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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 5248 vom 02.01.2009, Kategorie Kolumne

Doping für den König?

Doping im Schach ist nach dem "Fall Ivanchuk" bei der Schacholympiade in Dresden wieder ein aktuelles Thema. Kurze Zusammenfassung: Der Ukrainer verweigerte den Dopingtest, kurz nachdem er seine Partie gegen Kamsky in der letzten Runde verlor. Möglich wäre, dass er missverstand, was man von ihm verlangte, vermutlich verließ er einfach - über die Niederlage verärgert - rasch den Turnierort. Mit Spannung wird jedenfalls die Entscheidung des Weltschachbundes (FIDE) erwartet. Der Präsident Ilyumzhinov kündigte bereits harte Konsequenzen für die Nummer 3 der Welt.

Für die ganze Problematik sind aber auch die folgenden Fragen relevant: Wurde auch der Sieger Kamsky kontrolliert oder gar die gesamten Teams Armeniens (Gold), Israels (Silber) und USA (Bronze)? Wenn ja, wie sind die Ergebnisse ausgefallen? Und wenn nein, warum eigentlich nicht? Und am Wichtigsten: Womit sollte ein Schachspieler gedopt sein (Kaffee ist wohl erlaubt)? Wenn schon Dopingkontrollen sogar im Schach für notwendig erachtet werden, dann wenigstens umfassend und regelmäßig, wie beim Schwimmen, Radfahren oder der Leichtathletik. Das wäre allerdings ziemlich kostenaufwendig! Damit könnte sich die ganze Diskussion übers Doping im Schach von alleine lösen!

Inzwischen macht Vassily Ivanchuk was er am besten kann, nämlich Schachspielen. Er gewann das Turnier in Benidorm (Spanien) mit 8 aus 10 vor Schirov 7,5 und Tiviakov 5,5.

Ivanchuk (2786) - Tiviakov (2686)

1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 g6 5.c4 Sf6 6.Sc3 Sxd4 7.Dxd4 d6 8.Lg5 Die andere Hauptalternative ist 8.Le3. Z.B.: 8...Lg7 9.f3 0-0 10.Dd2 Le6 11.Tc1 Da5 12.Ld3 Tfc8 13.b3 a6 14.Sa4 Dxd2+ 15.Kxd2 Sd7 mit einer Spur besseren Chance für Weiß.

8...Lg7 9.Dd2 Le6 10.Tc1 Weiß muss vorsichtig spielen. 10.Le2? wäre schon wegen 10...Tc8 11.b3 Sxe4 leichtsinnig.

10...0-0 11.Ld3 Interessant ist hier 11.Le2 Da5 12.0-0 Tfc8 13.b3 a6 14.f4 und auf 14...b5 15.f5.

11...Da5 12.0-0 Tfc8 13.b3 a6 14.Tfe1 Martin Neubauer versuchte einmal 14.f4 b5 15.f5 aber nach 15...bxc4 16.fxe6 cxd3 17.exf7+ Kxf7 18.Lxf6 Lxf6 19.Dxd3 Dc5+ 20.Kh1 Kg7 bekam Schwarz eine angenehme Stellung.

14...Tc5 Schwarz glich in der Begegnung Polugaevsky (2630) - Jansa (2535) problemlos aus: 14...Kf8 15.Tc2 b5 16.cxb5 axb5 17.Tec1 b4 18.Sb5 Txc2 19.Txc2 Ld7 20.Sc7 Tc8 21.Dc1 De5 22.Tc4 Sg4 23.Lf4 Da1 24.h3 Dxc1+ 25.Txc1 Se5, remis, Sochi 1974.

15.Le3 Tc6 Hier scheint 15...Sg4! stark zu sein. Z.B.: 16.Lxc5 Dxc5 17.Sd5 Lh6 18.Se3 a5 19.g3 Sxe3 20.fxe3 Lg7 und Schwarz steht nicht schlechter.

16.h3 Sd7 17.Lf1 Lxc3!? Eine mutige Entscheidung, sich von diesem Läufer zu trennen! Die Alternativen waren: 17...Te8 oder 17...Tac8.

18.Txc3 b5 19.Tec1 Tac8?

Diagramm

Ein logischer und guter Zug, würde man meinen! Richtig war 19...b4 20.T3c2 Sc5 21.Ld3 f6 22.Ld4 Tb8 23.Td1 Dc7 oder 19...Sc5 20.f3 b4.

20.cxb5!! Ivanchuk lässt sich solche Opfer nicht entgehen!

20...Txc3 21.bxa6! Schwarz hat einen ganzen Turm mehr, aber dieser materielle Vorteil ist, wegen der Fesselung nicht zu halten. 21.Ld4 wäre nicht so gut: 21...Txc1 22.Dxa5 axb5 23.Dxb5 Td1 24.Le3 Ta8 25.De2 Ta1 26.a4 Tb1 27.Dc2 Txb3 und Schwarz kann zufrieden sein.

21...Sf6 Auf 21...Se5 folgt 22.f4! und auf 21...Dxa6 einfach 22.Txc3.

22.f3! Weiß kann sich sogar solche Züge leisten!

22...T3c5 Es ist keine Rettung mehr da! 22...Ld7 verliert ebenfalls: 23.a7 T3c5 24.Txc5 Txc5 25.b4 Dxa7 26.bxc5 dxc5 27.Dc2 und Weiß gewinnt einen Bauern mit entscheidendem Vorteil.

23.Txc5 Txc5 24.b4 Da3 25.bxc5 dxc5 26.Lh6 Sd7 27.Lb5 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog