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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 5272 vom 13.02.2009, Kategorie Kolumne

Sergei Karjakin Sieger in Wijk aan Zee

Ganze sechs Spieler hatten vor der Schlussrunde Chancen auf den Turniersieg beim traditionellen Großmeisterturnier in Wijk aan Zee. Aber nur der 19-jährige Ukrainer Sergei Karjakin schaffte es, in der Schlussrunde voll zu punkten und zwar mit Schwarz in einer dramatischen Auseinandersetzung gegen den Blitzweltmeister aus Kuba, Lenier Dominguez. Damit wurde er alleiniger Sieger, sein erster großer Erfolg. Im sehr starken B-Turnier konnte sich der erst 17-jährige Italiener Fabiano Caruana in der Schlussrunde gegen den Tabellenführer Nigel Short mit viel Glück durchsetzen. Damit überholte er den Engländer und eroberte den ersten Platz, was ihm den Aufstieg ins A-Turnier für nächstes Jahr bescherte.

Endstand nach 13 Runden:
1. Karjakin 8. Punkte.
2. Aronian 7,5.
3. Radjabov 7,5.
4. Movsesian 7,5.
5.Carlsen 7.

Dominguez Perez (2717) - Karjakin (2706)

Die entscheidende Partie um den Turniersieg.

1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Le3 Sg4 7.Lc1 Damit wird Zeit gewonnen (durch Zugwiederholung) und abgewartet, wie der Gegner reagiert.

7...Sf6 8.Le3 Sg4 9.Lg5 h6 10.Lh4 g5 11.Lg3 Lg7 12.h3 Sf6 Noch frisch ist die Erinnerung an die tolle Partie von Markus Ragger bei der Schacholympia in Dresden 2008: 12...Se5 13.Sf5 Lxf5 14.exf5 Sbc6 15.Sd5 e6 16.fxe6 fxe6 17.Se3 Da5+ 18.c3 Sf3+ 19.Dxf3 Lxc3+ 20.Kd1 Da4+ 21.Sc2 Lxb2 22.Tc1, 1-0, Ragger - Adly.

13.De2 Eine relativ neue Idee. Öfter wird hier 13.Lc4, 13.Df3 oder13.Le2 gespielt.

13...Sc6 14.Sxc6 bxc6 15.e5 dxe5 16.Lxe5 0-0 17.g4 Das ist ein neuer Zug.

17...a5 18.h4 Schwarz kann jetzt nicht mit g5-g4 vorbeiziehen und die h-Linie wird geöffnet. 18.Lg2 lenkt die Partie in andere Richtung: 18...La6 19.De3 a4.

18...Lxg4 19.f3 Lf5 20.hxg5 hxg5 21.De3 a4 Beachtung verdient auch 21...Lxc2 22.Dxg5 Lg6.

22.Dxg5 Lg6 23.Ld3 Eine interessante Idee wäre zuerst 23.Lc4 und auf 23...e6 24.Ld3.

23...a3 Zu unklarem Spiel führt 23...Da5 Zum Beispiel: 24.Lxg6 fxg6 25.f4 a3 26.b4 Dxb4 27.Dxg6 Ta5 28.Th3 Dc4 29.Td1 Df7.

24.b4 Die Alternative war 24.Lxg6 fxg6 25.b4.

24...Db6 25.Th4 Weiß hatte gleichwertige Optionen zur Verfügung: 25.Tb1 und 25.Lxg6 fxg6 26.Td1 Se8 27.Lxg7 Sxg7 28.Td3 Tf6 29.Dh6 Kf7.

25...Sh7 26.Txh7 Sieht sehr verlockend aus, ist aber unklar. Etwas ruhiger war 26.Df4 Dg1+ 27.Lf1 Lxe5 28.Dxe5 Tad8, doch die Stellung bleibt unklar.

26...Kxh7 Nach 26...Lxe5 27.Dxe5 Dg1+ 28.Kd2 Dg2+ 29.Se2 Kxh7 30.Tg1 Dxf3 31.Dh2+ Kg7 (Oder 31...Kg8 32.Th1 Kg7 33.Dh6+ Kf6 34.Dh4+ Kg7 35.Th3!) 32.Sd4 Df6 33.Sf5+ Kg8 34.Sh6+ Kg7 35.Sf5+ könnte Weiß zumindest Dauerschach forcieren bzw. mit 35.Sxf7 Kxf7 36.Tf1 Lxd3 37.Txf6+ exf6 38.Kxd3 weiter probieren

27.0-0-0 Dxb4 28.Th1+ Nach 28.Lxg6+ fxg6 29.Th1+ Kg8 30.Dxg6 Tf6 31.Dd3 Kf8 sollte die Schwarz Stellung in Ordnung sein.

28...Kg8 29.Lxg7??

Diagramm

Mit knapper Zeit ist in so einer komplizierten Stellung leicht ein Fehler zu begehen. Richtig war 29.Lxg6 fxg6 30.Dxg6 Tf6 31.Dd3.

29...Kxg7 30.Dh6+ Auf 30.De5+ f6 31.Dg3 folgt 31...f5 mit entscheidendem Vorteil für Schwarz.

30...Kf6 31.Se4+ Der schwarze König kann sich nach 31.Lxg6 fxg6 32.Se4+ Ke6 33.Dxg6+ Kd7 34.Td1+ Kc7 in Sicherheit bringen

31...Ke6 32.Td1 Db2+ 33.Kd2 Kd7 34.Df4 Das Endspiel sollte nach 34.Sc5+ Ke8 35.Lxg6 Td8+ 36.Ke2 Db5+ 37.Td3 Txd3 38.Sxd3 fxg6 39.Dxg6+ Kd7 für Schwarz leicht zu gewinnen sein.

34...Tfd8 35.Ke2 Ke8 36.Th1 Ta5 37.Dc7 Tad5 38.Ke3 Kf8 39.c3 Txd3+ 40.Kf4 f6 41.Th8+ Kf7 41...Kf7 42.Txd8 Dh2+ 43.Sg3 Dh4# 0-1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog