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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 5590 vom 30.07.2010, Kategorie Kolumne

Shimanov gewinnt in Oberwart

Der noch wenig bekannte 18-jährige Großmeister aus Russland Alexandr Shimanov gewann das traditionelle Open in Oberwart (Burgenland) mit 7 Punkten aus 9 Partien und ließ damit eine ganze Reihe von Turnierfavoriten um einen halben Punkt hinter sich. Er startete mit 5 aus 5 und "verwaltete" in den restlichen 4 Runden souverän seinen Vorsprung. Zweiter wurde nach Zweitwertung der mehrfache Oberwart Sieger GM Imre Hera aus Ungarn. Dritter und gleichzeitig bester Österreicher wurde GM David Shengelia. Alexander Fauland, der sein Comeback so furios mit 4 aus 4 startete, musste danach zweimal mit Weiß die Waffen strecken. Mit zwei Siegen in den Schlussrunden (in Runde 9 gegen Niki Stanec!) wurde er trotzdem ausgezeichneter Siebenter und verfehlte die Großmeisternorm nur hauchdünn um einen halben Punkt.

Reinwald (2086) - Shimanov (2519)

1.e4 c6 2.d4 d5 3.e5 Lf5 4.Se2 e6 5.Sg3 Lg6 6.h4 h6 7.h5 Lh7 8.Ld3 Lxd3 9.Dxd3 c5 Schwarz erreicht eine Stellung, die typisch für die französische Verteidigung ist, nur dass der passive Läufer von c8 getauscht wurde, was natürlich ein Plus für Schwarz ist. Weiß hat dafür Raumvorteil im Zentrum und am Königsflügel.

10.c3 Sd7 Die Alternativen sind 10...Sc6 und 10...Db6.

11.0-0 Se7 11...Db6 war auch hier möglich. Die Dame macht sofort Druck auf b2 und d4.

12.f4 Db6 13.Kh1 g6 Vermeidet f4-f5. Beachtung verdient: 13...Sc6 14.f5 0-0-0 15.Se2 Le7 16.Sd2 Kb8 mit beidseitigen Chancen.

14.hxg6?! Die erste Ungenauigkeit. Besser war 14.Sd2 ohne Tausch auf g6.

14...fxg6 15.Sd2 cxd4 16.cxd4 h5 Das ist der Unterschied. Schwarz vertreibt nun den Springer von g3 und platziert den eigenen Springer auf f5.

17.Sf3 h4 18.Se2 Sf5 19.Ld2 Sb8 19...Le7 war vielleicht präziser.

20.Lc3 Überflüssig. Wenn b2-b4, dann sofort.

20...Le7 20...Da6 wäre natürlich möglich, aber mit so einer Elo-Differenz tauscht man ungern die Damen: 21.Dxa6 Sxa6 22.Tac1 Le7 23.Ld2 Kd7.

21.b4 Dd8 Die Dame macht das Feld b6 für den Springer frei.

22.Ld2 Sd7 23.g4 Auf 23.Sg5 folgt 23...Lxg5 24.fxg5 Sb6 25.Sf4 Kf7 nebst Sb6-c4 und die schwarzen Springer dominieren.

23...hxg3+ 24.Kg2 Sb6 25.Th1 Kf7 26.Txh8 Beachtung verdiente 26.Sxg3 Sc4 27.a4.

26...Dxh8 27.Th1 Dg7 28.Sxg3 Sc4 29.b5?! Weiß möchte die Probleme taktisch lösen, was die Entscheidung aber nur beschleunigt. Richtig war 29.Lc1 Th8 30.Txh8 Dxh8 31.Sxf5 gxf5 32.Dd1 b5 33.a3 und Weiß stünde passiv aber mit realen Remisaussichten.

29...a6 30.Lb4 Die Pointe!

30...Sce3+ 31.Kf2 Sg4+ 32.Kg2? Der letzte Fehler. Notwendig war 32.Kg1! Sxg3 33.Sg5+ Lxg5 34.Dxg3 Ld8 (34...Sh6 35.Dxg5 Sf5 36.bxa6 bxa6 37.Lc5) 35.Dxg4 axb5 36.De2 Lb6 37.Lc3 und die Stellung ist immer noch kompliziert, aber offen.

32...Sfe3+ 33.Kg1 Lxb4! 34.Sg5+ Kg8 35.Th7 Dxh7 36.Sxh7 Kxh7 37.Db3? Mehr Widerstand könnte 37.Sf1 leisten.

37...Tc8 38.Se2 38.Db1 Tc2.

38...Le1! 39.bxa6 Lf2+ 40.Kh1 Th8! 41.Dxb7+ Kg8+ 0-1

Ein schönes Opfer:

Stanec (2548) - Sandhöfner (2229)

Diagramm

44...Kg6 45.Dh1! Dd2? Schwarz nimmt die Einladung an. Richtig war aber 45...f5 46.Dh4 De6 47.Dd8 Lb7 48.Dg5+ Kf7 49.Lc3 Lc6 und Schwarz steht passiv, aber sicher.

46.Lxg4 Dxb2 47.Dh8 Sg7 47...Kf7 verliert trivial: 48.Dh7+ Kf8 49.Lh5 Sd6 50.Dc7 Dd2 51.Dxc6.

48.Dg8 f5 48...Kh6 49.f5 nebst Dh8.

49.Lh5+!! Das ist der Schlüsselzug, den Florian wahrscheinlich übersehen hatte, bevor er 45...Dd2 spielte. 49.Lh5+ Kxh5 (49...Kf6 50.Df7 matt) 50.Dh7+ Kg4 51.Dh3matt. 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog