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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 5299 vom 27.03.2009, Kategorie Kolumne

Remis gegen die Weltmeisterin (Teil 1)

Heute bieten wir etwas ganz Besonderes. Einen Gastkommentar von Österreichs Nummer 1 bei den Damen, Eva Moser, die uns tiefe Einblicke in Ihre Gedanken gewährt: Bei der letztjährigen Schacholympiade in Dresden ging ich erstmals seit Istanbul 2000 wieder für das österreichische Damenteam an den Start. Nach vier Siegen in den ersten fünf Runden erwartete uns Topfavorit Russland - mit der amtierenden Weltmeisterin Alexandra Kosteniuk auf Brett 1. Nachdem mir ein "Weltmeisterinnen-Skalp" in meiner Sammlung noch fehlte, ging ich in dieser Partie besonders motiviert zu Werke.

Moser (2376) - Kosteniuk (2525)

1.Sf3 d5 2.g3 Da ich mir sicher war, dass sich Alexandra Kosteniuk gegen mein lückenhaftes 1.e4-Repertoire bestens vorbereitet hatte, zog ich es vor, einem Theorieduell aus dem Weg zu gehen und meine Chancen in eher unbekannten Stellungen zu suchen. Wie so oft spiegelt sich daher meine kämpferische Einstellung nicht in den Eröffnungszügen wider.

2...Lg4 3.Lg2 c6 4.0-0 Sd7 5.d3 e6 6.Sbd2 Ld6 7.e4 Se7 8.d4!? 0-0 9.Te1 9.e5 Lc7 schien mir verfrüht, da Schwarz mit c6-c5 und f7-f6 sehr schnell die weißen Zentrumsbauern attackieren kann.

9...Lh5 10.c4!? Aufgrund der passiven Stellung beider schwarzen Springer hielt ich ein wenig Aktivität im Zentrum für angebracht. Doch auch im Nachhinein ist mir nicht klar, welcher der korrekte Plan an dieser Stelle ist. In einer nahezu identischen Position schob ich wenige Monate später den c-Bauern nur ein Feld nach vor, ließ den Vormarsch des a-Bauern bis nach a6 folgen und konnte einen ziemlich ungefährdeten Sieg erringen (Moser, E. - Meier, Th., Jena 2009).

10...Lb4 11.Db3 Da5 12.Td1 b5 13.cxd5 cxd5 14.a3 Ld6 15.e5 Lc7 16.Sf1 Sc6 17.Ld2 Db6 18.Le3 Tfc8 Die Bauernstruktur erinnert an die französische Verteidigung, wobei hier der üblicherweise "schlechte" weißfeldrige Läufer von Schwarz auf h5 eine deutlich aktivere Rolle übernimmt. Jedoch hat meine Gegnerin mit zwei anderen "Sorgenkindern" zu kämpfen: dem deplatzierten schwarzfeldrigen Läufer und dem passiven Springer auf d7. Die Stellung dürfte sich ungefähr im Gleichgewicht befinden.

19.S1d2 Ld8! Der Läufer wird auf das weit wirkungsvollere Feld e7 überführt.

20.Tdc1 Le7 21.Dd3 Ungefähr ab hier war meine Bedenkzeit aufgebraucht und ich musste mit dem 30 Sekunden Bonus pro Zug über die Runden kommen. Mein gewohnt schlechtes Zeitmanagement wirkte sich diesmal glücklicherweise nicht auf die Qualität meiner Züge aus.

21...Lg6 22.De2 b4 Auf 22...Sa5 hatte ich 23.b4 Sc4 24.Sb3 mit etwa gleichem Spiel geplant.

23.a4 Sa5 24.Db5 Dd8 25.Lf1 Lc2?! 26.Se1 a6?! Auf a6 befindet sich der Bauer im Visier des Läufers f1 und neigt daher eher zur Schwäche als auf seinem Ausgangsfeld. Nach dieser weiteren Ungenauigkeit hat Schwarz mit leichten Problemen zu kämpfen.

27.De2 Lg6 28.Dd1 Mit diesem Zug plante ich, mindestens ein Turmpaar zu tauschen, wonach Schwarz auf Grund der Schutzbedürftigkeit des Bauern a6 den Kampf um die c-Linie aufgeben muss.

28...Sb6 29.Txc8 Sxc8 30.Tc1 Db6 31.b3 Sa7 32.Sd3 S7c6 33.Sc5 Sb7 34.Sxb7 Dxb7 35.Sf3 Sa5 36.Sd2 Sc6 37.Sf3 Diese Springerzüge geschahen nicht in der Absicht, eine Punkteteilung durch dreifache Stellungswiederholung herbeizuführen, sondern im Bestreben, den rettenden 40. Zug ein wenig näher zu kommen.

37...Db6 Offensichtlich wollte sich auch meine Gegnerin nicht mit Remis zufrieden geben.

Diagramm

38.Ld3! Da nun das Feld c2 für die Dame zugänglich wird, ist die c-Linie endgültig in weißer Hand.

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog