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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 5532 vom 02.04.2010, Kategorie Kolumne

Die Europameisterschaft in Rijeka

Ohne große Stars verlief vom 6. bis 17. März die 11. Einzeleuropameisterschaft in Rijeka (Kroatien) für Herren und Damen, was aber nicht unbedingt einen Verlust an Attraktivität bedeutete. Ganz im Gegenteil. Es wurde hart und kompromisslos bis zur letzten Runde gekämpft. Würdiger Sieger wurde der junge aufstrebende russische Großmeister Jan Nepomniachtchi. Nach einem Stichkampf ging Silber an Baadur Jobava und Bronze an Artyom Timofeev. Aus Österreich nahmen 11 Spieler teil. Nach einer sensationellen Eloleistung von 2724 versäumte Markus Ragger nur knapp die Qualifikation für den Weltcup. In der wichtigen zehnten und vorletzten Runde verspielte er eine gewonnene Stellung gegen Großmeister Navara. In der Schlussrunde hatte er gegen den starken russischen Großmeister Kobalia leider wieder Schwarz, konnte ein schwieriges Endspiel halten und beendete das Turnier mit 7 Punkten aus 11 Partien dennoch "nur" als 46. (von 408 Teilnehmern). Die anderen österreichischen Vertreter spielten im Rahmen ihrer Erwartungen.

Ragger (2572) - Riazantsev (2660)

1.Sf3 d5 2.d4 Sf6 3.c4 e6 4.g3 Lb4+ Mit dieser modernen Reihenfolge erreicht Schwarz mit Umstellung Stellungen aus der Damenindischen-Verteidigung.

5.Ld2 Le7 6.Lg2 0-0 7.0-0 c6 8.Dc2 b6 9.Td1 Sbd7 10.Sc3 La6 11.b3 Tc8 12.e4 dxc4 13.Lf4 Te8 14.Sd2 b5 15.bxc4 bxc4 16.Lf1 Da5N Das scheint ein neuer Zug zu sein. Gespielt wurde: 16...c5 und nach 17.d5 exd5 18.exd5 Sb6 19.d6 Lf8 20.Lh3 Ta8 21.Sde4 Sxe4 22.Sxe4 geriet Schwarz in Schwierigkeiten, remis, Nyback (2563) - Johannessen (2559), Turin 2006.

17.Sxc4 Auf 17.Lxc4 könnte 17...Lxc4 18.Sxc4 Da6 19.Se5 Ted8 mit etwa gleichen Chancen folgen.

17...Lxc4 18.Lxc4 e5 19.dxe5 Sxe5 20.Lf1 Die Alternative war 20.Le2 Lb4 21.Tac1 Sg6 (oder 21...Lxc3 22.Dxc3 Dxc3 23.Txc3 Sxe4 24.Ta3) 22.Le3 Lxc3 23.Dxc3 Dxc3 24.Txc3 Sxe4 25.Ta3 c5 26.Lb5 Te7 27.f3 Sf6 28.Tc3 und Weiß gewinnt früher oder später den Bauern zurück.

20...Lb4 Beachtung verdient 20...Lc5!?.

21.Tac1

Diagramm

21...g5!? Originelle Idee!

22.Lxe5 Weiß hat nichts Besseres. Zum Beispiel: 22.Le3 Sfg4 23.Ld4 Sf3+ 24.Kg2 c5.

22...Dxe5 23.Lg2 La3 23...Tcd8 war vielleicht genauer.

24.Tb1 Lc5 25.Td3! Mit der Idee Td3-f3-f5.

25...g4 Verhindert Td3-f3.

26.Tbd1 Te6 27.Sa4! Le7 Interessant war 27...Lb6 28.Sxb6 axb6 29.f4!? gxf3 30.Lh3 f2+ 31.Dxf2 Sxe4 32.Dxb6 f5 mit unklarem Spiel.

28.Sb2 Richtung c4.

28...Dc7 Nun übernimmt Markus die Initiative. Nach 28...Sxe4 geht die Stellung auf und der schwarze König wird sichtlich schwach: 29.Te3 f5 30.Sd3 Dg7 31.Dc4 Df7 32.Lxe4 Txe4 33.Txe4 fxe4 34.Dxe4; Richtig war 28...Dg5 mit kompliziertem Spiel.

29.Sc4 h5 30.h3 Hier wäre 30.Dc1 sehr stark.

30...Tb8 31.hxg4 hxg4 31...Sxg4 war nicht besser: 32.Td7 Dc8 33.Lf3 Tb7 34.T7d4.

32.e5 Txe5 Schwarz ist gezwungen, die Qualität zu geben. Auf 32...Sd5 folgt 33.Lxd5 cxd5 34.Txd5 und auf 34...Tc8 dann 35.T1d4.

33.Sxe5 Dxe5 34.Te3 Dc5 35.Dxc5 Lxc5 36.Tc3 Schwarz bleibt mit einer Qualität weniger ohne Spur einer Kompensation. Markus realisiert das Endspiel sauber.

36...Tb5 37.Lxc6 Ta5 38.Tc4 Kg7 39.Td2 39.Ta4 war möglich: 39...Txa4 40.Lxa4 Se4 41.Kg2 Sxf2 42.Td5 Lb6 43.Lc2 Sh3 44.Tf5 f6 45.Ld1 Sg5 46.Lxg4.

39...Lb6 40.Kg2 Tf5 41.La4 Kh6 42.Lc2 Te5 43.Tf4 Kg5 44.Ld1 Te6 45.Lb3 Te4 46.Txe4 Sxe4 47.Td5+ Kf6 48.Lc2 Sc3 49.Tf5+ Ke6 50.Tf4 f5 51.Lxf5+ Ke5 52.Tc4 Sd1 53.Lc2 Sxf2 54.Tf4 54.Tf4 Sh3 55.Txg4 Sg1 56.Tb4 mit Materialgewinn. 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog