Wiener Zeitungs Schachergebnisserver - Kolumne
Schach Homepage Swiss-Manager Homepage Österreichischer Schachbund Homepage Wiener Zeitung Homepage CMS-Version 10.06.2017 12:15, Logged on: Gast Suche Impressum Sitemap Login Logoff Kontakt
 Home   Österreich   Welt   Kolumne   Meisterschaft   Turnier-DB   Archiv   Turnierkalender   Links   Datenpflege 

Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 5599 vom 20.08.2010, Kategorie Kolumne

Damenstaatsmeisterschaft 2010

Der Sieg von Eva Moser bei der Damenstaatsmeisterschaft (bei den Herren gewann sie im Jahr 2006!) sollte eigentlich ein leichter "Spaziergang" werden. Zur Freude der Zuschauer blieb der Damenbewerb bis zum Schluss sehr spannend. Die Ursache daran lag in erster Linie an Eva selbst. Zuerst ließ sie den vollen Punkt gegen die Hauptkonkurrentin Tina Kopinits in der 3. Runde aus und gleich in der 4. Runde verlor sie unnötig, nach einem unkorrekten Opfer, gegen Julia Novkovic. Es folgte eine Aufholjagd auf die führende Wienerin Tina Kopinits. Nach 8 Runden lagen die beiden Turnierfavoritinnen mit 6,5 aus 8 gleich auf, wobei Eva die bessere Zweitwertung hatte. Tina, der Titelverteidigerin von 2009, nützte nur ein Sieg in der letzten Runde. Während Ihre junge Gegnerin Veronika Exler sich präzise verteidigte und die Partie Remis ausging, konnte Eva zum fünften Mal hinter einander punkten und damit den Meistertitel bei den Damen holen. Die weiteren Plätze:

3. Helene Mira 6.5 Punkte,
4. Katharina Newrkla 6,
5. Veronika Exler 5.5,
6. Maria Horvath 5,
7. Annika Fröwis 5,
8. Mag. Andrea Schmidbauer 5,
9. Rebecca Fritz 5.

Exler V. (2143) - Moser E. (2440)

1.e4 d6 Eva spielte in fast jeder Partie eine andere Eröffnung, sowohl mit Weiß als auch mit Schwarz. Hauptsächlich um der Heimanalyse der Gegnerin auszuweichen und die eigenen Varianten nicht zu verraten. Diese werden dann in wichtigeren Partien eingesetzt.

2.d4 Sf6 3.Sc3 Sbd7 4.Le3 e5 5.f3 c6 6.Dd2 Le7 7.Sge2

Diagramm

7...d5?! Eine Neuerung, aber keine besonders Erfolg versprechende.

8.exd5 cxd5 9.0-0-0 0-0 Damit opfert Schwarz einen Bauern. Die Alternative war 9...e4 10.fxe4 dxe4 11.d5 Lb4 12.a3 La5 13.d6 0-0 14.Sg3 Te8 mit unbestrittenem Vorteil für Weiß.

10.dxe5 Sxe5 11.Sxd5 Sxd5 12.Dxd5 Dc7 13.Lf4 Lf6 14.g4?! Zu optimistisch! Richtig war 14.De4 und Schwarz hätte weitere Probleme.

14...Le6 15.De4 Tad8 16.Txd8 Txd8 17.Sc3 g5! 18.Lxe5 Lxe5 19.Ld3 Lxc3 20.Dxh7+ Kf8 21.bxc3 Dxc3 22.Dh6+ Ke8 23.Td1 Td5 Weiß hat einen Bauern mehr, aber Schwarz hat genügend Kompensation.

24.Dh7 Beachtung verdiente 24.h4 Ta5 25.a4 Ld7 26.Lb5 Da1+ 27.Kd2 Dd4+ 28.Kc1 Da1+ mit Dauerschach.

24...Ke7 25.De4 Für die restlichen 16 Züge (die erste Zeitkontrolle endet nach 40 Zügen) mussten beiden Spielerinnen nur mit dem 30-Sekunden Bonus pro Zug zurechtkommen.

25...Da3+ 25...Kf8!? sollte präziser sein.

26.Kd2 Da5+ 27.Kc1 27.Ke2?? Te5

27...Da3+ 28.Kd2 Da5+ 29.Kc1 Damit sind ein paar Minuten auf der Uhr dazugekommen.

29...b6 Damit sie im Rennen um den Meistertitel bleibt, musste Eva unbedingt gewinnen. Der Bauer auf b7 hängt oft mit Schach.

30.a4? Das ist der erste Fehler in dieser Partie. Richtig war 30.f4 gxf4 31.Dxf4 Dxa2 32.h4 und Weiß hat nichts zu befürchten.

30...Dc3 Nun ist Weiß wirklich in Schwierigkeiten. Es droht schon Td5-d4-a4.

31.h3?? Die Uhr tickt und es ist nicht leicht die einzige spielbare Variante zu finden: 31.De3 Te5 32.Df2 Da1+ 33.Kd2 Dxa4 34.Dg3.

31...Td4 32.Db7+ 32.De1 Txd3

32...Td7? Eva revanchiert sich! Mit 32...Ld7! könnte sie gleich gewinnen.

33.De4? Die Dramatik steigert sich weiter! Mit 33.Da6! hält Weiß wieder die Balance.

33...a6? Eva versäumte es noch einmal mit 33...Td4! zu gewinnen: 34.De3 Txa4 35.Dxg5+ f6 36.Dg7+ Lf7.

34.f4 Weiß stabilisiert sich erneut. Aber noch stärker war 34.De3.

34...gxf4 35.Dxf4 Td4 36.Dg5+ Kd7 37.De5?? In Zeitnot fesselt man gern. Aber Achtung, die Dame ist ungedeckt! Richtig war 37.De3! Da1+ 38.Kd2 Dxa4 39.Ke2 und der logische Ausgang sollte Unentschieden sein.

37...Da1+ 38.Kd2 Txd3+ 0-1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog