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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 5365 vom 17.07.2009, Kategorie Kolumne

World Open in Philadelphia

Mit zwei Siegen in den Schlussrunden (einer davon gegen Jan Ehlvest - unsere heutige Analyse) beim World Open in Philadelphia vom 29. Juni bis 5. Juli konnte der russische Großmeister Evgeny Najer seinen Titel vom Vorjahr erfolgreich verteidigen. Seine Aussichten auf dem ersten Platz waren nach der siebenten Runde noch nicht besonders gut. Er verlor gegen Hikaru Nakamura, seinen Teamkollegen vom Schachklub Husek Wien. Nun passierte für uns Europäer eine Kuriosität, aber für die Amerikaner ist dies anscheinend Normalität. Der junge Amerikaner Nakamura reiste wegen der Teilnahme bei einem starken Turnier in Spanien ab, ?kaufte? sich aber zuerst zwei Remisen für die letzten beiden Runden. So konnte er von Großmeister Najer noch eingeholt werden., dem auch der Turniersieg zugesprochen wurde.

Endstand nach 9 Runden:
1.Najer 7 Punkte.
2.Nakamura 7.
3.Kamsky 6,5.
4.Smirin 6,5.
5.Stocek 6,5.
6.Akobian 6,5.
7.Yudasin 6,5. (insgesamt knapp 100 Teilnehmer)

Ehlvest (2606) - Najer (2669)

1.Sf3 d5 2.g3 Lg4 3.Lg2 c6 4.0-0 e6 5.d3 Sf6 6.Sbd2 Le7 7.h3 Lh5 8.e4 0-0 9.De1 Sa6 10.a3 Sc7 11.Sb3 Sd7 12.Lf4 Te8 13.Tc1 Lf6 14.Tb1 14.c3 schwächt für immer das Feld d3.

14...e5 Weiß hat zu lange gewartet und nun übernimmt Schwarz die Initiative.

15.Ld2 Se6 16.Sh2 GM Ehlvest strebt weiter eine königsindische Struktur an und provoziert d5-d4.

16...dxe4 Auf 16...d4 könnte 17.Lf3 folgen.

17.dxe4 c5 18.h4 Mit der Drohung 19.g3-g4 und h4-h5 mit Läufergewinn. Der Nachteil ist der Zeitverlust. Die weißen Figuren stehen nicht optimal. Mit 18.Sg4 könnte man zumindest den Springer ins Spiel bringen.

18...h6 19.c4?! Das ist eindeutig eine fragwürdige Entscheidung. Nun sind die Felder d3 und d4 nicht mehr kontrollierbar. Während Schwarz das Feld d4 sofort mit dem Springer besetzen kann, braucht Weiß viel Zeit um einen Springer auf d5 zu bringen. Eine vernünftige Alternative war 19.Lf3 Lxf3 20.Sxf3 und auf 20...c4 (20...Dc7!?) 21.Sa5 Dc7 22.b3 mit dynamischem Gleichgewicht.

19...Db6 20.Sa1? Es ist unverständlich, warum sich Weiß freiwillig in Schwierigkeiten begibt. Aber gleich so ein Zug? Besser war 20.De3.

20...Sd4 Die berechtigte Frage in dieser Stellung: Wann wird der Springer von a1 wieder hervorkommen?

21.f3 Es drohte Lh5-e2. Genauer war 21.g4 Lg6 22.h5 Lh7 23.Dd1 nebst Sa1-c2.

21...De6 22.Tf2?! Plötzlich bietet Weiß ein Bauernopfer an. Zäher war es, den Bauer mit b3 zu decken.

22...Tad8 Schwarz konnte ruhig das Geschenk annehmen: 22...Dxc4 23.Sf1 De6 24.Se3 und 24...c4 mit materiellem und positionellem Vorteil.

23.Tc1 Le7 24.Sf1 Richtung d5.

Diagramm

24...f5! Signal für den Sturm!

25.exf5 Erzwungen.

25...Dxf5 Schwarz ist bereit, zwei Figuren für den Turm und zwei Bauern zu geben. Dabei geht die Stellung auf, wodurch die Disharmonie der weißen Figuren noch deutlicher wird.

26.g4 Df7 27.gxh5 Lxh4 28.De4 Dxh5 Schwarz braucht sich mit dem Turm nicht zu beeilen. Er hat sowieso keinen Zug.

29.Dg4 Lxf2+ 30.Kxf2 Df7 31.Sc2 Endlich zeigt der Springer ein Lebenszeichen!

31...Sf6 32.Dh4 Sb3 33.Td1 e4 Jetzt wird es ungemütlich!

34.Sce3 Auf 34.f4 folgt 34...e3+! 35.Scxe3 Sxd2 36.Txd2 Txd2+ 37.Sxd2 De7! 38.Dh3 Dxe3+! 39.Dxe3 Sg4+ 40.Kg3 Sxe3 mit einer Qualität mehr.

34...exf3 35.Lxf3 Se4+ 36.Kg2 36.Ke2 Sd4+.

36...Sbxd2 37.Sxd2 Dg6+ Die materielle Verluste für Weiß sind beträchtlich: 37...Dg6+ 38.Kh1 (38.Dg4 Dxg4+ 39.Sxg4 Txd2+ 40.Txd2 Sxd2) 38...Txd2 39.Txd2 Sxd2. 0-1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog