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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 5631 vom 29.10.2010, Kategorie Kolumne

Kramnik gewinnt Grand Slam in Bilbao

Die dritte Auflage des Grand Slams verlief heuer in zwei Etappen. Bei der Vorrunde in Shanghai vom 3. bis 8. September qualifizierten sich Shirov und Kramnik für das Finale in Bilbao (Spanien) vom 9. bis 15. Oktober. Carlsen und Anand ergänzten das Quartett. Der Wettlauf um den Turniersieg wurde schon in den ersten zwei Runden entschieden. Kramnik bezwang Carlsen und Shirov und die restlichen 4 Runden hielt er die Gegner gekonnt auf Distanz. Weltmeister Anand beendete das Turnier als Zweiter. Er profitierte von Carlsens Fehler in der zweiten Runde. Elo-Favorit Carlsen, der übrigens nach diesem Turnier hinter Anand auf Platz zwei in der Eloliste rutscht, wirkte im zweiten Teil des Turniers sehr kämpferisch und entschlossen, seine Platzierung zu verbessern. Shirov konnte er bezwingen und überholen. In der Schlussrunde hatte er eine vielversprechende Stellung gegen Anand, aber nach einigen Ungenauigkeiten musste er schon ums Remis bangen. Shirov, der Sieger von Shanghai, tat sich hier schwer und konnte seine Gefährlichkeit kaum ins Spiel bringen.

Endstand nach 6 Runden:
1.Kramnik 10 Punkte,
2.Anand 8,
3.Carlsen 6,
4. Shirov 4.
(Sieg=3 Punkte, Remis=1 Punkt)

Kramnik (2780) - Carlsen (2826)

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 b6 4.g3 La6 5.Da4 Diese nicht besonders anspruchsvolle Variante ist für Spieler, die Schach spielen wollen und die langen Heimanalysen des Gegners zu vermeiden suchen.

5...Lb7 6.Lg2 c5 7.dxc5 bxc5 Folgt dem Prinzip: Bauern Richtung Zentrum. 7...Lxc5 ist ebenfalls möglich, wird aber seltener gespielt.

8.0-0 Le7 9.Sc3 0-0 10.Td1 Db6 11.Lf4 Td8 11...Dxb2?? wäre ein grober Fehler: 12.Tab1 Dxc3 13.Txb7 Sc6 14.Ld2. Die übliche Antwort ist hier allerdings 11...d6.

12.Tab1 h6 13.Db5 Lc6 14.Dxb6 axb6 15.b3 15.Lc7 Tc8 16.Lxb6?? Ta6 und der Läufer geht verloren.

15...g5 Mit 15...Se4 16.Sxe4 Lxe4 17.Tb2 Lf6 könnte Schwarz leicht ausgleichen: 18.Le5 Lxe5 19.Sxe5 Lxg2 20.Kxg2 d5 21.cxd5 Txd5 22.Txd5 exd5 23.Td2 f6 24.Sg6 Kf7 25.Sf4 d4.

16.Lxb8!? Für die "Läuferpaar-Fetischisten" ein Tabubruch!

16...Taxb8 17.Se5 Lxg2 17...La8!? verdiente Beachtung.

18.Kxg2 Tbc8 Bereitet d7-d6 vor.

19.e4 d6 20.Sd3 Die Stellung ist gleich, manche würden meinen - langweilig. Der Unterschied ist nur, dass Kramnik gleiche Endspiele gern spielt. Auf jeden Fall mit mehr Freude und Begeisterung als üblicherweise seine Gegner.

20...Kf8 21.h3 Sd7 22.f4 Sb8 Mit der Idee Sb8-c6-d4.

23.Sa4 Sd7 24.Sf2 Ta8 25.Td2 Ta5 Droht b6-b5.

26.Sc3 Sb8 27.Tbd1 Sc6 28.Sb5 gxf4 29.gxf4

Diagramm

29...d5?! Carlsen sucht die schnelle Auflösung. In Wirklichkeit fangen mit diesem Zug die Probleme für Schwarz an. Eine Alternative war 29...Sd4 30.Sxd4 cxd4 nebst Le7-f6. Wenn 31.Txd4 Txa2 32.e5 dann 32...Lh4 33.T4d2 Txd2 34.Txd2 dxe5 35.Txd8+ Lxd8 36.fxe5 f5 mit Ausgleich.

30.exd5 exd5 31.cxd5 Txb5 32.dxc6 Tc8 33.Sg4 Txc6 34.Se5 Te6 35.Kf3 Trotz der Vereinfachung ist die weiße Dominanz offensichtlich.

35...Ta5 Aus praktischer Sicht war vielleicht 35...Tb4 36.Td7 Lf6 37.Txf7+ Ke8 38.f5 Txe5 39.Txf6 Ke7 besser.

36.Tg2 f6 37.Sc4 Trocken gespielt, typisch Kramnik! 37.Tg6!? gewinnt die Qualität: 37...Txa2 38.Tdg1 Txe5 39.fxe5 Kf7 40.Txh6 und 40...Tb2 geht wegen 41.e6+! Kxe6 42.Te1+ Kd6 43.Th7 Lf8 44.Te8 nicht.

37...Ta7 Oder 37...Ta8 38.f5 Tc6 39.a4 Td8 40.Txd8+ Lxd8 41.Tg6 h5 42.Ke4.

38.f5 Tc6 39.a4 Tb7 40.Tg6 h5 41.Tdg1 Ke8 42.Se5 Tc8 43.Tg8+ Lf8 44.Sg6 Tf7 45.Td1 Zugzwang! Zum Beispiel: 45.Td1 Ta8 46.Td6 Tb8 47.Ke4 h4 48.Kd5 Tc8 49.Ke6 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog