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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 5426 vom 09.10.2009, Kategorie Kolumne

"K gegen K" in Valencia

Im Jahr 1984 fing in Moskau der  Kampf der zwei "großen K" (Karpov und Kasparov) um die Weltmeisterschaft an. Das Match zog sich über fünf Monate und wurde nach 48 Partien (40 Remisen) abgebrochen. Beim zweiten Duell setzte sich Kasparov durch und in den folgenden Jahren musste er den Titel immer wieder gegen seinen ewigen Rivalen verteidigen. Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des ersten historischen Wettkampfes in Moskau wurde eine Neuauflage zwischen den beiden Kontrahenten vom 21. bis 24.September in Valencia veranstaltet. Es wurden 4 Aktiv- und 8 Blitzpartien ausgetragen. In keinem der vergangenen Wettkämpfe war Kasparov so überlegen wie in diesem. Nicht unwichtig ist natürlich seine intensive Trainingsarbeit mit Magnus Carlsen seit Anfang dieses Jahres. Vielleicht spielt auch der Altersunterschied eine Rolle, immerhin ist Kasparov 12 Jahre jünger. Während er regelmäßig im Internet blitzt und sich so schachlich fit hält, wurde die mangelnde Spielpraxis bei Karpov, besonders bei der Zeiteinteilung, offensichtlich. Hoffentlich gelingt ihm beim nächsten geplanten Match im Dezember in Frankreich mehr Spannung und Widerstand!

Entstand: Kasparov-Karpov 3-1 (Aktivschach), 6-2 (Blitz).

Kasparov (2812) - Karpov (2619)

1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 Le7 4.cxd5 exd5 5.Lf4 c6 6.Dc2 Ld6 Vereinfacht das Spiel auf Kosten der Entwicklung. Die konsequenteste Antwort ist 6...g6.

7.Lxd6 Dxd6 8.e3 Se7 8...Sf6 wäre eine Alternative.

9.Ld3 Sd7 In der vierten Partie geschah: 9...g6 10.f3 Sd7 11.Sge2 0?0 12.0?0 c5 13.Dd2 a6 14.Tad1 cxd4 15.exd4 Sf6 16.g4 Kg7 17.Df4 Td8 18.Tfe1 b5 19.Dxd6 Txd6 20.Sf4 Kf8 21.h4 Ld7 22.Kf2 Se8 23.Tc1 Tc8 24.a3 Sc7 25.Sce2 Tb6 26.Tc5 Se6 27.Sxe6+ Lxe6 28.Tec1 Ke8 29.Sf4 Kd8 30.b4 Ta8 31.h5 Td6 32.Le2 g5 33.Sd3 1-0 Kasparov (2812) - Karpov (2619), Valencia 2009. Eine andere Idee ist 9...Df6!? 10.Sge2 Lf5 11.b4 a6 12.a4 Sd7 13.0-0 0-0 14.b5 axb5 15.axb5 Sb6 16.bxc6 bxc6 mit symbolischem Plus für Weiß, remis, Seirawan (2621) - Kasimdzhanov (2652), Dordrecht 2004.

10.Sge2 h6 10...Sf6 nebst Rochade sieht natürlicher aus.

11.0?0 0?0 12.a3 Bereitet b2-b4 vor - der sogenannte Minoritätsangriff (die zwei Bauern am Damenflügel attackieren die drei schwarzen).

12...a5 Erschwert die Durchführung der Idee.

13.Tad1 Schwarz ist mit der Entwicklung etwas zurück und Kasparov will das durch Öffnen des Zentrums mit e3-e4 ausnutzen. Weiß könnte natürlich auch b2-b4 mit 13.Tab1 vorbereiten.

13...b6 Auf 13...Sf6 konnte 14.f3 Le6 15.e4 folgen und nach 15...dxe4 16.fxe4 Sg4 17.e5 Dd7 18.Dd2 wäre der g4-Springer in Gefahr.

14.e4 dxe4 15.Sxe4 Db8 16.S2c3 La6 17.Lxa6 Txa6 18.d5 Sxd5 19.Sxd5 cxd5 20.Txd5 Ta7 Nach 20...Sc5 21.Sxc5 bxc5 22.Txc5 Tb6 23.Tb1 Te8 24.g3 hätte Schwarz keine Kompensation für den Minusbauern, obwohl die Realisierung des Materialvorsprungs für Weiß keine leichte Aufgabe wäre.

21.Dd2 Sc5?

Diagramm

Karpov entscheidet sich doch, einen Bauern zu opfern, um die Stellung zu entlasten. Dabei übersieht er einen tödlichen Stoß! Richtig war 21...Se5, obwohl Weiß nach 22.f4 Sc4 23.Dd4 starke Initiative erhält. Zum Beispiel: 23...Tc7 24.Tf3 Dc8 25.Tg3 f5 26.Sf6+ Kh8 27.Sd7 Tg8 28.h3.

22.Sf6+!! Trotz der jahrelangen Turnierabstinenz bleibt Kasparov taktisch auf der Höhe.

22...gxf6 22...Kh8 23.Th5 nebst Th6 mit matt.

23.Dxh6 f5 24.Dg5+ Kh8 25.Df6+ Kg8 26.Txf5 Se4 27.Dh4 Te8 28.Th5 f5 28...f5 29.Th8+ Kf7 30.Dh7+ Kf6 31.Txe8 Txh7 32.Txb8 und das Endspiel ist für Schwarz hoffnungslos. 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog