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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 5568 vom 11.06.2010, Kategorie Kolumne

Gata Kamsky nach 19 Jahren wieder US-Champion!

Vom 13. bis 25. Mai fand im schönen Ambiente des Schach-Klubs in Saint Louis die amerikanische Meisterschaft mit einem Preisfond von 170.000 US$ statt. Es wurde zuerst ein Einladungsopen in 7 Runden gespielt. Die ersten Vier qualifizierten sich für ein Rundenturnier um den Gesamtsieg. Ins Finale kamen allesamt Ex-Champions: Kamsky (zuletzt im Jahr 1991!), Onischuk, Shulman und Titelverteidiger Nakamura. Kamsky und Shulman erreichten Gleichstand mit einem Sieg und zwei Remisen. Der Turniermodus sah für diesen Fall eine kuriose Lösung vor. Der Turniersieg sollte in einer Partie entschieden werden mit einer Bedenkzeit, die jeder Spieler geheim vorschlagen konnte. Der Gewinner dieser Auktion (der, mit der kürzeren Bedenkzeit) konnte sich die Farbe auswählen, wobei dem Schwarzen ein Remis ausreicht. Kamsky gewann diese geheime "Versteigerung" mit 25 Minuten und wählte die schwarzen Steine. Er verbrauchte wenig Zeit, überließ dem Gegner aber völlig das Kommando. Shulman spielte stark, aber (zu) langsam. In der Zeitnotphase konnte er ein überlegenes Endspiel mit einem Bauern mehr nicht verwerten. Damit gewann Gata Kamsky nach 19 Jahren Unterbrechung seinen zweiten Titel und ein Preisgeld von 30.000 US$.

Nakamura (2733) - Shulman (2613)

1.e4 e6 Die französische Verteidigung ist zur Zeit wieder aktuell.

2.d4 d5 3.Sc3 Lb4 4.e5 c5 5.a3 Lxc3+ 6.bxc3 Da5 Eine interessante Nebenvariante. Die Hauptfortsetzung für Schwarz ist 6...Se7.

7.Ld2 Da4 8.Sf3 Sc6 Beachtung verdient 8...b6 nebst 9....La6.

9.h4 cxd4 Großmeister Shulman erreichte mit 9...Sge7 in der folgenden Begegnung gute Stellung: 10.h5 h6 11.Th4 c4 12.Tf4 Ld7 13.Sh4 Sf5 14.Sxf5 exf5 15.g4 fxg4 16.Le2 Sd8 17.Lxg4 Se6 18.Tf3 Sg5 19.Tg3 0-0-0, 1-0, Khalifman (2653) ?Shulman (2565), Khanty Mansiysk 2005. Die Idee mit dem Läufertausch wäre ebenfalls spielbar: 9...b6 10.h5 La6 11.Th4 Lxf1 12.Kxf1 cxd4 13.cxd4 Tc8 14.Kg1 Sge7 mit dynamischem Gleichgewicht, 0-1, Van der Weide (2502) - Vaganian (2590), Dresden 2007.

10.cxd4 Sge7 Das Gambit 10...Sxd4 11.Ld3 wäre nicht nach jedermanns Geschmack. 10...b6 ist hier auch möglich: 11.De2 Sge7 12.Db5 Dxb5 13.Lxb5 Ld7 14.a4 Sf5 mit gleichen Chancen, Remis, Sandipan (2522) ? Lysyj (2468), Moskau 2004.

11.h5 Sxd4 GM Shulman entschied sich doch für das Gambit. Gespielt wird auch 11...h6, worauf Weiß mit 12.Th4 antworten kann.

12.Ld3 h6 Weiß erreichte Vorteil nach 12...Sec6 13.Kf1 Sxf3 14.Dxf3 b6 15.h6 La6 16.hxg7 Tg8 17.Lxa6 Dxa6+ 18.Kg1 Txg7 19.Df6 Tg8 20.Txh7 Db7 21.Lg5, Remis, Kasparov (2780) - Anand (2670), Linares 1992.

13.Kf1 Mit der Idee Th1?h4.

13...Sxf3 14.Dxf3 b6 15.Dg3 La6 16.Dxg7 Lxd3+ 17.cxd3 Tg8 18.Dxh6 Dd4 19.Te1 Neuer Zug. Gespielt wurde 19.Tc1 Dxd3+ 20.Kg1 De4 21.g3 Dxe5 22.Df4 Dxf4 23.Lxf4 Tc8 und Weiß hat Kompensation für den Bauern.

19...Dxd3+ 20.Kg1 Tc8 21.Lg5?! Damit ging GM Nakamura in eine Fortsetzung, in der auf ihn eine Überraschung wartete! Richtig war 21.De3 mit gleichen Chancen.

21...Df5! 22.f4? Das kleinere Übel war 22.Lxe7 Kxe7 23.De3.

22...Tc2 23.Th2?? Dieser natürliche Zug, der g2 überdeckt, entpuppt sich als grober Fehler! Notwendig war 23.Df6 Dxf6 24.exf6 Sf5 25.Th3 Th8 26.h6 Kd7 27.h7 und Weiß hält die Balance.

23...Dd3! 24.Df6 Txg5!! 25.Dxg5 Auf 25.fxg5 folgt einfach 25...Sf5 mit entscheidendem Angriff.

25...Dd4+ 26.Kh1

Diagramm

26...De3!! Weiß ist gegen 27...Tc2-c1! schutzlos 0-1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog