Wiener Zeitungs Schachergebnisserver - Kolumne
Schach Homepage Swiss-Manager Homepage Österreichischer Schachbund Homepage Wiener Zeitung Homepage CMS-Version 09.10.2016 17:06, Logged on: Gast Suche Impressum Sitemap Login Logoff Kontakt
 Home   Österreich   Welt   Kolumne   Meisterschaft   Turnier-DB   Archiv   Turnierkalender   Links   Datenpflege 

Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 5505 vom 12.02.2010, Kategorie Kolumne

Magnus Carlsen gewinnt in Wijk aan Zee

Die neue Nummer 1 der Welt, Magnus Carlsen, benötigte etwas Glück, um seiner Favoritenrolle beim Großmeisterturnier in Wijk aan Zee (Holland) vom 15. bis 31. Jänner gerecht zu werden. Nach 12 (von insgesamt 13) Runden führte er mit einem halben Punkt Vorsprung vor Kramnik und Shirov. Während Kramnik keinen Vorteil mit Weiß gegen Karjakin erreichte und schnell remisierte, warf Shirov alles nach vorne. Der Spanier spielte fantastisches Schach und startete mit 5 aus 5! Dann verlor er eine Partie gegen Anand, die er eigentlich gewinnen hätte können. Und als Krönung seines Pechs nahm er in der Schlussrunde in gewonnener Stellung Remis an (unsere heutige Partie). Nun durfte Carlsen nicht verlieren, was ihm auch in einem schwierigen Endspiel gelang. Mit diesem tollen Erfolg etablierte sich der junge Norweger als die derzeitige Nummer 1 der Weltrangliste. Vom Weltmeister Anand erwartete keiner große Taten. Der Inder wärmte sich eher für seine Titelverteidigung gegen Topalov im Frühling auf.

Endstand nach 13 Runden:
1.Carlsen 8,5 Punkte.
2-3.Kramnik, Shirov 8.
4-5.Nakamura, Anand 7,5.
6-7.Karjakin,Ivantschuk 7.

Shirov (2732) - Dominguez (2716)

Der Höhepunkt dieses Turniers war bestimmt die folgende Partie. Während Kramnik remisierte und Carlsen ums Remis kämpfte, könnte sich Shirov mit einem Sieg zumindest den ersten Platz teilen.

1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Lg5 Sbd7 7.Lc4 Db6 8.Lb3 e6 9.Dd2 Le7 10.0-0-0 Sc5 11.f3 Dc7 12.Kb1 0-0 13.g4 b5 14.a3 Tb8 15.h4 Ld7 16.Lxf6 Lxf6 17.g5 Ld8 18.h5 a5 19.g6 Sxb3 Völlig unklar sind die Fortsetzungen 19...h6 und 19...fxg6 20.hxg6 hxg6 21.Sd5 Da7.

20.Sxb3 fxg6 21.hxg6 h6 21...hxg6 ist ebenfalls gefährlich: 22.Sxa5 Txf3 (22...Dxa5? 23.Dxd6 Lf6 24.Dxd7) 23.Sb3 und wenn 23...Lf6 dann 24.Sd5! exd5 25.Dxd5+ Kf8 26.e5 Th3 27.Txh3 Lxh3 28.exf6 gxf6 29.Th1 mit starkem Angriff.

22.Sxa5!? Offensichtlich war Shirov mit dem Endspiel: 22.Dxd6 Dxd6 23.Txd6 b4 24.axb4 axb4 25.Txd7 bxc3 26.Thd1 cxb2 unzufrieden.

22...Txf3 22...Le8!? war interessant. 22...Dxa5?? verliert sofort: 23.Txh6!! gxh6 24.Dxh6 und Schwarz ist bald matt.

23.e5! Kompromisslos wie immer. Das Ruhigere 23.Sb3 Tf6 24.Dxd6 Le8 25.e5 Txg6 26.Sc5 Tc8 27.Sd3 führt zu einer ausgeglichenen Stellung.

23...Le8 23...Txc3 funktioniert wegen 24.Txh6! gxh6 25.exd6! nicht. Möglich war aber 23...dxe5!? 24.Sd5 (oder 24.Dxd7 Dxd7 25.Txd7 Lxa5 26.Se4 b4 27.Sd2 Tf2 28.a4 Lb6) 24...Dxa5 25.Se7+ Kf8 26.Dxa5 Lxa5 27.Txd7 Ke8 28.Sc6 Kxd7 29.Sxe5+ Kd6 30.Sxf3 e5 mit etwa gleichen Chancen.

24.exd6! Dxa5 25.Txh6!! gxh6 26.Dxh6 Lf6 Einziger Zug! 26...Da7?? 27.d7.

27.d7 Lxc3! 28.dxe8D+ Txe8 29.Dh1!! Shirov fand den Zug mit nur wenigen Sekunden auf der Uhr! 29.Td7? verliert: 29...Tf1+ 30.Ka2 Ta1+! 31.Kb3 (31.Kxa1 Dxa3+ 32.Kb1 Dxb2 matt) 31...Da4+ 32.Kxc3 Tc8+ 33.Kd3 Dxc2+ 34.Ke3 Te1+ und Weiß wird matt.

29...Te7 29...Dc7 war vielleicht stärker: 30.Dxf3 Lg7 31.Dh3 Le5 32.Tf1 Dg7 33.Dd3 Dc7 und auf 34.Tf7 Te7.

30.Dxf3 Lg7??

Diagramm

Dominguez sah wahrscheinlich gleich, dass Lg7 verliert und bot geschickt Remis an. Shirov mit noch 2 Sekunden für den nächsten Zug nahm an. Was für ein Drama! Mit 31.b2-b4!! konnte er sofort gewinnen. Die schwarze Dame ist überlastet: 31....Dc7 32.Da8 Lf8 33.Tf1 und es ist Zeit zum Aufgeben. Richtig war 30...Le5 mit unklarer Stellung, wobei Weiß genügend Kompensation für die Minusfigur hat. Remis

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog