 e4-e5 (oder c2-c3) droht.

8.Lb3 Sxd4 Interessant ist 8...Lxf3 9.Dxf3 Df6 und auf 10.Dc3 folgt mutig 10...Sxd4. Zum Beispiel: 11.Dxc7 De7 12.Db6 Dd8 13.Db7 Le7 14.Sc3 Dc8.

9.hxg4 Sxb3 Kritisch ist die Variante. 10.Sg5 Sh6. 11.Le3. Hier verfügt Weiß auch über andere Möglichkeiten:

a)11.f4 c6!?

b)11.Ld5 c6 12.c3 cxd5 13.cxd4 Le7 14.Dd2 dxe4 15.dxe5 d5 16.Sc3 e3 17.Dxd5 Lxg5 18.Dc6+ Kf8 19.Lxe3 Lxe3 20.fxe3 mit Vorteil für Weiß, Remis, De Firmian - Timman, Reykjavik 2000

c)11.g3 Le7 12.f4 c6 13.Le3 Sxb3 14.cxb3 d5 15.Dc1 Tc8 16.fxe5 d4 17.Td1 dxe3?? (richtig war 17...Sf5 18.Lf4 Th5) 18.Txd8+ Txd8 19.Dxc6+ Kf8 20.Sc3 und Weiß sollte gewinnen, die Partie endete aber 0-1, Kindermann -Jussupow, 1995.

11...Le7 12.Lxd4 exd4 13.f4 (13.Sxf7 Sxf7 14.Dxg4 Se5 15.Dxg7 Lf6 16.Dg3 scheint unklar zu sein.) 13...Lxg5 14.fxg5 Dxg5 15.Dxd4 c5 16.Dd2 Dxd2 17.Sxd2 c4 18.Lxc4 bxc4 19.Sxc4 Ke7 20.Tad1 mit besserem Endspiel für Weiß.

10.axb3 hxg4 11.Sg5 Dd7 12.Dd3 Tb8 Hier eine Analyse von Rybka: 12...c6 13.c4 b4 14.c5 f6 15.Sd2 fxg5 16.Sc4 Df7 17.Td1 d5 18.Sxe5 Dh5 19.Kf1 Dh2 20.Sg6 Th6 21.exd5 Dh1+ 22.Ke2 Dxg2 -modernes Schach! 12...f6 wäre verfrüht: 13.Dd5 Tb8 14.Se6.

13.Txa6 f6 14.Sc3 fxg5 15.Lxg5 Le7 16.f4 gxf3 Nach 16...Lxg5 17.fxg5 Se7 18.Sxb5 Sg6 19.Sc3 Sf4 20.Dc4 g3 21.Sd5 Sxd5 22.Dxd5 Tf8 23.Txf8+ Kxf8 24.g6 hat Weiß einen Bauern mehr. Das Schwerfigurenendspiel nach 16...Sf6 17.Lxf6 gxf6 18.Sd5 c6 19.Sxe7 Dxe7 20.Dg3 ist auch nicht einfach für Schwarz.

17.Dxf3 Sf6 18.Sd5 Beachtung verdient 18.Lxf6 gxf6 19.Sd5 Th6 20.Ta7 Ld8 21.Tfa1.

18...Sxd5?! Dieser Zug bringt Grischuk in echte Schwierigkeiten. Aber andere Endspielalternativen nach 18...0-0 19.Lxf6 (oder 19.Df5 Tbd8 20.Dxd7 Txd7 21.Lxf6 Lxf6 22.Tc6 Tff7 23.Sc3) 19...Lxf6 20.Ta7 Lh4 21.Txc7 Txf3 22.Txd7 Txf1+ 23.Kxf1 Tf8+ 24.Kg1 Kh7 25.Kh2 Tf2 26.Kh3 Lg5 27.c4 bxc4 28.bxc4 Txb2 29.Txd6 gefielen dem Russen anscheinend noch weniger.

19.Df7+ Kd8 20.Dxg7 Kc8?? Entscheidender Fehler. Richtig war 20...De8 21.exd5 Lxg5 22.Dxg5+ Kc8 23.Ta7 Tb7 und Schwarz lebt noch.

21.Dxh8+ Kb7 22.Dh7 Dg4 Auf 22...Kxa6 folgt 23.exd5 Te8 24.Tf7.

23.exd5 Dd4+ 24.Kh1 Lxg5 25.Tfa1 Le3 26.Ta7+ Dxa7 27.Txa7+ Lxa7 28.g4 Tf8 28...Le3 geht wegen 29.Dd3 nicht.

29.g5 Tf2 30.De4 Tf1+ 31.Kh2 Tf4

Diagramm

32.Dxf4! Elegantes Finale!

32...exf4 33.c3! 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog