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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 5235 vom 14.11.2008, Kategorie Kolumne

Anand verteidigt seinen WM-Titel

Vom 14. bis 29. Oktober verteidigte Viswanathan Anand seinen WM-Titel in Bonn in einem Zweikampf gegen Vladimir Kramnik. Trotz aller Prognosen für ein ausgeglichenes Match, gewann er klar mit 6,5 - 4,5 Punkten und wurde damit der einzige Spieler, der den Weltmeistertitel in drei verschiedenen Austragungsmodi gewinnen konnte: Im Jahr 2000 im KO-System, 2007 in einem Rundenturnier und nun im Zweikampf!

Das Duell fing ruhig mit zwei Unentschieden an. In der dritten landete der Inder einen Volltreffer! Mit einer neuen Idee in der slawischen Verteidigung (vorbereitet mit seinem Sekundanten und Ex-Weltmeister Rustam Kasimjanov) überraschte er den Herausforderer Kramnik und gewann spektakulär! Die theoretische Auseinandersetzung wurde in der fünften Runde (unsere heutige Analyse) fortgesetzt, wo die schwarze Strategie erneut triumphierte. Der Russe versuchte in der sechsten Partie mit Schwarz den Spielverlauf umzudrehen, wurde aber kaltblütig bestraft. Damit war das Match entschieden. In der zehnten konnte Kramnik zwar meisterhaft gewinnen, aber den Wettkampf zu retten, war es zu spät. Es blieben nur noch zwei Partien und Anand verwertete gleich den ersten "Matchball". Damit wird Anand, nach so vielen Jahren Zwist und Spaltung in der Weltschachgemeinde, würdiger und unbestrittener Weltmeister!

Kramnik (2772) - Anand (2783)

1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 e6 5.e3 Sbd7 Die Merano-Variante der slawischen Verteidigung war noch nie gefährdet aus der Mode zu kommen.

6.Ld3 dxc4 7.Lxc4 b5 8.Ld3 a6 Die Alternative ist hier 8...Lb7. Kramnik spielte sie mit Schwarz: 9.a3 b4 10.Se4 Sxe4 11.Lxe4 bxa3 12.0-0 Sf6 13.Ld3 axb2 14.Lxb2 a5 15.Da4 Lb4 16.La3 Sd5 17.e4 Sb6 18.Db3 De7 19.Tab1 Lxa3 20.Dxb6 Lb4 21.Se1 0-0 22.Sc2 Tfd8 23.Sxb4 axb4 24.Dxb4 Dxb4 25.Txb4 La6 26.Lxa6, remis, Gelfand (2733) -Kramnik (2769), Mexiko City 2007.

9.e4 c5 10.e5 Die andere scharfe Fortsetzung ist 10.d5.

10...cxd4 11.Sxb5 axb5 12.exf6 gxf6 13.0-0 Db6 14.De2 Lb7! Diese starke Neuerung demonstrierte Anand schon in der dritten Partie. Man könnte behaupten, dass diese neue Idee den Wettkampf entschieden hatte: Der Inder erntete damit zwei "schwarze" Siege! Bis jetzt wurde 14...b4 und 14...La6 gespielt.

15.Lxb5 Tg8N Anand weicht zuerst von der dritten Partie ab, was einen psychologischen Vorteil mit sich bringt.

16.Lf4 Ld6 17.Lg3 Natürlich strebt Kramnik mehr als Remis durch Dauerschach an: 17.Lxd6 Dxd6 18.Tfd1 e5 19.Txd4 Dxd4 20.Sxd4 Lxg2 21.Lxd7+ Kxd7 22.De3 Lh3+ 23.Kh1 Lg2+ 24.Kg1 Lh3+.

17...f5 18.Tfc1 f4 19.Lh4 Le7 20.a4 Lxh4 21.Sxh4 Ke7 22.Ta3 Damit verliert Weiß nur Zeit. Die Alternativen waren: 22.g3 Tg5 23.Lxd7 Kxd7 24.Sf3 Lxf3 25.Dxf3 Tb8 26.a5 oder 22.Dh5 Dd6 23.Lxd7 Dxd7 24.f3 d3 25.De5 f6 26.Dxf4 Tgc8 27.Td1 Kf7 28.Kh1 Kg7.

22...Tac8 23.Txc8 Txc8 24.Ta1 Dc5 25.Dg4 De5 26.Sf3 Df6 27.Te1 Hier wird schon klar, dass 27.Sxd4?? nicht funktioniert: 27...Dxd4 28.Td1 Sf6 29.Txd4 Sxg4 30.Td7+ Kf6 31.Txb7 Tc1+ 32.Lf1 Se3! Aber nach 27.Td1 Se5 28.Sxe5 Dxe5 29.Dh4+ Df6 30.Dxf6+ Kxf6 31.f3 Ke5 32.Ld3 Ta8 oder 27.Lxd7 Kxd7 28.Sxd4 Ke7 29.Td1 Tc4 30.Sb5 Txa4 31.Sc3 Td4 32.Txd4 Dxd4 33.Dh4+ könnte die Partie remis enden.

27...Tc5 28.b4?! Besser war 28.Kf1 h5 29.Dh3 Td5 30.Td1.

28...Tc3 Es droht 29...Lf3 30.gxf3 Se5.

29.Sxd4?? Grober Fehler in schwieriger Stellung. Nach 29.Lxd7 Kxd7 30.Sd2 Ld5 31.h3 d3 steht Weiß schlecht, aber nicht hoffnungslos.

29...Dxd4 30.Td1 Sf6 31.Txd4 Sxg4 32.Td7+ Kf6 33.Txb7 Tc1+ 34.Lf1

Diagramm

34...Se3! 35.fxe3 fxe3 0-1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog